© Kurier/Gerhard Deutsch

Chronik Wien
11/26/2020

Von der Noblesse zur Tristesse: Der Opernringhof

Schöner Anblick ist es keiner, wenn man durch die Passage des Opernringhofes schlendert. Trist trifft es eher.

von Nina Oezelt

Ein leeres Lokal neben dem anderen. Rote Kreise mit der Aufschrift „Geschäftsfläche zu mieten“ an den leeren Auslagen.

Und auf der Gegensprechanlage des Büroeinganges finden sich nur weiße Zeilen, keine Buchstaben oder Hinweise, was sich dort befinden könnte. Lediglich die portugiesische, die niederländische und die maltesische Botschaft macht sich dort bemerkbar.

Bild links: © Kurier/Gerhard Deutsch

Bild rechts: © ÖNB-Bildarchiv / picturedesk.com

Früher der Heinrichshof, heute der Opernringhof

Der Heinrichshof war ein Wiener Ringstraßengebäude, das im Jahr 1945 bei alliierten Bombenangriffen teilweise zerstört und nach längeren Diskussionen um einen möglichen Wiederaufbau in den 1950er Jahren abgerissen wurde.

Beste Adresse

„Früher war das die beste Adresse“, sagt Wolfgang Strobl, Inhaber des Fledermaus-Cabarets. Er machte im Opernringhaus 1981 einen der ersten Schallplattenläden für DJs in Wiens auf. „Hier lebte der weltberühmte Taucher Hans Hass, Schauspielerin Lilly Palmer, alle internationalen Fluglinien waren hier. Das Verkehrsbüro war da, wo jetzt noch Maredo steht“, sagt er.

Die deutsche Steak-Kette meldete dieses Jahr Konkurs an. Die einzige Filiale in Wien, die sich in der Mitte der Passage befindet, sperrt nicht mehr auf. Auch Gabriel Bochorov, der seit Jahrzehnten mit seinen Sightseeing-Bussen „Red Bus“ im Opernringhof präsent war, hat den kleinen Laden geräumt.


Red Bus Tours klebt noch am Glas, Broschüren liegen am Boden. „Die Position war nicht schlecht, aber die Miete zu hoch“, sagt der Unternehmer.  

 

Geschäftsfläche zu mieten

Bei einem Schaufensterspaziergang wird schnell klar, dass vieles leer steht.

Leere Lokale

Die Vitrinen sind leer, der Anblick ein wenig trist.

Die Passage

Die Inhaber der Lokale wünschen sie mehr Nachbarschaft.

Cafè

L'Opera, das Kaffeehaus am linken Eck wurde von Kent-Inhaber Ekrem Tütüncü übernommen. Die Touristen bleiben aus.

Die besten Zeiten sind vorbei

"Früher war hier die beste Adresse", sagt Wolfgang Strobl, Inhaber der Fledermaus-Bar, der hier 1981 eines der ersten Plattengeschäfte für DJs in Wien öffnete.

Neu eingegliedert

Neue Mieter sind etwa ein Nagelstudio und ein italienischer Feinkostladen mit To go - Angebot.

Das Ende von Maredo

Die Steakhauskette Maredo in Österreich ist insolvent und wird nicht mehr öffnen. Für die rund 1000 Quadratmeter werden Nachmieter gesucht. Eine Supermarkt-Kette könnte Nachmieter werden, verrate Gerüchte.

Vom Heinrichshof zum Opernringhof

Blick in die Vergangenheit: Niemand geringerer als der dänische Star-Architekt der Wiener Ringstraßenbauten (Musikverein, Parlament, Börse) – Theophil Hansen – gestaltete jenes Haus, das dort einst stand: den Heinrichshof.

Auftraggeber des nobelsten Zinshauses auf der Ringstraße war damals der Ziegelhersteller Heinrich Drasche-Wartinberg (1811– 1880), dessen Firma Wienerberger heute noch existiert.

Große Teile des Prachtbaus wurden jedoch bei alliierten Bombenangriffen im März 1945 zerstört, 1950 wurde der Heinrichhof komplett abgerissen. Der Opernring-Hof wurde dann 1957 nach dem Entwurf von Carl Appel und Georg Lippert gebaut.

Die Touristen bleiben aus

Vor zwei Jahren hat Ekrem Tütüncü (36) das Kaffeehaus „L’Opera“ am linken Eck des Hauses neu übernommen. Er führt die Kent-Restaurants in Wien, bekannt für die levantinisch-türkische Küche.

„Wir mussten einiges ändern an der Karte, damit das Lokal an dieser Position funktioniert“, sagt er. „Natürlich fehlen jetzt die Touristen, die 70 Prozent unserer Kunden ausmachen.“

Kein schöner Ort

Neue Nachbarn könnten neue Kunden anziehen. Leere Lokale bewirken eher das Gegenteil. Das Porzellangeschäft nebenan habe dieser Leere beispielsweise nicht überlebt. Gut laufe es dafür bei seinem italienischen Nachbarn, der am andern Ende der Passage Spezialitäten und Italo-Snacks verkaufe.

„Nicht alles steht leer, es gibt Interessenten auch für das fast 1.000 Quadratmeter große Lokal von Maredo“, sagt der zuständige Immobilien-Makler. Insgesamt stünden rund 14 Immobilien im Haus frei. Das sei in dieser schwierigen Zeit nicht ungewöhnlich.

Ein Teil des Hauses gehört privaten Eigentümer. Ein anderer gehört der Privatstiftung der Salzburger Holzindustriellen-Familie Kaindl. Für den Immobilienexperten von Remax, Stefan Krejci, ist hingegen klar: „Das dort war nie der schönste Ort der Innenstadt. Vielleicht muss es grüner, heller werden“, sagt er. Und vielleicht, sagt Krejci, könnte ein Unterstützungsprogramm helfen, junge Unternehmer für die Flächen zu begeistern. 

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