Chronik | Wien
04.04.2018

Wien: Gesundheitsstadträtin Frauenberger geht nach Skandal-Serie

Die schwerst angeschlagene Stadträtin kommt damit ihrer Ablöse zuvor. Ihre Nachfolge ist noch völlig offen.

Dass sie nicht dem  Team des neuen Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig (SPÖ), angehören wird, galt inoffiziell längst als ausgemachte Sache. Jetzt hat die schwerst angeschlagene SP-Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger die Flucht nach vorne angetreten: Von sich aus gibt sie bekannt, nicht mehr in der neuen Stadtregierung zu sitzen, die am 24.  Mai angelobt werden soll.
 

Pressekonferenz KH Wien-Nord

In den vergangenen Wochen wurden allerdings Grenzen überschritten

Sandra Frauenberger | über ihren Rückzug

 

Frauenberger, die erst zu Beginn des Vorjahres der glücklos agierenden Sonja Wehsely als Gesundheitsstadträtin nachfolgte, war es nicht gelungen, Ruhe in den krisengeschüttelten Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) zu bringen. Vor allem die vergangenen Wochen waren geprägt von Pannen und Skandalen: Zuletzt wurde bekannt, dass für die ohnehin nicht mit Glück verwöhnte Baustelle Krankenhaus Nord um 95.000 Euro ein selbst ernannter „Bewusstseinsforscher “ bestellt wurde, der  das Spital energetisch optimieren sollte. Dann verweigerten Frauenberger  die eigenen Genossen bei der geplanten Reform des KAV die Gefolgschaft, da der nötige Gesetzesentwurf  unausgegoren ist.

Frauenberger, die im parteiinternen  Duell um die Nachfolge von Bürgermeister Michael Häupl zu den prominentesten Gegnern Ludwigs zählte, stellt die Hintergründe ihres Rückzuges so dar: „Ich habe gezeigt, dass ich vor wichtigen Reformen nicht zurückschrecke, große Projekte erfolgreich umsetzen und dabei auch einiges einstecken kann.

In den vergangenen Wochen wurden allerdings Grenzen überschritten“, betont die 51-Jährige und holt zu einer Medienschelte aus: „Mir sind die Reformen, die es im Gesundheitsressort braucht,  zu wichtig, um sie von einer Boulevard-Kampagne gegen meine Person gefährden zu lassen. Daher habe ich  dem Parteivorsitzenden  Ludwig Bescheid gegeben, dass ich mich vom Spielfeld nehme.“ Sie will  künftig Gemeinderätin sein.

Schwierige Suche nach Nachfolger

Dass Frauenberger so kurz vor ihrer ohnehin sicheren Ablöse ihren Rückzug bekannt gibt, deuten Parteikenner vor allem als taktisches Manöver. „Sie wollte wohl versuchen, den Druck aus den Kochtopf zu nehmen“, sagt ein Insider, der namentlich nicht genannt werden will.

Im Hintergrund würde weiterhin eine Gruppe um Frauenbergers Vorgängerin Sonja Wehsely die Fäden ziehen. Durch die frühe Bekanntgabe des Frauenberger-Rückzugs – so das Kalkül – würde es dieser Gruppe leichter fallen, ihre Wunschkandidatin für das Gesundheitsressort ins Spiel zu bringen. Dies soll dem Vernehmen nach die frühere Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner sein, die zuletzt tatsächlich auffällig oft im Büro des künftigen Bürgermeisters Michael Ludwig gesichtet worden sein soll.

Sie hat sich in ihrer Zeit als Ministerin beachtliche Popularität erarbeitet. „Dennoch sind ihre Chancen nicht allzu groß“, sagt ein Parteikenner. „Bei aller fachlichen Kompetenz ist sie ein politisches Leichtgewicht, das sich kaum   im Rathaus, dem Magistrat mit all seinen Machtkämpfen und dem Krankenanstaltenverbund durchsetzen könnte. Sie würde schlichtweg verheizt werden.“

Bis 14. Mai bleibt Ludwig noch Zeit, diese besonders schwierige Personalfrage zu lösen. An diesem Tag will er sein neues Regierungsteam präsentieren.