© Dorotheum Wien

Chronik Wien
10/19/2020

Versteigerung im Dorotheum: 25.000 Euro für die Melone des Kaisers

311 Objekte aus dem Nachlass der Kaiserfamilie wurden angeboten. Die Bieter griffen nicht nur für den Hut tief in die Tasche.

von Katharina Zach

25.000 Euro. Für diese Summe wechselte nun die Melone von Kaiser Franz Josef I. den Besitzer. Beim Wiener Dorotheum bringt man es auf den Punkt: „Sisi und Franz Josef haben immer Saison.“

Mit der Kopfbedeckung, dem Zwicker oder den Seidensocken des Kaisers kamen bei der einmal jährlich stattfindenden Kaiserhaus- und Historika-Auktion am Montag ganz besondere Stücke unter den Hammer – und die Bieter griffen tief in die Tasche.

Insgesamt 311 Gegenstände aus dem kaiserlichen Nachlass wurden geboten.

Des Kaisers Kopfbedeckung - aus schwarzem Wollfilz, mit goldgeprägten Namenszug "FJI" an der Innenseite - aus der Zeit um 1900 war eigentlich nur mit 3.000 bis 6.000 Euro bewertet worden.

Siegel vom Kammerdiener

Auch die Seidensocken (Fußlänge 26 Zentimeter, das heißt Schuhgröße 41 bis 42) wurden für 1.792 Euro statt für geschätzte 500 bis 800 Euro verkauft.

Für Franz Josefs Zwicker - eine Brille ohne Bügel - bot ein Interessent am Telefon ebenfalls satte 20.300. Hier betrug der Rufpreis 2.500 bis 3.500 Euro.

Dafür kann der Käufer sicher sein, dass es sich tatsächlich um des Kaisers Brille handelt, die er während seiner letzten Lebensjahre trug. Das belegt nämlich ein Anhänger samt Siegel mit der Unterschrift des Leibkammerdieners Eugen Ketterl.

Im Dorotheum ist man mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wegen Corona lief die Auktion großteils online ab. Viele Online-Bieter hätten sich von den wenigen im Saal mitreißen lassen und mitgesteigert, heißt es.

Liebesgeschenk blieb Ladenhüter

Wer jetzt aber glaubt, dass der Erlös für die Melone schon hoch war, darf korrigiert werden. Der kaiserlich-mexikanische Adlerorden in Brillanten von Kaiser Maximilian von Mexiko wurde von einem Bieter am Telefon um 186.300 Euro ersteigert.

Der Schätzwert lag bei 60.000 bis 120.000 Euro. Es ist das teuerste Stück, das bei dieser Auktion den Besitzer wechselte.

Ladenhüter blieb hingen ein ehemaliges Liebesgeschenk. 12 Porzellanteller mit Ansichten bayrischer Orte, die Elisabeth einst von Kaiser Franz Josef geschenkt bekam, fanden vorerst keinen Käufer.

Auf dem Porzellan sind jene Orte abgebildet, die Sisi ganz besonders liebte. Bemalt hatte die Teller F. X. Thallmaier in München, sie befanden sich ursprünglich in der Ischler Kaiservilla. Der Rufpreis betrug 50.000 bis 80.000 Euro.

Immerhin: Eine Etagere, die der Kaiser für Sisi mit ihren Lieblingsblumen - Leberblümchen und Margariten - bemalen ließ, wurde um 15.300 Euro verkauft.

Jährliche Auktion

Die Kaiserhaus- und Historika-Auktion findet einmal jährlich im Dorotheum Wien statt und ist bei Geschichts- und Monarchie-Fans äußerst beliebt. "Auf manche Objekte kommen 15 Interessenten", heißt es beim Dorotheum.

Immerhin sei man das einzige Auktionshaus weltweit, dass regelmäßig Gegenstände der Monarchen und ihrern Familien anbietet.

Im Jahr 2018 wurden etwa Hausschuhe von Kaiser Franz Josef versteigert. Aufgerufen waren sie um bis zu 8.000 Euro, ersteigert wurden sie um 11.250 Euro.

Auch Museen bieten mit. So hat etwa auch die Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. Satinschuhe von Kaiserin Elisabeth um 21.250 Euro erstanden.

Die Objekte erhält das renommierte Auktionshaus übrigens meistens von den Nachfahren der Kaiserfamilie selbst oder aus dem Nachlass von Kammerdiener Ketterl. Am beliebtesten seien jedenfalls Besitztümer von Kaiser Franz Josef I. und von Kaiserin Elisabeth, wird beim Dorotheum erzählt.

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