© Puschautz Andreas

Chronik Wien
08/16/2021

Vom Prestigeprojekt zur selbst gemachten "Coolen Straße"

Zwei Jahre war die Hasnerstraße eine "Coole Straße“, dann gab Ulli Sima das Projekt auf. Im Grätzel wollte man sich damit nicht abfinden.

von Andreas Puschautz

Sie waren das Prestigeprojekt der früheren grünen Verkehrsstadträtin Birgit Hebein: die insgesamt 18 „Coolen Straßen“, die in den vergangenen beiden Sommern über die Stadt verteilt wurden. In besonders heißen Grätzeln wurden Straßenabschnitte definiert, aus denen Autos temporär verbannt wurden.

Der gewonnene Platz wurde für Sprühnebelduschen und Außenmöbel genützt, auch Kinderprogramme wurden angeboten. Sinn der Aktion: Anrainern die Möglichkeit zu geben, sich in ihrer unmittelbaren Umgebung abzukühlen. Mit Erfolg: In der Hasnerstraße sank die Temperatur laut Hebein um bis zu 5,4 Grad.

Regierungswechsel mit Folgen

Einen Regierungswechsel später waren die Naherholungszonen Geschichte: Die Coolen Straßen wären nicht so gut angenommen worden wie erhofft, darum würden sie nicht fortgesetzt, entschied Hebeins SPÖ-Nachfolgerin Ulli Sima.

In Ottakring für viele unverständlich: „Die Hasnerstraße ist total schön, aber das ganze Jahr nur ein Parkplatz“, sagt Johann Schneider. Der 25-jährige gebürtige Ottakringer lebt im Grätzel und wollte sich mit der Entscheidung nicht abfinden. Im Unterschied zu anderen Orten wurde der Freiraum hier zudem sehr gut angenommen: „Es haben sich viele Leute aus der Nachbarschaft gefunden, die einander davor nicht gekannt haben.“

Gelungene Initiative

Also startete der Verkehrsplaner und „Platz für Wien“-Aktivist mit Gleichgesinnten eine Petition zur Wiederbelebung der Kühlmaßnahmen. An sich ein recht zahnloses Instrument, wie berichtet. Doch in diesem Fall klappte es, wenn auch auf anderem Weg. Noch bevor der Petitionsausschuss das Anliegen behandeln konnte, meldete sich die stellvertretende SPÖ-Bezirksvorsteherin Eva Weißmann bei Schneider und bot ihre Unterstützung an.

Sie kümmerte sich um die Einreichung bei der zuständigen MA 46 (Verkehr); organisierte die Betonblöcke zur Absperrung der Radspur, Sitzmöbel und einen Trinkbrunnen.

„Das Projekt ermöglicht während der Sommermonate eine zusätzliche Nutzung des öffentlichen Raumes, bietet Platz für den Aufenthalt im Freien, fördert die Nachbarschaft und das Kennenlernen der im Umfeld lebenden Menschen“, begründet Weißmann ihr Engagement gegenüber dem KURIER.

Positive Nebeneffekte

„Es war schon toll, wie die Bezirksvertretung auf uns zugekommen ist“, ist Schneider für die Unterstützung dankbar. „Es ist natürlich sehr hilfreich, wenn man den Bezirk hinter sich hat. Der hat da schon sehr viel Macht.“

In erster Linie bleibt das „Sommergrätzel Hasnerstraße“ aber ein selbst organisiertes Projekt. Mit positiven Nebeneffekten: „Die meisten finden es viel cooler als die letzten zwei Jahre“, sagt Schneider, „obwohl es viel weniger Angebot und Sitzmöglichkeiten gibt“.

Kinderprogramm gibt es etwa mangels Budget keines. Aber auch so treffen einander jeden Tag Freunde zum Kaffee, spielen Kinder auf der Straße oder werden WG-Sitzungen abgehalten. Weil die Initiative von den Anrainern selbst ausging, sei die Identifikation mit dem Geschehen auch ungleich höher, sagt Schneider.

Weg frei für eigene Cooling-Maßnahmen

Im Büro Sima kann man mit der Wiederbelebung der einst Coolen Straße leben. Auf KURIER-Anfrage verweist man auf diverse gesetzte Kühlungsmaßnahmen. Ansonsten stehe es „den Bezirken natürlich frei, eigene Cooling-Maßnahmen wie eben in der Hasnerstraße zu setzen – je mehr, desto besser. Auf Stadtebene konzentrieren wir uns auf die heißen Plätze, um für Abkühlung im öffentlichen Raum zu sorgen.“

Warum die Hasnerstraße – laut Hitzekarte der Stadt eines von Wiens heißesten Grätzeln – nicht zu einer „Coolen Straße Plus“  umgestaltet wurde, blieb unbeantwortet.

Für Schneider und seine Mitstreiter ist das Ziel unterdessen die dauerhafte Umgestaltung und Verkehrsberuhigung des Abschnitts. „Für uns ist eigentlich schon klar, dass das jetzt jedes Jahr kommt“, erklärt er.

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