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Wiener Kult-Kapitän muss sich von Fährbetrieb verabschieden

Seit Jahrzehnten liegt Franz Scheriau mit seinem Dutzend Schiffen an der Donau. Fast genauso lange gibt es einen Disput mit den Behörden. Nun wird ihm erstmals ein Vertrag nicht verlängert.
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Eine Brücke über die Donau wird gekappt. Keine statische aus Stahl und Beton, sondern eine mobile: eine Fähre. Die letzte Fähre über die Donau in Wien, wenn man ihrem Besitzer Kapitän Franz Scheriau glauben will. Jahrzehnte lang transportierte Scheriau seine Passagiere von der Donaulände in der Nähe der Friedenspagode im Prater auf die gegenüberliegende Seite, auf die Donauinsel – und zurück. Nie im Linienverkehr, aber auf Anfrage. Und diese Anfragen werden künftig wohl unbeantwortet bleiben.

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Auf Anfrage kann man sich bei Franz Scheriau über die Donau schippern lassen.

Neuer Fährmann

Die Anlegestelle auf der Donauinsel wird nämlich bald nicht mehr existieren. Die Wasserstraßengesellschaft viadonau verlängert Scheriaus Pachtvertrag für das Areal auf der Donauinsel nicht mehr. Mehrfach wurde der Vertrag zuvor verlängert, nun aber wird er mit 30. Juni auslaufen. Kapitän Franz Scheriau muss sich also von seinem Fährbetrieb verabschieden.

Dabei hat Scheriau erst seit diesem Jahr einen neuen Fährmann. Sprich: jemanden, der die Fähre auch tatsächlich fährt. Praktisch ist dabei, dass dieser Fährmann selbst ein Boot besitzt, mit dem er die Passagiere über die Donau transportieren kann. Scheriaus eigene Fähre und ein weiteres Schiff sind nämlich erst vor Kurzem gesunken. 30.000 Euro soll die Bergung dieser Schiffe Scheriau nun kosten, der KURIER hat berichtet.

Keine Verlängerung?

Aber zurück zum Areal auf der Donauinsel: Dass der Vertrag nun ausläuft, hat mehrere (zum Teil je nach Behörde unterschiedliche) Gründe. Von der MA 45 (Wiener Gewässer) heißt es, dass man Herrn Scheriau „als Grundvoraussetzung für eine etwaige Vertragsverlängerung“ aufgefordert habe, den „ordnungsgemäßen Zustand“ herzustellen. Sechs Monate Zeit habe man ihm dafür gewährt – der Vertrag sei im Jänner eigens dafür noch einmal verlängert worden. In dieser Zeit hätte Scheriau ausständige Bewilligungen und Bescheide (etwa für das Aufstellen von Containern auf dem Gelände, die derzeit so nicht genehmigt sind) nachliefern sollen oder die nicht bewilligten Anlagen entfernen. Das scheint allerdings nicht geschehen zu sein.

Anders liest sich die Begründung der viadonau: „Dieser Vertrag macht nur dann einen Sinn, wenn auch auf der gegenüberliegenden Donau-Seite (also am rechten Donauufer, Anm.) die Möglichkeit des Anlegens der Fähre gegeben ist.“ Und weiter: „Sollte kein Vertrag auf der gegenüberliegenden Seite zustande kommen, dann ist die Lände mit Vertragsende an die Bestandgeber zurückzustellen.“

Das braucht Erklärung: Der ganzen Causa geht – wie berichtet – ein sehr langes Hin und Her voraus. Die Kurzfassung davon ist, dass Scheriau schon seit Jahren ohne gültigen Vertrag mit seinen Schiffen am rechten Donauufer liegt. Die Verhandlungen mit dem Hafen Wien, der die Lände dort verwaltet, sind bisher immer gescheitert. Grund dafür ist, dass Scheriau keine Versicherung für seine Schiffe findet, ohne Versicherung aber kein Vertrag zustande kommt – eine Patt-Situation. Die Bekannt- und Beliebtheit des Kult-Kapitäns hat dazu ihr Übriges getan.

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Zwei seiner Schiffe sind gesunken.

Einen Vertrag mit dem Hafen Wien gibt es derzeit also nicht, weshalb es aus Sicht der viadonau auch keine zweite Anlegestelle auf der Donauinsel brauche. Oder in anderen Worten: Eine Fähre brauche einen Abfahrts- und einen Ankunftspunkt.

Wohin mit den Schiffen?

Dass die viadonau den Vertrag nun nicht verlängert, könnte einen Kipppunkt in der Causa markieren: Es ist der erste Vertrag, der ausläuft, weitere könnten folgen. Dazu kommt, dass derzeit ein Sachverständiger der MA 45 den Zustand der Schiffe prüft, der KURIER hat berichtet.

Scheriau selbst befürchtet ebenfalls, dass mit der Auflösung des Vertrags ein „Stein ins Rollen kommt“. Dass er zuerst die Anlegestelle auf der Donauinsel räumen müsse und ihm dann das gleiche am rechten Donauufer drohe. „Ich weiß ja nicht, wohin ich mit meinen Schiffen soll“, sagt er. Dass er das Areal auf der Donauinsel also wirklich räumt, ist eher unwahrscheinlich. Oder wie es sein Fährmann ausdrückt: „Wie ich den Franz kenne, wird er warten, bis sie ihn dort raus tragen“. Im Juli könnte das so weit sein. Die viadonau behält sich Schritte vor, wird mitgeteilt. Allerdings hat es das in der gesamten Causa schon öfter geheißen.

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