Rad-Check in Wien: An diesen Orten brauchen Radfahrer gute Nerven

Zum Start in die neue Saison sorgen neue Radwege, Radrouten und Radhighways für Diskussionen. Der KURIER hat sich schon einmal durch einige Nadelöhre, Engpässe und Schikanen gezwängt. Ein Fahrbericht.
46-223171550

Die Tage werden länger und sonniger, mehr Menschen in Wien steigen wieder auf ihr Rad – und die Diskussionen rund um den notwendigen Umbau des Ring-Radwegs wollen nicht verstummen.

Der perfekte Zeitpunkt, um einige Fahrrad-Passagen in Wien anzufahren, in denen es seit Jahren richtig unrund für die Stadtradler läuft.

  • Schlangenlinie fahren auf der „Zweierlinie“:

    Sechs Spuren für die Autos – und der getrennte Radweg nicht breiter als ein Meter, so präsentieren sich Auersperg- und Museumsstraße seit sehr vielen Jahren. Wer einen anderen Radler überholen möchte, braucht gute Nerven. Millimeter entscheiden hier über ein gutes Fortkommen. Wie die Stangen in einem Ski-Slalom muss man in Fahrtrichtung Volkstheater die Laternen umkurven.

Zwei Radfahrer fahren auf einem markierten Radweg an einer belebten Kreuzung in der Stadt entlang.

Eine Art Rad-Highway am Praterstern: Hier sehen die Radler  zumeist Rot.

  • „Radhighway Nord“ mit eingebauten Schikanen:

    Wer regelmäßig von Kagran kommend via Reichsbrücke und Praterstern weiter zur Urania fährt, fragt sich im Laufe der Zeit, ob die Ampeln den Auto- oder Radverkehr beschleunigen sollen. Weil man ja angeblich auf einem „Radhighway“ unterwegs ist. Achtung, Praterstern! 

    Vor dem Gasthaus Hansy wird der Radweg gefährlich eng. Immerhin erlaubt eine der beiden Ampeln, die jeder passieren muss, der den Zweirichtungsradweg auf der anderen Seite der Praterstraße ansteuert, immer ein kurzes Verschnaufpäuschen.

Eine Person mit Rucksack fährt auf einem Fahrradweg am Fluss entlang, umgeben von kahlen Bäumen.

Entlang des Donaukanals wird es für Stadtradler zunehmend ungemütlich. 

  • Ein Radweg, der von der Zeit überholt wurde:

    Werktags nach Büroschluss mutiert die Radverbindung, die am rechten Ufer des Donaukanals vom Schottenring zum Nordsteg hinaus führt, Anfang März wieder zu einer gefährlichen Rennbahn für unterschiedliche Typen und Interessen: Noch in ihrem Job schwelgende Werktätige werden auf dem Nachhauseweg von rücksichtslosen Rennradlern geschnitten, ab und zu queren Hunde und deren Besitzer die Asphaltpiste. 

    Ein Fußgänger tritt nach dem Klogang erleichtert, jedoch unkonzentriert aus dem toten Winkel einer Brücke direkt auf die Fahrbahn. Schon ist die Sirene eines Rettungsautos zu hören. Ein Wunder nur, dass hier nicht mehr passiert. In den 1980er-Jahren sah man hier nur Spaziergänger im gemäßigten Gehtempo. Doch der kreuzungsfreie Weg am Kanal ist heute alles andere als eine Flaniermeile.

Eine Person fährt mit dem Fahrrad auf einer Straße an einem Tabakautomaten und einem Café vorbei.

Gefährliche Rechtskurve zwischen dem Hotel Imperial und dem Ring. 

  • „Ring of Fire“ auf der Wiener Ringstraße:

    Vor wenigen Tagen hat der Mobilitätsclub ÖAMTC sein „360-Grad-Konzept“ für einen sicheren Radweg vorgestellt, in wenigen Tagen wird die Stadt ihre Pläne präsentieren. Einig sind sich alle Planer: Es ist sehr kompliziert, aber die beiden Radwege, der eine an der Innen-, der andere an der Außenseite der Ringstraße, müssen dringend umgebaut werden. Der Ring brennt, besser gesagt seine Alleen und die Nebenfahrbahnen. 

    Touristen, die ihre Augen einzig auf die Prachtbauten gerichtet haben, und das Rad vor lauter Architektur nicht sehen, dazu Essenzusteller, E-Biker und Radschleicher: die zuletzt deutlich gestiegenen Unfallzahlen verlangen eine schnelle Intervention. Zusätzlich gefährlich sind alle Richtungsänderungen in schlecht einsehbaren Kurven, etwa vorbei an dem Kiosk vor dem Hotel Imperial.

Eine Person mit Helm fährt auf einem Fahrradweg unter einer Brücke, während Autos auf der Straße daneben stehen.

Stop and Go am Gürtel: Der Radweg erinnert an einen Zick-Zack-Kurs. 

  • Der Gürtel-Radweg führt durch mehrere Ösen:

    Mit dem üblichen Aufwand hat Wiens Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) im Vorjahr den wenige Hundert Meter langen Pop-up-Radweg vor dem Westbahnhof eröffnet. Der hat das Radfahren in der Tat am Neubaugürtel sicherer und schneller gemacht. Doch der Wiener Gürtel ist sehr viel länger (insgesamt 13 Kilometer). 

    Und seit vielen Jahren bereits verlaufen seine begleitenden Radwege im wilden Zickzack sowie sehr zeitaufwendigen Stop and Go einmal auf der inneren, dann auf der äußeren Seite der einst von Professor Otto Wagner geplanten Verkehrshauptschlagader. Anders als daneben die Auto- müssen die Radfahrer am Gürtel von der Burggasse bis nach Heiligenstadt immer wieder Slalom fahren.

Ein Radfahrer und ein Motorrollerfahrer warten an einer Kreuzung auf grüner Ampel, umgeben von Verkehrszeichen.

Der neue Nachrang für Radfahrer an der Kreuzung Nussdorfer und Alserbachstraße. 

  • Zwei Schönheitsfehler in der Alserbachstraße:

    Über weite Strecken ganz gut gelungen ist der seit wenigen Monaten eröffnete und von der Fahrbahn getrennte Radweg von der Friedensbrücke bis zur Nussdorfer Markthalle. Öfters hat sie es betont: Er ist ein „echtes Herzensprojekt“ von Stadträtin Sima.

    Doch der Neue weist zwei kleine Schönheitsfehler auf: Ein Mal am Julius-Tandler-Platz, wo eine zusätzliche Ampel die Radfahrer zum längeren Warten zwingt; das zweite Mal oben bei der Nussdorfer Straße, wo neuerlich dem Autoverkehr klar Vorrang eingeräumt wird.

Kommentare