Wien

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Chronik Wien
01/31/2020

Wien muss San Francisco werden

Standortanwalt Alexander Biach empfiehlt Wien, seine Brücken touristisch zu nutzen.

von Julia Schrenk

Nein, nicht Venedig. Und auch nicht Amsterdam. Die Stadt mit den meisten Brücken in Europa ist Hamburg, gefolgt von Wien.

Aber von den vielen Brücken Wiens weiß kaum jemand. Das ist ein Problem. Und mit ein Grund für den zweiten Bericht des Wiener Standortanwalts Alexander Biach. Das „Wiener Brückenprogramm“ hat er jüngst Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) übermittelt.

Seine Empfehlung: Wien solle sich als „Stadt der Brücken“ vermarkten. San Francisco hat die Golden Gate Bridge und Budapest die Kettenbrücke. „Aber Wien fällt überhaupt nicht auf als Stadt der Brücken.“ Und laut Biach könnte das durchaus anders sein.In den kommenden Jahren werden in Wien insgesamt 50 Brücken instand gesetzt oder sogar neu errichtet.

Darunter etwa die Heiligenstädter Hangbrücke nach Klosterneuburg, die Philadelphiabrücke in Meidling und einige Brücken am Donaukanal: die Salztor-, die Franzens-, die Schweden- und auch die Aspernbrücke.

Dass die Brücken saniert werden, liegt nicht daran, dass sie einsturzgefährdet sind. Sondern daran, dass sie auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Brücken haben eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren. Weil viele der Wiener Brücken nach dem Zweiten Weltkrieg neu errichtet werden mussten, ist es jetzt an der Zeit, sie zu modernisieren.

Ein Foto fürs Album

Und während das geschieht – so Biachs Vorschlag – könnten (oder sollten) die Brücken auch gleich etwas aufgehübscht werden. So könnten sie touristisch besser

vermarktet werden. Derzeit seien die Wiener Brücken nämlich ausschließlich Verkehrsflächen – nicht aber beliebte Fotomotive, wie viele Brücken andernorts. Als in Österreich nach dem Weltkrieg die Brücken wieder errichtet wurden, hatte – verständlicherweise – niemand deren Ästhetik im Blick.

Bei den Brücken über den Donaukanal ein neues Beleuchtungskonzept umzusetzen, sei „nicht kostenintensiv, aber touristisch wirksam“.

Die ersten Brücken
Es dauerte lange, bis alle Arme der damals unregulierten Donau mit Brücken überspannt waren. Zunächst gab es nur an schmäleren Stellen– etwa am Donaukanal – Brücken; eine der ältesten ist die Schwedenbrücke. Sonst konnte der Fluss nur an Überfuhren – mittels Fährmann  – überquert werden. 1439 ermächtigte Herzog Albrecht V. die Stadt zur Errichtung von Brücken über alle  Arme. Die Kosten  sollten zwischen Stadt und Landesfürst geteilt und aus Mautgebühren bestritten werden.

Das größte Unglück
Am 1. August 1976 stürzte die Reichsbrücke – nach dem Weltkrieg die einzige intakte Querung der Donau und ein Wahrzeichen Wiens – auf voller Breite ein. Ein Mensch starb. Im Jahr 1980 wurde die Brücke in heutiger Form neu eröffnet.

 

So könnte „Pariser Flair“ in Wien herrschen: Am Donaukanal zu spazieren wäre dann so schön, wie am Seine-Ufer in Paris zu schlendern.

Aus der Nordbahnbrücke, auf der die S-Bahn fährt und die die Brigittenau mit Floridsdorf verbindet, könnte man gar „eine Art Golden Gate Bridge für Wien“ machen. Und zwar im Zuge des geplanten Schnellbahn-Ausbaus. Die wäre dann auch ein potenzielles Fotomotiv, zum Beispiel vom Kahlenberg aus.

Ein gutes Geschäft

Volkswirtschaftlich seien die Brücken jedenfalls ein „gutes Geschäft“ – für den Standort und für den Steuerzahler.

Die genannten 50 Brücken in Wien zu modernisieren, kostet etwa 200 Millionen Euro. Fast die Hälfte davon, nämlich 91,9 Millionen davon, werden nach Berechnungen der Wirtschaftskammer an Steuern und Abgaben zurück an den Staat fließen.