Doppelt so lang wie bisher: Warum ein neuer Radweg eine Kriechspur ist

Der neue Zweirichtungsradweg in der Alserbachstraße bremst die Radfahrer aus. Wer ihn nicht nützt, ist gleich drei Minuten schneller. Pro Richtung.
Zwei Männer mit Fahrradhelmen und Sonnenbrillen stehen mit ihren Fahrrädern an einer Straßenkreuzung bei sonnigem Wetter.

An der Einmündung der Althanstraße in den Julius-Tandler-Platz verlieren sich die beiden Radfahrer aus den Augen. Seit Wochen schon sorgt der neu gebaute Radweg in der Alserbachstraße in der Szene für Kritik. Aber ist sie berechtigt? 

Ein Mann mit Helm fährt auf einem Fahrrad neben einem weißen Lieferwagen über einen Zebrastreifen in der Stadt.

Wo Radfahrer beim Spurwechsel ihr Leben riskieren: Kreuzung am Julius-Tandler-Platz.

Zwei KURIER-Redakteure wollten es genau wissen: Der eine drückte aufs Tempo und auf die Stoppuhr, der andere hatte auf weniger als einem Kilometer das Nachsehen und benötigte rund die doppelte Zeit.

Grüne Welle

Dass ein so eklatanter Unterschied auf so kurzer Strecke möglich ist, liegt allein an der Ampelschaltung: Vor dem Franz-Josefs-Bahnhof Richtung Gürtel springt die Rad-Ampel auf dem neuen, fast drei Meter breiten Zweirichtungsradweg nämlich stets auf Rot.

Was viele, viele Pedalritter für einige Meter wieder auf die Kfz-Fahrbahn umspuren lässt, weil dort das grelle Grünlicht magisch anzieht. Das Manöver ist riskant, eigentlich verboten (Radwegbenutzungspflicht!), bringt aber einen ordentlichen Benefit in Form einer grünen Welle auf dem weiteren Radweg.

Rote Welle

Während also der Mutige bereits mit viel Schwung an der Nussdorfer Markthalle vorbeizieht und ohne Halt bis hinauf zum Gürtel weiterpreschen kann, will die Ampel unten an der Althanstraße nicht und nicht auf Grün schalten. Das mag beim Freizeitausflug am Wochenende nicht schlimm sein, wer jedoch (als Berufsradler) Termine hat, bekommt Junge, wie man in Wien gerne sagt.

Karte zeigt eine geplante Radverbindung entlang der Alserbachstraße von der Nußdorfer Straße bis zur Friedensbrücke.

1,2 km Radweg: Der neue Zweirichtungsradweg auf der Alserbachstraße ist das Herz der verbesserten Verbindung zwischen Donaukanal (Friedensbrücke) und Gürtel: Der Abschnitt Fuchsthallergasse wurde 2024 gebaut, 2025 folgten die baulich getrennten restlichen 900 m.

 

Wenn es endlich weitergehen darf, muss man gar nicht fest in die Pedale treten, denn auch die nächste Ampel an der Liechtensteinstraße leuchtet wieder – Rot. Der neue Radweg in der Alserbachstraße erlaubt somit Kontemplation beim allmählichen Dahinrollen. Mit modernen Radhighways wie schon vor vielen Jahren in Kopenhagen angelegt kann er nicht mithalten.

Ein Schmankerl ist auch die neue Schikane vor der Markthalle mit gleich zwei Ampeln, die Radfahrer aus dem Rhythmus bringen. Kaum schaltet die Erste auf Grün, springt die zweite wenige Meter dahinter auf Rot.

Ein Radfahrer mit Helm wartet an einer roten Ampel an einer Kreuzung, links steht ein Rettungswagen, im Hintergrund sind Gebäude.

Wo Radfahrer Rot sehen: Doppelter Radweg-Halt bei der Markthalle.

In der Fuchsthallergasse wird dann die Zeit genommen – mit einem klaren Ergebnis: Beim Schnellfahrer stoppt die Uhr bei 3:50 Minuten, beim Langsamen bei 7:01. Kein Hundertstelkrimi.

Die Rückfahrt

Noch bitterer wird es aber bei der Rückfahrt zum Donaukanal: Hier trennen sich die Wege bei der Kreuzung zur Liechtensteinstraße: Der eine reitet auf der alten Strecke der Alserbachstraße auf dem Mehrzweckstreifen die grüne Welle – und sieht schon nach exakt 3:18 Minuten die Zielflagge. Der andere muss auf die andere Straßenseite zum neuen Radweg wechseln und steht dann wieder vor roten Ampeln. Der Zeitverlust auf der Kriechspur zur Friedensbrücke ist enorm – 7:15 Minuten bedeuten mehr als die doppelte Fahrzeit.

Damit ist auf gerade einmal 900 Meter mit dem Neubau nicht wirklich etwas gewonnen. Außer mehr Sicherheit. Dass die vielen roten Rad-Ampeln ein Problem sind, weiß mittlerweile auch die Mobilitätsagentur – daher werde „eine bessere Schaltung für den Radverkehr“ geprüft, sagt man zum KURIER. Wie heißt es so schön? Wer ausgebremst wird, verliert.

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