Hitzepläne der Gastronomen: Früher zu und geschlossene Schanigärten
Temperaturrekord am 28. Juni: Im 1. Bezirk wurden erstmals 40 Grad gemessen (Symbolbild).
Extrem hohe Temperaturen und lang andauernde Hitzephasen gehen auch an der Gastronomie nicht spurlos vorbei. Gezeigt hat das die erste Hitzewelle des Sommers 2026. Das letzte Juniwochenende markierte mit neuen Temperaturrekorden von bis zu 40 Grad in Wien eine bisher beispiellose Hitzewelle. Doch die nächste kommt bestimmt, da sind sich Klimaforschende einig.
Hitzetage werden heißer und häufiger, Hitzewellen intensiver, sie dauern länger und treten früher auf. Der KURIER hat sich daher umgehört, wie Wiener Lokale auf die Hitze reagiert haben und künftig damit umgehen wollen – und wie Gäste die Maßnahmen aufnehmen.
Im „Reznicek“ bat man Gäste während der Extremtemperaturen nur noch nach drinnen.
Für Schlagzeilen sorgte vor allem die angekündigte Schließung des Gastgartens im Gasthaus Reznicek am Alsergrund. Während Schanigärten im Sommer eigentlich Hochsaison haben, entschied man sich, diesen am Wochenende erst gar nicht zu öffnen.
Begründet wird das einerseits damit, dass der Gastgarten in einer asphaltierten Straße liegt, Schatten spendende Bäume gibt es hier nicht: „Die Sonne heizt den Asphalt den ganzen Tag bis 18 Uhr auf, das ist unerträglich. Wir haben uns allen voran zum Schutz der Mitarbeiter dazu entschieden. Wir arbeiten alle gerne und viel, bei gefühlten 50 Grad steht das aber in keinem Verhältnis mehr“, sagt Co-Betreiber Simon Schubert.
Lokale rüsten auf
Stattdessen wurden Gäste in den auf 22 Grad klimatisierten Innenbereich gebeten. Neben vielen positiven Reaktionen habe man auch eine negative Google-Rezension erhalten. Der Nutzer moniert darin eine „Bevormundung“ der Gäste. Umsatzeinbußen habe man durch die Schließung keine gehabt – ganz im Gegenteil sogar.
Bei 40 Grad will niemand vier Gänge essen, das macht ja keinen Spaß mehr.
Gasthaus Reznicek
„Die Leute essen drinnen sogar mehr, deshalb haben wir letztes Jahr auch in eine Klimaanlage investiert. Bei 40 Grad will niemand vier Gänge essen, das macht ja keinen Spaß mehr“, sagt Schubert. Dass der Schanigarten auch bei der nächsten Hitzewelle zu bleibt, ist laut Schubert gut möglich. Überlegt wird eine Schließung künftig bei über 35 Grad.
Eine ähnliche Regelung, jedoch bereits ab 32 Grad, gab es im Jahr 2022 im Café Mozart am Albertinaplatz im 1. Bezirk. Geschlossen wurde der Gastgarten damals bereits ab 12 Uhr, Kellner mussten nicht mehr draußen arbeiten. Das gilt inzwischen nicht mehr, da man den Schanigarten mit größeren Schirmen und Sprühnebelanlagen aufgerüstet hat, wie eine Sprecherin auf KURIER-Anfrage erklärt.
Mitarbeiter sollen mehr Pausen einlegen
Das Café gehört zur Betreiberfamilie Querfeld, die unter anderem auch das Café Landtmann betreibt. Darüber hinaus achte man darauf, dass die Mitarbeiter ausreichend Pausen einlegen, genügend trinken und lockere Kleidung tragen. Hinzukomme, dass Gäste bei derart hohen Temperaturen wie am Juniwochenende ohnehin lieber drinnen sitzen.
„Hitzefrei“ gibt es in der Gastronomie bekanntlich nicht. Ab einer gefühlten Temperatur von 30 Grad sind Unternehmen aber verpflichtet, Schutzmaßnahmen für im Freien arbeitende Menschen zu treffen. Dazu zählen unter anderem mobile Beschattung, Jobrotation und längere Pausen.
Früher auf oder gleich ganz zu
Andere Lokale entschieden sich wiederum, die Öffnungszeiten vorzuverlegen und früher zu schließen. So machte etwa das Café „Landlocked“ in Margareten schon um 13 statt 17 Uhr zu. Wieder andere Lokale blieben teilweise ganz geschlossen.
Die Bäckerei „Das Lazy“ in Währing kündigte auf Instagram an, Donnerstag und Freitag schon um 8 Uhr (statt 10 Uhr) zu öffnen, geschlossen wurde dafür schon um 13 Uhr (statt 17 Uhr). Samstag und Sonntag, den 27. und 28. Juni, blieb gänzlich geschlossen. In den Kommentaren befürworten Nutzer die Entscheidung beider Lokale.
Zu blieb am Samstag auch das Feinkostgeschäft „Schrei & Söhne“ von Lorenz Schrei in Margareten, der die Snackbar seit 10 Jahren betreibt. Geschäft und Gastgarten lägen von 7 bis 14 Uhr in der prallen Sonne, geöffnet wäre samstags bis 15 Uhr.
„Ich wusste, dass viele Stammgäste auf Urlaub oder über das Wochenende weggefahren sind. Damit war es obsolet, wegen einer Stunde Schatten und für fünf Leute, die gekommen wären, zu öffnen.“ Auch seine Gäste hätten die Entscheidung unterstützt.
An anderen Hitzetagen hält Schrei mit Ventilator und Klimagerät offen. Frei geben musste er am Samstag nur sich selbst, da er das Lokal alleine führt: „Das macht es einfacher. Es war eine wirtschaftliche Überlegung, ob es sich auszahlt, reinzufahren und alles vorzubereiten. Und ich würde es genauso wieder machen.“
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