Chronik Wien
02/19/2021

Wie der Praterstern ein angenehmerer Ort werden soll

Stadträtin Ulli Sima präsentierte die neuen Pläne. Viel Grün und Wasser sollen die bisherige Betonwüste aufbrechen.

Wenn in Wien ein Synonym für einen eher trostlosen Platz mit bescheidener Aufenthaltsqualität gesucht wird, fällt rasch der Name Praterstern. Zwar zeichnet sich der Bahnhof selbst seit mehr als zehn Jahren durch ein modernes Ambiente aus, das Umfeld selbst gilt aber weiter als sozialer Brennpunkt. Für teils heftige Debatten sorgte etwa das Alkoholverbot, das dort 2018 eingeführt wurde.

Der Vorplatz hin zur Praterstraße - der vom eindrucksvollen Denkmal für den K.u.k-Marinekommandanten Wilhelm von Tegetthoff dominiert wird - gilt ohnehin als Örtlichkeit, wo man bestenfalls in Bus oder Straßenbahn umsteigt.

Das soll sich in absehbarer Zeit ändern. Die Verkehrsfläche an sich wird zwar nicht reduziert, der Grünraum und die Anzahl der Bäume sollen aber auf fast 8.000 Quadratmeter Fläche bzw. fast 120 Exemplare in etwa verdoppelt werden. Der Platz wird von einem Ring aus 2,5 Meter breiten, leicht erhöhten Pflanzenbeeten eingefasst werden. Sträucher sollen den Autoverkehr zumindest optisch reduzieren. Angekündigt wurde auch ein 500 Quadratmeter großes Wasserspiel, das an Hitzetagen Abkühlung bringen soll.

Sogar Sitzgelegenheiten bei den Bäumen sind vorgesehen, wie Sima betonte. Es handelt sich dabei um Betoneinfassungen mit Sitzschalen, die die elliptische Form des Pratersterns nachahmen - weswegen sie auch auf den Namen "Pratoide" getauft wurden. Die derzeit auf der Fläche stehenden Rankgitter für Pflanzen werden entfernt. Die ringförmige Stahlpergola muss nicht mehr weichen, denn sie wurde bereits im Sommer abgebaut. Die Gesamtkosten für das Projekt wurden mit 7,2 Millionen Euro veranschlagt.

Sicherheit

ÖBB-Infrastrukturvorständin Silvia Angelo zeigte sich überzeugt, dass der künftig viel hellere Eindruck des Areals auch das subjektive Sicherheitsgefühl verbessern werde. Bezirksvorsteher Alexander Nikolai (SPÖ) sah einen großen Gewinn für den Bezirk durch das "Facelifting" des Pratersterns. Auf diesem entsteht derzeit mittels Zubau auch eine neue Polizeistation sowie ein Restaurant. Die Eröffnung des vegetarischen Lokals mit dem Namen "Habs Gut" im Bereich der früheren Polizeidienststelle soll im Herbst 2021 erfolgen.

 

Wie berichtet, hatten Simas Vorgängerin, die frühere Planungsstadträtin Birgit Hebein, und die damalige Bezirksvorsteherin der Leopoldstadt Uschi Lichtenegger (beide Grüne) vor, am Praterstern einen Grünring zu schaffen, 45 Bäume zu pflanzen, ein Wasserspiel anzulegen und Flächen für Kultur und einen Markt zur Verfügung zu stellen. Sima gingen diese Pläne nicht weit genug, darum gab sie eine Überarbeitung der Pläne in Auftrag.

Die Neos sind erfreut: "Wir sind begeistert von den heute präsentierten Plänen. So wird der Praterstern zum urbanen Bezirkszentrum im Herzen der Leopoldstadt“, hieß es in einer Aussendung des Leopoldstädter Klubobmannes Christian Moritz. Schon 2018 wären in einem von den Liberalen initiierten Bürgerforum Vorschläge gesammelt und präsentiert worden, die den Praterstern zu einem Ort der Begegnung und des Zusammenlebens machen sollten. Viele dieser Ideen würden jetzt umgesetzt.

Als reine "Steuergeldverschwendung“ bezeichnete hingegen FPÖ-Bezirksparteiobmann Wolfgang Seidl die Umbaupläne. "Die geplante Wohlfühloase wird nichts anderes als eine Wohlfühlzone für das klassische Praterstern-Klientel aus Afghanistan zu Lasten des Steuervermögens der Wiener.“ Für den freiheitlichen Politiker sind derartige "konsumfreie Zonen“ kontraproduktiv, um den sozialen Brennpunkt in den Griff zu bekommen. "Wir Freiheitliche fordern daher die Entfernung der großzügigen Liegeflächen am Praterstern.“

Praterstraße: Bitte warten

Noch keine neue Entwicklung gibt es hinsichtlich der vom Praterstern Richtung City führenden Praterstraße. Hebein hatte bereits im vergangenen Herbst Ideen für den Umbau präsentiert. Diese wurden jedoch nach der Wahl - der auch im Bezirk einen Wechsel von Grün auf Rot brachte - auf Eis gelegt. Nun läuft die Neuplanung, wie Sima und Bezirkschef Nikolai heute berichteten. Ziemlich sicher ist dabei nur, dass der Radweg verbreitert wird, hieß es heute.

Zu Punkten wie der in den Hebein-Plänen vorgesehen teilweise Wegfall einer Fahrspur oder auch Tempo 30 gibt es hingegen noch keine Entscheidung, wurde betont. Auch der Zeitplan ist noch offen.

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