Gert Kunze in seinem Café Eiles in der Wiener Josefstädter Straße

© Kurier/Franz Gruber

Wien Intern
07/24/2020

Eiles-Chef will Neos anführen: "Wenn Wien verloren ist, ist ganz Österreich verloren"

"Eiles"-Cafétier Gert Kunze bewirbt sich für die Spitzenkandidatur der Liberalen bei der Wien-Wahl.

von Andreas Puschautz

Wer den Neos-Gemeinderatsabgeordneten auf Facebook folgt, weiß: Die Liberalen befinden sich in der heißen Phase ihrer Listenerstellung für die Wien-Wahl am 11. Oktober.

Bettina Emmerling, Stefan Gara, Markus Ornig und Thomas Weber: Sie alle warben in den vergangenen Tagen in den sozialen Medien um Unterstützung für ihre Kandidatur.

Grund dafür ist der dreistufige Vorwahl-Prozess, dem sich alle pinken Kandidatinnen und Kandidaten stellen müssen.

Finale

Am gestrigen Donnerstag endete die erste Phase, nämlich die öffentliche Online-Vorwahl. Heute, Freitag, folgt mit dem Votum des Erweiterten Landesteams sowie des Vorstands der zweite Teil, bevor die Liste mit der Abstimmung aller Mitglieder auf der Landesversammlung am Samstag finalisiert wird.

Trotz dieses kompetitiven Systems gibt es einen pinken Gemeinderat, der keinen öffentlichen Wahlkampf führte: Klubobmann und Landessprecher Christoph Wiederkehr. Der 30-Jährige bemüht sich - wenig überraschend - um die Spitzenkandidatur.

Die Neos trennen die Vorwahl nämlich: in eine Abstimmung für den Spitzenkandidaten und eine für alle weiteren Listenplätze. Wer nun vermutet, Wiederkehr verzichtete auf Unterstützungsaufrufe, weil er keine Konkurrenz um Listenplatz 1 hat, irrt jedoch.

Konkurrenz

Neben dem gebürtigen Salzburger bewerben sich noch zwei weitere Männer um den Platz an der Sonne: Einerseits der der Öffentlichkeit unbekannte Unternehmensberater Amir Hossen Taslimi, andererseits der bekannte Gastronom Gert Kunze (Café Eiles, großes Bild oben).

Und Kunze findet gegenüber dem KURIER durchaus kritische Worte für den Kurs der Liberalen unter Wiederkehr. Die Partei sei sehr bemüht, aber „zu wenig draußen auf der Straße bei den Leuten“, findet er.

Darum mangle es den Kandidaten auch an Bekanntheit - das wisse er durch die vielen täglichen Gespräche in seinem Caféhaus, sagt Kunze. Doch anstatt das „Gefühl der Menschen aufzusaugen“ und sie mit positiven Botschaften abzuholen, verschwende man zu viel Energie an den aufwendigen Vorwahl-Prozess.

"Feuer am Dach"

6,2 Prozent der Stimmen hatten die Neos 2015 erobert, in der aktuellen KURIER-OGM-Umfrage liegen sie bei 6 Prozent. Sollten sie am 11. Oktober tatsächlich bei diesem Wert stagnieren, „dann wäre für mich Feuer am Dach“, sagt Kunze. Gerade jetzt, wo viele Menschen und insbesondere Unternehmer mit den Corona-Hilfen unzufrieden wären, lägen „die liberalen Stimmen doch auf der Straße“.

Speziell in Wien läge das Potenzial einer liberalen Partei bei 12 Prozent, meint Kunze. Die Bundeshauptstadt müsse eigentlich „die Bastion sein, die stärkste Landesgruppe“, auf deren Erfolg die Bundespartei aufbauen könne.

Im Gegenzug gelte jedoch: „Wenn Wien verloren ist, ist ganz Österreich verloren.“ Um das zu verhindern, sieht Kunze sich als Unternehmer mit 30 Jahren Berufserfahrung als den geeignetsten Kandidaten: „Ich möchte mitregieren und das kann man nur mit einem starken Anführer mit Managementerfahrung.“

Seine Chancen sieht der Herausforderer zwar nicht sonderlich hoch. Aber: „Ich kann natürlich überraschen. Wenn‘s klappt, klappt‘s – wenn nicht, dann habe ich es wenigstens versucht.“

Für diesen Fall kandidiert Kunze – wie auch Taslimi – nicht nur als Spitzenkandidat, sondern auch für die übrigen Listenplätze.

Nur Christoph Wiederkehr scheint sich sicher zu sein. Er steht nur für die Spitzenkandidatur zur Wahl.

Und das wohl zu Recht: In der öffentlichen Vorwahl erhielt der Favorit 2.308 Punkte, Kunze 375 und Taslimi 193.

Wackelkandidat Weber

Auch auf den Plätzen hinter Wiederkehr gab es vorerst keine großen Überraschungen: Die meisten Stimmen erhielt Bettina Emmerling, gefolgt von zwei ihrer Klubkollegen: Stefan Gara und Markus Ornig.

Das Mandat des ehemaligen Landeskoordinators Thomas Weber wackelt hingegen. Er liegt nach der ersten Vorwahl-Runde nicht nur hinter Emmerling, Gara und Ornig, sondern auch hinter drei weiteren Bewerberinnen und Bewerbern.

Webers bisherigen Listenplatz 5 konnte Karim Rihan erobern, der im Frühjahr angebliche Missstände im Covid-Betreuungszentrum in der Wiener Messe angeprangert hatte. Dahinter folgen der momentane Ottakringer Klubvorsitzende Jörg Konrad sowie sein Leopoldstädter Pendant Selma Аrapović.

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