In dem ehemaligen historischen Kassensaal entsteht 2020 ein exklusives kulinarisches Einkaufs- und Gatronomieerlebnis von Interspar.

© Karl Lackner

Chronik Wien
10/28/2020

Wer in das altehrwürdige Gebäude am Schottentor zieht

Haus am Ring: 2021 sollen in das denkmalgeschützte Gebäude neue Mieter einziehen. Welche das sind und was sie dort machen.

von Nina Oezelt

In den Hauptstädten Europas liest man auf Häusern im Stadtinneren und an den besten Adressen Namen der großen digitalen Konzerne. Google oder LinkedIn leuchten etwa im Zentrum von Dublin. Amazon und Apple-Schilder erstrahlen  an den Fassaden in Madrids Innenstadt. Könnte das in Wien auch bald passieren?

Das "weiße Haus" am Schottentor

Eines der prestigeträchtigsten Häuser in Wien, das „Weiße Haus“ am Schottentor, in dem sich lange die ehemalige Bank-Austria-Zentrale befand, wird seit 2018 umgebaut. Schweren Herzens mussten die Bank-Mitarbeiter damals das ehrwürdige Gebäude verlassen und in die neue moderne Zentrale – ohne fixen Sitzplatz – am Austria Campus beim Messegelände (Leopoldstadt) ziehen.

Der KURIER hat recherchiert, wer in die historischen Räumlichkeiten direkt am Schottentor einziehen wird.

Baustelle bei der ehemaligen Bank Austria Zentrale

Noch 2020 soll eine Übergabe an manche Mieter erfolgen, heißt es von Seiten der PEMA Holding.

Unter Denkmalschutz

In sechs Stockwerken werden rund 780 Fenster und 100 historische Räume saniert.

Bundesdenkmalamt vor Ort

Rund zwei Mal die Woche soll das Bundesdenkamlamt vor Ort sein. Die gesamte Fläche beträgt 24.500 Quadratmeter.

150 Mitarbeiter

150 Personen arbeiten auf der Baustelle für eine Renovierung des hirstorischen Gebäudes.

1909 bis 1912

Das Haus am Schottentor wurde ursprünglich für den Wiener Bankenvereinigung geschaffen.

Keine Verzögerung

Corona soll für keine Verzögerung des Zeitplans sorgen, heißt es von Seiten der Eigentümer. Hingegen meinte McFit, dass es wegen Corona noch keinen großen Baufortschritt gebe.

Neuer Haupteingang

Ursprünglich gab es einen Direktionseingang, von dem eine Feststiege in den ersten Stock zum "Oktogon", dem Sitzungssaal für die Generalversammlung mit seinen 16 großen Marmorsäulen, führte. 1923 wurde die Direktionsstiege abgetragen um eine "Treppensteuer" zu sparen.

Am Ring

Jetzt will man diesen Eingang - am Ring - zum Haupteingang machen. Genau dort, wo am Bild der Kran erkennbar ist, sollen Menschen zur neuen Luxus-Filiale von Interspar kommen.

Noch bedeckt

Noch ist die ehemalige Bank-Austria-Zentrale bedeckt, aber noch dieses Jahr sollen Mieter hier einziehen.

Von unten nach oben: Fitnesscenter McFit mit der Exklusivmarke John Reed auf 3.000 m² (Tresorräume), Interspar auf 3.400 m² (Kassensaal), die Co-Working-Firma Spaces auf 7.000 m² und im Obergeschoß auf 5.500  – inklusive 235 m² Dachterrasse – Xing. 

Xing: Die Zukunft des Arbeitsplatzes im Haus am Ring

Xing ist ein digitale Plattform für berufliche Kontakte. Die deutsche Xing-Betreiberfirma „New Work Se“ zieht mit ihren lokalen Töchtern Xing E-Recruiting (1., Wollzeile 1), Kununu (1., Neutorgasse 4) und Prescreen (6., Mariahilfer Straße 17) in die oberen Stockwerke des sechsstöckigen Hauses mit Blick auf den Ring, die Universität und die Votivkirche.

