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Chronik Wien
11/11/2019

Wege aus dem Wiener Parkpickerl-Chaos

Die geltende Wiener Park-Regelung hat etliche Schwachstellen. Eine große Reform sollte vor Weihnachten angestoßen werden

von Josef Gebhard

Was haben Wiener und Nicht-Wiener gemeinsam? Wer in Wien parken will, der muss gute Nerven haben. Denn die Park-Regelung in der Bundeshauptstadt hat ihre Schwachstellen.

Für viele Wiener gehört der Park-Ärger mittlerweile zum Alltag.

Reinhard Prasch ist einer von ihnen.

Vor seiner Kfz-Werkstatt in der Embelgasse im 5. Bezirk herrscht reger Betrieb – lassen sich derzeit doch zahlreiche Auto-Besitzer ihre Winterreifen montieren. 20 bis 25 Kunden versorgen Praschs Mitarbeiter täglich.

Die Freude über das gute Geschäft ist jedoch getrübt: Denn in dem kleinen Betrieb im innerstädtischen Wohngebiet kann es schon mal eng werden.

Platz für die Kundenautos hat die Werkstatt keine, deshalb hat Prasch 22 Garagenplätze im Haus und in der Umgebung angemietet.

Weil oft auch das nicht reicht, muss Prasch täglich drei bis sechs Autos auf die Straße stellen und dafür Parkgebühren bezahlen.

Insgesamt fallen somit pro Monat 2.500 Euro an Stellplatz-Kosten an. „Um das Geld könnte ich einen Mitarbeiter mehr oder zwei Lehrlinge aufnehmen“, sagt Prasch.

Weil die Parkschein-Zettelwirtschaft auch ein erheblicher logistischer Aufwand sei, wünscht sich Prasch eine praktikablere Lösung. Etwa eine Parkkarte, die er hinter der Scheibe der Kundenautos anbringen kann. „Natürlich wäre ich bereit, dafür etwas zu zahlen“, sagt Prasch.

Sein Fall zeigt, dass das aktuelle Modell der Parkraumbewirtschaftung – bei allen positiven Effekten – Lücken hat, die zuletzt zu Diskussionen über eine Reform führten. Der KURIER gibt einen Überblick über die Problemfelder.

1. Unübersichtlich

In welchen Bezirken gilt das Parkpickerl? Und in welchen nicht?

Ist es im gesamten Bezirk erforderlich oder nur in bestimmten Zonen? Was bedeutet das Anwohnerparken? Und wann genau gilt das Pickerl überhaupt?

Unter den unterschiedlichen Regelungen innerhalb Wiens leiden vor allem ortsunkundige Wien-Besucher: Nur in 19 der 23 Bezirke gibt es die Kurzparkzonen, oft aber nicht im gesamten Bezirk.

Hinzu kommen verschiedene Geltungszeiträume, Sonderregeln für Einkaufsstraßen, Überlappungszonen und Anrainerparkplätze.

2. Verdrängungseffekte

Führt der eine Bezirk das Parkpickerl ein, weichen zahlungsunwillige Parker in den Nachbarbezirk aus. Das war in Währing und Döbling so; aktuell trifft es Hietzing am stärksten, weil es an drei Parkpickerl-Bezirke grenzt.

Simmering, das 2018 das Pickerl nur für sein Zentrum und rund um U3-Stationen eingeführt hat, denkt an eine Ausweitung.

Das bedeutet Verdrängungseffekte zulasten Donaustadt und Schwechat. Grund für das Durcheinander: Die Parkraumbewirtschaftung liegt in der Kompetenz der Bezirke. Eine Wien-weite Lösung fehlt.

3. Berufsverkehr

Gerade für Betriebe ist das Parkpickerl ein Problem. Für Handwerksbetriebe gibt es Servicekarten; damit dürfen sie länger als die maximale Dauer von drei Stunden ohne Pickerl parken.

Besonders unzufrieden sind die Ärzte. Wohnen sie nicht in dem Bezirk, in dem sie ihre Ordination haben, können sie nicht vor der Praxis parken. Das verkompliziert Hausbesuche, klagt die Ärztekammer – und fordert generelle Pickerl für Ärzte.

Nach anhaltender Kritik wurde mit 1. Dezember 2018 die strenge Regelung fürs Anrainerparken zurückgenommen. Anrainerparkplätze stehen seitdem von Montag bis Freitag von 8 Uhr bis 16 Uhr auch Betrieben und sozialen Diensten zur Verfügung.

Für den Wiener Wirtschaftsbund steht jedenfalls fest, dass „dieses System von Grund auf neu aufgestellt werden muss“, sagt Direktor Christoph Biegelmayer. „Wir wollen ein leicht verständliches System.“

Mögliche Lösungen

Wie eine Reform aussehen kann, ist offen. Ein Gipfel, den Vizebürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) im Oktober einberufen hat, brachte keine konkreten Ergebnisse. Vor Weihnachten soll es aber einen weiteren Termin geben. Einige Ideen gibt es schon:

  • Das individuell maßgeschneiderte Pickerl: Der Gültigkeitsbereich soll vom Wohn-, Arbeits- und Schulort des Inhabers abhängen. Die Idee hatte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Kritiker sagen, das Modell würde die Situation noch mehr verkomplizieren.
  • Zonen-Modell: Die Zonen würden sich nicht an Bezirksgrenzen orientieren, sondern an „verkehrstechnischen Notwendigkeiten“. Ludwig kann sich dieses Modell vorstellen.
  • Das Drei-Zonen-Modell: Dafür plädieren ÖVP und Neos. Die Idee: Je näher der Innenstadt, desto teurer wird das Parken. Experten sind auch hier skeptisch.
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