© David Bohmann

Chronik Wien
06/14/2021

Von Fu Long bis Raupi McRaupface: Per Voting zum Namen

In Wien wird regelmäßig über Namen von Dingen und Tieren abgestimmt. Ohne diese Votings kommt es mitunter zu kuriosen Streits.

von Agnes Preusser

Als 1552 erstmals ein Elefant Wien betrat, war das eine Sensation. Viele Schaulustige kamen, um Kaiser Maximilian II. mit dem indischen Bullen Soliman einziehen zusehen. Dabei soll einer Frau ihr Kleinkind direkt vor dem Tier auf den Boden gefallen sein. Anstatt es zu zertrampeln, hob es der Elefant laut Legende aber mit dem Rüssel behutsam auf und übergab es unversehrt der Mutter.

Soliman wurde zum Publikumsliebling. Die Wiener gaben ihm daraufhin den Kosenamen Pepi.

Etwas spezielle Namen für öffentlich relevante Dinge oder Tiere zu finden, hat in dieser Stadt Tradition. Wenn man etwas tauft, hat man schließlich einen größeren Bezug dazu. Und um diesen Effekt noch zu steigern, greifen die Stadt Wien und ihre Unternehmen oft auf öffentliche Abstimmungen zurück.

Erst im Mai wurde bekannt gegeben, dass die neuen U-Bahn-Garnituren mit der Typenbezeichnung X-Wagen einen Namen erhalten haben. Immerhin 44.000 Wiener stimmten mit: Sie entschieden sich gegen MaXi, Xandi sowie Xenia und wählten FeliX auf Platz 1. Wie man sieht, war das X im Namen Pflicht, ansonsten hat sich die Vorauswahl aber an gängigen Namen orientiert. Ungewöhnlich für die Wiener Linien, die auf Social Media oft für ihre Kreativität und ihre Wortspiele gefeiert werden.

Raupi McRaupface

Die Stadt selbst gab sich da zuletzt unkonventioneller: Bei den Trinkbrunnen konnte man unter anderem zwischen Glucksbringer und Wiener Hüsn wählen. Geworden ist es letztendlich Brunnhilde. Bei der einzig städtischen Pistenraupe (die allerdings in der Steiermark zum Einsatz kommt) ließ die zuständige Wien Energie die Bevölkerung selbst Vorschläge einreichen. Seit Februar heißt das Gefährt Raupi McRaupface.

Die Wiener Netze haben sich im Mai lieber allein auf Namenssuche begeben. Ihr erstes E-Feuerwehrauto heißt fortan Mona. Aber Feuerwehrautos sind ohnehin meist beliebt – egal, ob man die Namen mitbestimmen durfte oder nicht.

Elefant Pepi starb übrigens nur ein Jahr nach seinem Triumphzug in Wien, der Name hielt sich aber noch mehrere Jahrhunderte. Im Volksmund wurden sowohl männliche als auch weibliche Elefanten einfach „Schönbrunner Pepi“ genannt.

Heute geht es im Tiergarten bei der Namensvorauswahl weniger wienerisch zu. Wichtig sei vielmehr, dass sich die Herkunft der Tiere im Namen widerspiegele, heißt es auf KURIER-Anfrage.

Wie zum Beispiel bei Iqhwa. Sie war der erste Elefant weltweit, der durch künstliche Besamung mit tiefgefrorenem Sperma gezeugt wurde. Iqhwa bedeutet in der Sprache der südafrikanischen Zulus „Eis“. Der Name setzte sich gegen Umndeni („Familie“) und Phinda – das Reservat, in dem der Vater der Elefantenkuh lebte –, durch.

Laut Tiergarten Schönbrunn sind Namensvotings sehr populär. Beim ersten Panda-Nachwuchs Fu Long im Jahr 2007 stimmten online rund 26.000 Fans mit. Die erste Namensabstimmung soll bereits 1952 stattgefunden haben, damals für drei Bärenbabys. Wie diese ablief oder ausging, ist aber nicht überliefert.

Bei aller Freundschaft

Ohne Publikumsabstimmung kommt es manchmal auch zu Auseinandersetzungen. Zwischen Margareten und Mariahilf etwa entbrannte eine Debatte, wie der Wiental-Steg zwischen den beiden Bezirken künftig heißen solle. Kurioserweise zerstritt man sich über den Vorschlag „Freundschaftssteg“. Dieser wurde vom Margaretner Bezirksparlament favorisiert. In Mariahilf regte sich aber Widerstand, weil es einen Beschluss gibt, alle neuen Verkehrsflächen im 6. Bezirk nach Frauen zu benennen. Als Folge ist der Steg seit 2015 namenlos.

Besonders lange halten sich Namen ohnehin nur dann, wenn diese einfach so in der Wiener Bevölkerung entstanden sind. Wie eben bei Elefant Pepi. Oder auch bei „Bim“, was sich von den bimmelnden Warn-Glocken-der Straßenbahn ableitet.

Ob Raupi McRaupface oder Brunnhilde auch Teil der Alltagssprache werden, darf wohl bezweifelt werden.

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