Die ersten Lokale wurden bereits im Mai abgerissen.

© KURIER/Jeff Mangione

Donauinsel
06/10/2015

Copa Cagrana wird bald komplett niedergerissen

Höchstgerichtsurteil: Praktisch allen Lokalen fehlt wasserrechtliche Bewilligung. Auch "Fight Club" soll noch heuer geschleift werden.

von Dominik Schreiber

Es freut mich sehr", sagt eine sichtlich entspannte Stadträtin Ulli Sima, die am Mittwoch auf der Copa Cagrana die Neuigkeiten kundtut. "Auf jeden Fall" werden heuer auch die restlichen sechs Lokale des Generalpächters Norbert Weber weggerissen. Das erlaube ein neues Höchstgerichtsurteil, wonach allen Lokalen Webers die wasserrechtliche Bewilligung fehlt – auch denen, die schon im Mai plattgemacht wurden. Der umstrittene Pächter hat sechs Wochen Zeit, die Bars (darunter den "Fight Club") auf eigene Faust zu schleifen. Sonst wird sich die Stadt einen Exekutionstitel besorgen und selbst tätig werden.

Anschließend posieren Sima und Martin Jank, Geschäftsführer des Wiener Wasser Management, mit einer Spitzhacke der benachbarten Baustelle. Alles soll jetzt nach Siegerpose ausschauen, schließlich stehen Wahlen vor der Türe und die Beendigung des jahrelangen Streits ist Balsam für die Stadt und die Stadträtin. Sima spricht bereits von neuen Ideen, einem Wettbewerb der besten Ideen, der hier stattfinden soll. Die Palette der neuen Lokale soll "von einem Biergarten, aber mit Niveau, bis hin zu DO&CO reichen", meint die Stadträtin. Sogar"ein wenig Sand"soll nun doch kommen. "Fix ist aber: Generalpächter wird es sicherlich keinen mehr geben", sagt Sima.

Für die Stadt stehen die Zeichen nun auf Sieg, allerdings ist der Preis dafür hoch. 120.000 Euro hat der Abriss der Lokale im Mai gekostet, die neuen werden mit 200.000 bis 300.000 Euro taxiert. Dazu kommt ein über die Donau per Schiff abgeschlepptes Lokal. Plus Gerichtskosten wird es wohl eine siebenstellige Summe ausmachen. Sima will dies von Weber großteils einfordern, ob das Geld tatsächlich fließt, ist derzeit noch unklar.

Mieter "schockiert"

Werden die letzten sechs Lokale noch geschleift, dann wird das vor allem die Pächter treffen. "Ich habe 15.000 Euro im Voraus Pacht bezahlt und mein Restaurant um 25.000 Euro renoviert. Dafür gab es lange keinen Strom und kein Wasser", erzählt Nikolay Vorozheykin. Weber habe ihm nichts von drohenden Problemen erzählt. "Bisher habe ich 350 Euro eingenommen. Mich trifft das sehr hart."

Auch Dennis Dewall, Geschäftsführer des "Fight Club", zeigt sich schockiert: "Ich habe schon darauf gehofft, dass wir das diese Saison noch weiterbetreiben können. Vielleicht lässt uns die Stadt doch noch Zeit bis dahin." Das Zuschauerboxen wurde jedenfalls zum Magneten, vor allem die Mitglieder der Wiener Jugendbanden VDK und Goldenberg schlagen dort fleißig zu.

"Leben verändert"

"Der Fight Club hat vieles in meinem Leben geändert, auf positive Art", schreibt eines der führenden Goldenberg-Mitglieder auf Facebook. Damit scheint zumindest Dewalls Versuch gelungen, potenziell gefährlichen Jugendlichen einen sportlichen Ausgleich zu bieten. "Ich hoffe, dass mir die Stadt weiterhilft, wenn das hier nicht mehr geht", sagt Dewall. "Ich würde das Konzept woanders weiterbetreiben. Und trotzt der Leute, die da zu uns kommen: Es gab noch keinen einzigen Polizeieinsatz, bei uns ist es total friedlich."
eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.