Chronik | Wien
13.05.2015

Copa Cagrana wird zum Sandstrand

Stadt Wien trickst Generalpächter Weber aus und lässt 40 Prozent der Lokale abreißen

Am Mittwoch um sechs Uhr Früh fuhren an der Copa Cagrana sechs Bagger auf. Polizisten waren vor Ort und Securitys, die vergeblich ein Fotografier-Verbot durchsetzen wollten. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelang es der Stadt Wien mit einem juristischen Trick, Copa-Cagrana-Generalpächter Norbert Weber am falschen Fuß zu erwischen.

Rund 40 Prozent der Lokale wurden innerhalb weniger Stunden abgerissen. Weber erfuhr erst durch einen Anruf des KURIER von dem Abriss. Er zeigte sich völlig verblüfft: „Ich glaube nicht, dass es einen Bescheid dafür gibt. Das wird wieder so eine Aktion der Stadträtin (Ulli, Anm.) Sima sein.“

Zwei Untermieter

Dieser gelang ein ebenso überraschender wie kurioser Coup: Die Stadt Wien hat Weber vor Jahren als Generalpächter eingesetzt, dieser aber den betroffenen Teil laut einem Insider vor einer Woche an zwei Herren untervermietet. Diese könnten Strohmänner der Stadt gewesen sein. Manche vermuten deshalb einen lang geplanten Coup.

Laut Darstellung der Stadtverwaltung bekam sie überraschend (mutmaßlich von dem Duo) ein Angebot und schlug sofort zu. Auf jeden Fall wurde der Magistrat damit quasi Untermieter bei sich selbst. Eine Anfrage, ob bauliche Veränderungen möglich sind, konnte somit positiv und entsprechend rasch erledigt werden.

Martin Jank, Geschäftsführer des zuständigen Wiener Gewässer Management, über die Vertragsdetails: „Es kostet die Stadt Wien gar nichts. Wir müssen nur einen Teil der Einnahmen am Getränkeverkauf an den Vermieter abliefern.“

Die Stadt hat aber überhaupt kein Interesse daran, dort irgendwelche Getränke zu verkaufen. Derzeit wird geprüft, was an diese Stelle hinkommt. Entweder wird es begrünt oder – noch wahrscheinlicher – mit Sand aufgeschüttet, damit die Wiener dort mit ihren Liegestühlen in der Sonne braten können. Das Ganze sei so rasch abgelaufen, dass man erst endgültig klären müsse, was dort hinkommt. Andere Quellen sprechen davon, dass angeblich bereits ein Architektenwettbewerb laufen soll.

„Schandfleck entfernt“

„Wir haben einen Schandfleck wegbekommen und können nun eine Chill-Area ohne Konsumationszwang anbieten“, freut sich Jank. Er hofft, dass die gesamte Angelegenheit bis Juli erledigt ist. Dann sollen die zwei neuen (2,5 Millionen Euro teuren) Pracht-Restaurants eröffnen. Und gleich daneben soll es feinen Sandstrand geben. Dann könnte die Copa ähnlich wie der Bereich am Donaukanal wieder aufblühen.

Weber kündigt zwar an, seinen Rechtsanwalt einzuschalten, allerdings schaut es nun trist für ihn aus. Ihm bleiben nur noch drei Restaurantbetriebe und der am Dienstag wiedereröffnete „Fight-Club“ übrig. Doch auch diese vier Etablissements geraten langsam in Konflikt mit Weber. Für Ärger sorgt etwa, dass die Betriebe 1500 bis 2500 Euro an Betriebskosten monatlich zahlen müssen – aber es gibt kein Wasser und auch Strom ist nicht immer verfügbar.

Fight-Club ist wieder offen, Gäste bleiben aber noch aus

Dienstagabend herrschte großer Andrang. Die Lokale waren bummvoll, die Leute saßen auf dem Boden davor und tranken mitgebrachte Bierdosen, weil kein Platz mehr zu bekommen war.

So sah es zumindest an der Summerstage am Donaukanal aus. Fast das Gleiche könnte die Copa Cagrana, ein Gewässer weiter, anbieten. Doch dort war die Lage zum selben Zeitpunkt mehr als trist. „Es gab keine Gäste in allen Lokalen, in einem habe ich zwei Shisha-Raucher gesehen“, sagt Dennis Dewall. Während am Donaukanal gegen 23 Uhr noch pralles Leben herrschte und die Kellner sich über fette Trinkgelder freuten, war Dewalls umstrittener Fight-Club schon wieder zu. Nachdem ihm der Strom abgedreht worden war, sperrte er am Dienstag nun doch wieder auf. Die von ihm bei der Eröffnung hochgepriesene WC-Anlage ist demontiert. Nachdem der Vormieter 40.000 Euro bisher unbezahlte Wasserrechnung hinterlassen hat, gibt es vorerst kein kühles Nass.

„Wir haben nun eine neue Toilette, die ist sogar behindertengerecht“, sagt Dewall. Am 22. Mai steigt die offizielle Eröffnung mit Promis, und dann will er richtig durchstarten mit seiner Box-Arena nach thailändischem Vorbild. Die neuen Entwicklungen betreffen ihn nicht: „Der Fight-Club ist safe. Bei uns laufen jetzt wieder täglich Kämpfe.“