Causa Ruck: Wirtschaftskammer-Boss wagt letzten Befreiungsschlag
Walter Ruck nimmt im KURIER-Interview Stellung.
Die Schrecksekunde des Wiener Wirtschaftsbundes und der Getreuen rund um Walter Ruck dauerte exakt ein Wochenende lang. Heute, Montag, ist man in der Skandal-Causa in die Offensive gegangen.
Wie der KURIER erfahren hat, soll am Mittwoch eine Sitzung der Wirtschaftsbund-Gremien anstehen – und davor müssen die ersten Pflöcke eingeschlagen sein. Dafür hat man ein Briefing ausgeschickt, das in der Kommunikation nach außen für Geschlossenheit sorgen soll.
Kanzler fordert Konsequenzen
Ob das noch hilft, ist unklar: Denn am Montag erhöhte sich der ÖVP-interne Druck auf Ruck massiv. Bundeskanzler Christian Stocker meldete sich ebenso zu Wort wie die Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) Martha Schultz. Beide Statements können als indirekte Rücktrittsaufforderungen gelesen werden.
Die interne Argumentationshilfe des Wiener Wirtschaftsbundes, die dem KURIER vorliegt, zeigt unterdessen vor allem drei spannende Argumentationslinien, auf die Rucks Strategen setzen dürften.
Die Strategie
Erstens: Man will den Fokus darauf legen, jenes Gesprächsprotokoll, mit dem profil und Kronen Zeitung am Freitag alles ins Rollen brachten, als „illegal“ zu brandmarken. „Eines ist vorweg festzuhalten“, heißt es in dem Briefing. „Es handelt sich den angeblichen Zitaten um ein Transkript einer nicht verifizierbaren, unbestätigten und potenziell illegal angefertigten Tonaufnahme“. Und weiter: „Sollte es tatsächlich [...] zu manipulierten Zusammenschnitten gekommen sein, wären das alarmierende Methoden.“
Diese Verteidigungslinie ist wohlbekannt. So setzte etwa auch die FPÖ rund um den Ibiza-Skandal alles daran, das illegale Zustandekommen des Finca-Videos zu thematisieren und damit zugleich die Recherchen der Journalisten zu diskreditieren. Man prüfe derzeit rechtliche Schritte, heißt es in dem Briefing.
Zweitens: Nun müssen die Frauen ran. Ziel der Strategen rund um Ruck ist es, vor allem den Vorwurf des Sexismus und der Frauenfeindlichkeit zu widerlegen. Und dafür greift man zu durchaus überraschenden Methoden. Am Montag rückte ausgerechnet die geschasste ÖVP-Politikerin Margarete Kriz-Zwittkovits aus, um Ruck zu verteidigen.
„Sie hat salutiert“
Sie ist eine jener Funktionärinnen, die von ihm demontiert wurde. Die Döblinger Politikerin musste 2025 zugunsten eines Sohns von Ruck auf ein Antreten bei der Wien-Wahl verzichten. Ruck erzählte dem Geheimprotokoll zufolge despektierlich davon, wie es dazu gekommen war: „Die Margarete [...] hat einen Befehl bekommen, sie hat salutiert und hat gesagt: Okay, ich verzichte. Und hat meinen Sohn vorgeschlagen und hat für ihn gekämpft“, soll Ruck in der vermeintlich vertraulichen Runde gesagt haben.
Margarate Kriz-Zwittkovits (ÖVP) sprang Walter Ruck überraschend bei: Er sei ein großer Förderer von Frauen.
Die Betroffene stärkt Ruck nun den Rücken – und zwar via Aussendung aus dem Wirtschaftsbund: „Wir wissen ja, dass Männer sich untereinander gern flapsig unterhalten – sofern das in dieser Form überhaupt stattgefunden hat. Was aber zählt ist die Realität“, wird Kriz-Zwittkovits zitiert. Sie habe Ruck stets „als einen Präsidenten erlebt, der Frauen bewusst fördert“.
Sie verweist zudem auf die positive Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Wien, die Ruck der Wiener Wirtschaftskammer zu verdanken sei. „Und diese Bilanz ist zehnmal stärker als es flapsige Sager in einer Männerrunde je sein könnten.“
Wenig später meldete sich auch Verena Wiesinger, Wiener Vorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“ – diesmal via Aussendung der Wiener Wirtschaftskammer: Auch sie verweist auf Rucks positive Bilanz und sagt unter anderem: „Es ist sehr wichtig, dass Walter Ruck in den vergangenen Jahren Frauen motiviert und gefördert hat, sich als Funktionärinnen für ihre Branchen einzusetzen.“
Dritter Argumentationsstrang: Die Entscheidungen, die Ruck als „Postenschacher“ ausgelegt werden, seien eigentlich in Gremien getroffen worden, auf die der Wirtschaftskammer-Boss gar keinen Einfluss habe.
Etwa: Der ÖVP-Kandidat des Wahlkreises für die Wien-Wahl 2025 (also sein Sohn) wurde ja vom Bezirksparteivorstand der ÖVP Döbling gewählt – nicht von Ruck. Und die Entscheidung von Kriz-Zwittkovits, nicht für die Wien-Wahl zu kandidierten, sei ihre eigene gewesen: „Ich kann festhalten, dass es dazu nie ein Gespräch mit Walter Ruck gab und dies meine freie Entscheidung war, nicht als Spitzenkandidatin zur Verfügung zu stehen“, sagt sie in ihrer Aussendung.
Oder: Die umstrittene Bestellung von Manfred Juraczka als Co-Chef der Wirtschaftsagentur erfolgte durch deren Präsidium – nicht durch Ruck.
Und: Das mutmaßlich geschönte Ergebnis bei der Wirtschaftskammerwahl wurde von der Hauptwahlkommission unter dem Magistratsdirektor Dietmar Griebler festgestellt – nicht von Ruck.
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