Raucher, Raucherlokale

© KURIER/Jeff Mangione

Rückzug
09/01/2013

Volles Haus in den Raucher-Oasen

Die Zahl der Rauchercafés geht laufend zurück. Es gibt sie aber noch, die verrauchten Rückzugsgebiete.

von Michael Berger, Wolfgang Atzenhofer

Café Griensteidl, Café Sperl und zuletzt das Café Drechsler – die Liste der klassischen Wiener Cafés und Lokale mit striktem Rauchverbot wird immer länger. Dabei sind immer noch 36 Prozent der Österreicher über 16 Jahre Raucher. Und immer häufiger stellen sich Raucher die Frage, „wo gehen wir heute hin, wo lässt man uns noch qualmen?“ Zur Beruhigung, es gibt sie noch, die – immer seltener werdenden – Raucher-Oasen. Und sie erfreuen sich höchster Beliebtheit.

Oliver Fraenkel, Geschäftsführer im Traditionsgasthaus „Zur eisernen Zeit“ am Wiener Naschmarkt, bringt den Wunsch seiner Gäste auf den Punkt: „Ein Gulasch, ein Bierchen und die Zigarette. Wir sind jeden Tag voll.“ Barbara Kiss, Stammgast, ergänzt: „Freiwillig gehe ich in kein Nichtraucher-Lokal. Mit einer Einschränkung; wenn Freunde dabei sind, die der Rauch stört.“

Im Bier-Beisl in der Favoritner Wielandgasse sieht man das ähnlich. „Durch das Tabakgesetz werden mündige Bürger entmündigt. Der Gast kann entscheiden, wo er hingeht“, fordern Andreas, Ingrid Spalt und Kellnerin Christa. Genüsslich an der Zigarette ziehen aber nur Andreas und Christa. Denn Frau Spalt hat vor 25 Jahren für immer abgedämpft: „Mich stört der Rauch nicht. Geselligkeit ist mir wesentlich wichtiger.“

Rauchabzug

Aber nicht nur Lokale unter 50 Quadratmeter (hier gestattet das Tabakgesetz das Rauchen) haben noch ein Herz für die Raucher. Beispiel Niederösterreich: Im Mostviertler Haubenlokal „Landhaus Stift Ardagger“ sorgen innovative Rauchabzugshauben über den Tischen für minimale Belästigung durch den blauen Dunst. Rauchfreie Stuben gibt es dazu. Chefin Elke Wagner: „Unser Angebot wird bei Rauchern sehr geschätzt und gelobt.“

Aber die Luft für Raucherlokale wird immer dünner. Ein im Juli vom Verwaltungsgerichtshof (VwGH) ergangenes Urteil setzt Lokalen mit Raucherbereichen zu. Ab sofort müssen Nichtraucherzonen und Toiletten für Nichtraucher absolut rauchfrei erreichbar sein.

Für Helmut Hinterleitner, Gastronomen-Sprecher, Grund genug für eine Kampfansage. „Wir prüfen eine Klage gegen die Republik. 15.000 Wirte haben Trennwände eingebaut. Bundesweit wurden 96 Millionen investiert. Jetzt sollen sie schon wieder investieren, oder zum Nichtraucherlokal werden.“ Unterstützung kommt von Promi-Advokat und Genussraucher Manfred Ainedter: „Ich räume dieser Klage hohe Chancen ein. Denn in überwiegenden Fällen wurden die Planungen der Trennwände sogar von den Behörden begleitet. Es muss aber Rechtssicherheit geben.“

Parallel zu dieser Diskussion sind Österreichs Rauchsheriffs wieder auf Anzeigen-Tour. Dietmar Erlacher und seine Unterstützer zeigten seit dem VwGH-Spruch rund 250 Wiener Lokale an.

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