Tutta Posto" - alles gut" bei Danilo Fusco und Veronika Nawrata

© Kurier/Juerg Christandl

Chronik Wien
02/11/2021

Wie ein Italiener mit Dolci wieder alles in Ordnung bringt

Danilo Fusco trotzt Lockdown und Baustelle mit Pasta, Prosciutto und Dolci di Mamma.

von Caroline Ferstl

Ein Italiener aus Bari, mit einer Leidenschaft für die deutsche Sprache, Kultur und – eigentlich ganz untypisch – Pünktlichkeit, verliebt sich in eine Wienerin, die ihr Herz an Italien verloren hat. Er eröffnet ein kleines Geschäft im Karmeliterviertel und verkauft dort die Spezialitäten seiner Heimat.

Die Geschichte wäre Stoff für einen mittelguten Liebesfilm. Wären da nicht eine Pandemie und eine Baustelle direkt vor der Haustür. 

Bagger statt Schanigarten

Im Haus nebenan in der Haidgasse wird das Dachgeschoß ausgebaut. Bagger und Baugerüst verdecken das Geschäft, Fußgänger wechseln die Straßenseite. Da kann das Logo noch so zitrusgelb leuchten, gegen die Baustelle kommt es nicht an.

„So ist das eben im Moment“, meint Danilo Fusco schulterzuckend. „Wir sind froh, dass wir überhaupt geöffnet haben dürfen. Am Ende wird alles gut“, ist er sich sicher: „Tutto a posto.“ („Alles in Ordnung“, Anm.)

Diese seine Lebenseinstellung ist zugleich Name des Geschäfts: „Tutta Posto“.

Hochwertiger Genuss für daheim

Vor etwa zwei Monaten eröffnete der 46-Jährige seinen Delikatessenladen in der Haidgasse im zweiten Bezirk. Das Zitronengelb des Logos findet sich auch an den Wänden im Innenraum des Geschäfts wieder.

Die ebenfalls gelb leuchtenden Regale sind befüllt mit handgemachter Pasta aus Napoli, Olivenöl aus Apulien, Mandelcreme aus Sizilien und Grissini mit Trüffelgeschmack aus Piemont – alles hochwertige Produkte von kleinen, regionalen Produzenten, die Fusco persönlich kennt.

An der gegenüberliegenden Wand hängt Parmaschinken aus San Daniele. Der Prosciutto reifte zwischen 18 und 24 Monaten. Die Scheiben, die Fusco abschneidet, sind so hauchdünn, dass sie beinahe zwischen den Fingern zerfallen. In der Käsevitrine wird der Gorgonzola mit dem Eislöffel portioniert, daneben liegen ein 60 Tage lang gereifter Pecorino und Schimmelkäse, wahlweise mit Schokolade oder Orangen kandiert.

Vor dem Geschäftslokal, wo ja aktuell der Bagger vom Nachbarhaus steht, soll einmal ein Schanigarten zum Frühstück und Aperitif laden. Bis dahin gibt es Prosciutto und Pecorino zum Mitnehmen für zuhause.

„Wir haben uns bereits eine kleine Stammkundschaft aufgebaut. Dadurch, dass die Gastronomie geschlossen hat, gönnen sich die Menschen hochwertigere Produkte für daheim. Das hilft uns durch die Krise“, sagt Fusco.

Das Geschäft in der Haidgasse 10, 1020 Wien, hat aktuell Montag und Dienstag von 12 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag von 10 bis 18 Uhr sowie Samstag von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Einkaufen kann man auch online im Shop unter www.tuttaposto.com

Dolci gegen Fernweh und Winterblues

Der Italiener ist seit 25 Jahren in der Lebensmittelbranche tätig. Seit zwei Jahren lebt er in Wien, hat einen Deutschkurs absolviert. Wenn es schnell gehen muss, wechselt er ins Italienische. Freundin Veronika Nawrata lacht, steht neben ihm und übersetzt.

Die Gastfreundschaft ist groß, genauso wie die Sehnsucht nach dem Süden an diesen grauen, kalten Tagen.

Dass man sich im Karmeliterviertel und nicht in Italien befindet, daran erinnern ein paar Münzen, die einer Ecke des Geschäfts lose am Boden liegen – mit Absicht: „Die haben uns jüdische Nachbarn dorthin gestreut“, sagt Fusco. „Das  soll Glück bringen.“

Ein „Faldacchea di mamma" erleichtert den Abschied. Die leichten Dolci werden von Mama Fusco in Bari zubereitet und nach Wien geschickt. Sie bestehen aus weißer Schokolade, zu Marzipan verarbeiteten Mandeln und Amarenakirschen und sind unbeschreiblich köstlich.

Das Rezept hat nur Mama Fusco, nicht einmal Danilo oder seine Schwester kennen es.

Die Baustelle sollte übrigens Anfang April weg sein. Und der Lockdown hoffentlich vorbei. 

Dann wird, frei nach Danilo Fusco, alles gut: „Tutto a posto“.

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