 

Kassensaal

Der Kassensaal galt als die Visitenkarte des Hauses. Der soll nicht verändert werden, sagt Friedrich Dahm, Abteilungsleiter im Wiener Denkmalamt.

Oktogon bleibt bestehen

Das Oktogon bildet das Herzstück des Hauses und soll auch in Zukunft für Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Erbe der Rothschilds

1910-12: Anselm Salomon von Rothschild erbaute das Haus unter der Feder der beiden Architekten Ernst Gotthilf und Alexander Neumann.

280 Mitarbeiter ziehen in die obersten Stockwerke

"Alle unsere 280 Mitarbeiter aus Österreich werden so unter einem Dach sein",  erklärt Sprecherin Sandra Bascha. Xing E-Recruiting will die Personalsuche digitalisieren, Prescreen bietet hingegen Bewerbungsmanagement-Software an und Kununu ist eine Online-Plattform, die es Arbeitnehmern ermöglicht, Arbeitgeber online zu beurteilen.

Digitalisierung im über 100-jährigen Haus

Die digitale Zukunft der Arbeitswelt zieht also in das über 100 Jahre alte und denkmalgeschützte Haus. Ist das nicht ironisch? "Wir wollen in den neuen Räumlichkeiten hybrid arbeiten", sagt die Sprecherin. "Sowohl Homeoffice als auch gemeinsam im Büro sein, wenn es Corona erlaubt." Einziehen sollen alle Beteiligten bis April 2021. 

Turnen im Tresorraum und Essen in der Kassenhalle

Neben Xing bespielt die niederländische Co-Working-Firma "Spaces" Teile des Hochparterres, des Mezzanins und des Obergeschoßes. Die Supermarktkette Spar wird eine Interspar-Filiale mit Gastro-Bereich in der Kassenhalle einrichten.   „Viele feine Sachen werden wir dort anbieten“, sagt eine Sprecherin, ohne weitere Details zu nennen. Die Eröffnung sei für Frühling 2021 geplant. Die gegenüberliegende Spar-Filiale bleibe jedenfalls weiterhin erhalten.  

100 historische Räume auf 24.500 m² 

Das Gebäude am Wiener Schottenring gehört heute dem Tiroler Immobilienentwickler Pema und der Familie Koch, den ehemaligen Kika/Leiner-Eigentümern.  Der gesamte Umbau der 100 historischen Räume – 780 Fenster auf einer Fläche von 24.500 m² – wird vom Bundesdenkmalamt begleitet.

11._september_2020_dsc1909_web.jpg

Bild links: © Karl Lackner

Bild rechts: © PEMA Holding/ Philipp Schuster

Umbau der Eingangshalle

Dominant ist der große Kassensaal im Eingangsbereich: Er soll laut Bundesdenkmalamt erhalten bleiben.

Laut Friedrich Dahm, Abteilungsleiter im Wiener Denkmalamt, sind Mitarbeiter des Denkmalamts zwei Mal pro Woche vor Ort. Man scanne das Gebäude und dessen Veränderungen mit Spezialisten von Metall-, Holz- bis Architekturrestauratoren. 

Errichtet wurde das Haus in den Jahren 1909 bis 1912 für den Wiener Bankverein, geleitet von Albert Salomon Anselm von Rothschild. Der Bau soll damals 14 Millionen Kronen (60 Mio. Euro) gekostet haben. Damals waren die Architekten Ernst von Gotthilf-Miskolczy und Alexander Neumann. Heute arbeiten auf der Baustelle rund 150 Personen. Heinz Neumann ist der zuständige Architekt. Das beauftragte Bauunternehmen ist Hazet Bau.

Paternoster, ade

Der bekannte Saal Oktogon und der Kassensaal sollen genauso bestehen bleiben. Der alte Paternoster, den früher nur Vorstände der Bank genutzt haben, konnte übrigens nicht erhalten werden. Laut Denkmalamt gab es keine „TÜV“-Plakette. Dafür werde der Haupteingang auf der Ring-Seite, der wegen einer damaligen Treppensteuer gesperrt war,  wieder als neuer Zugang für den Interspar, die Büros und das Fitnesscenter eröffnet.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.