Brennpunktschulen sollen stärker gefördert werden.

© Kurier/Gilbert Novy

Chronik Wien
06/02/2021

Wien bekommt so viele Pflichtschullehrer wie noch nie

Fürs kommende Schuljahr genehmigt der Bund 12.500 Planstellen für Wiens Pflichtschulen. Diese können selbst entscheiden, wie sie die Ressourcen verwenden.

von Bernhard Ichner

In Wien wird es im kommenden Schuljahr so viele Lehrer wie noch nie geben. Angesichts des gestiegenen Bedarfs in einer stetig wachsenden Stadt mit zunehmenden sozialen Herausforderungen stellt der Bund für das Schuljahr 2021/22 insgesamt 12.500 Planstellen für die rund 450 Wiener Pflichtschulen zur Verfügung. Das sind 130 Stellen mehr als zuletzt.

Zusätzlich dazu investiert die Stadt zehn Millionen Euro in 220 Vollbeschäftigungen, um unter anderem das Angebot der Gratis-Nachhilfe aufrechtzuerhalten. Zudem stellt Wien mehr als 200 Freizeitpädagogen an und plant zwölf zusätzliche Ganztagsschulen mit verschränktem Unterricht. 

Ein besonderer Fokus liegt in Wien auf der Förderung von Schulen mit besonders großen Herausforderungen. Immerhin sind rund zwei Drittel der 450 Pflichtschulen sogenannte Brennpunktschulen.

Transparente Zuteilung

Die Vergabe der Ressourcen soll transparenter werden, erklären Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) und Bildungsdirektor Heinrich Himmer unisono. Künftig sei klar ersichtlich, welchem Standort warum wie viel Personal zusteht.

So können die Schulleitungen selbst errechnen, wie viele Planstellen sie bekommen. Und infolge der Bildungsreform können sie auch autonom entscheiden, wofür sie die Ressourcen verwenden.

Für die Verteilung der Planstellen sind künftig drei Faktoren entscheidend. Zum einen erhält jeder Schulstandort ein Basiskontingent, das sich nach der Schüleranzahl richtet. Zum anderen gibt es Zuschläge für gesetzlich vorgesehene Bereiche wie etwa Deutschförderung, schulische Tagesbetreuung sowie einen sogenannten Chancenindex, der Schulen mit besonderen Herausforderungen begünstigt.

Und auch für pädagogische Projekte wie etwa Schulschwimmen oder muttersprachlichen Unterricht gibt es zusätzliches Personal.

Rechenbeispiele

Welche Schulen, welche Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen, verrät man im Bildungsressort zwar nicht. Sogenannte Brennpunktschulen sollen nicht medial stigmatisiert werden. Anhand von zwei Beispielen verdeutlicht Himmer aber, wie die reformierte Vergabepraxis grundsätzlich funktioniert.

So bekomme eine Neue Mittelschule in Favoriten im kommenden Schuljahr etwa zwei zusätzliche Lehrer, weil es zum einen die Anzahl der Schüler und zum anderen die sozialen Herausforderungen am Standort erfordern.

Zum anderen müsse eine Ganztagesvolksschule innerhalb des Gürtels im kommenden Schuljahr mit einem Lehrer weniger auskommen, weil die Schüleranzahl pro Klasse abgenommen habe, weniger Kinder Deutschförderung brauchen und weil weniger Schüler für die Nachmittagsbetreuung angemeldet wurden. De facto können also auch sogenannte Brennpunktschulen nach Maßgabe der Schüleranzahl einzelne Lehrer-Planstellen verlieren.

Stadt gibt Job-Garantie

Es müsse aber niemand um seinen Job fürchten, betonen Wiederkehr und Himmer. Niemand verliere seinen Arbeitsplatz, der Ort der Beschäftigung könne sich allerdings ändern. Definitiv ausgeschlossen sei auch die Verlagerung von Ressourcen von Bundes- auf Pflichtschulen.

Vom Bund fordert Wiederkehr punkto Planstellen einmal mehr einen echten bundesweiten Chancenindex, der Regionen mit besonderen Herausforderungen unterstützt. Orientieren müsse sich dieser nach den Daten aus dem Bildungsstandard, also nach sozioökonomischen Faktoren, dem Bildungslevel oder auch der Sprache der Eltern. 

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