© Dorotheum Wien

Chronik Wien
10/02/2020

Melone bis Socken: Nachlass des Kaisers unter dem Hammer

311 Objekte aus dem kaiserlichen Nachlass werden im Dorotheum versteigert. Darunter ganz persönliche Gegenstände von Franz Josef I.

von Katharina Zach

Die Melone des Kaisers? Sein Zwicker? Oder doch lieber seine Seidensocken? Es sind ganz besondere Stücke, die am 19. Oktober im Wiener Dorotheum unter den Hammer kommen. Persönliche Gegenstände von Kaiser Franz Josef I., seiner Frau Elisabeth sowie Kronprinz Rudolf werden im Rahmen der einmal jährlich stattfindenden Kaiserhaus- und Historika-Auktion versteigert. Wer Interesse hat, braucht einen Internetzugang. Wegen Corona läuft die Auktion online ab.

Heuer steht die Auktion ganz im Zeichen des Kaisers. Ein Highlight ist sicher die kaiserliche Kopfbedeckung aus der Zeit um 1900. Die (persönliche) Melone aus schwarzem Wollfilz ist mit 3.000 bis 6.000 Euro bewertet. Auf der Innenseite prangt der kaiserliche Doppeladler und der goldgeprägte Namenszug FJI.

Auch der Zwicker des Kaisers - also eine Brille ohne Bügel - wird angeboten. Die trug er während seiner letzten Lebensjahre. Und dass es tatsächlich sein Zwicker ist, belegt ein Anhänger samt Siegel mit der Unterschrift des Leibkammerdieners Eugen Ketterl. 2.500 bis 3.500 Euro müssen Interessenten dafür auf den Tisch legen.

Wer immer schon wissen wollte welche Schuhgröße der Kaiser hatte, sollte jetzt aufpassen. Kaiserliche Socken aus schwarzer Seide (Schätzwert 500 bis 800 Euro) weisen eine Fußlänge von 26 Zentimetern auf. Das entspricht der Schuhgröße 41 bis 42. Sein persönliches Schreibzeug (Schätzwert 3.000 bis 6.000 Euro) , sein persönlicher Zigarrenspitz (Schätzwert 300 bis 500 Euro) oder ein persönliches Taschentuch (Schätzwert 500 bis 800 Euro) werden abenfalls angeboten.

Geschenke für seine Liebste

Jedenfalls kommen Porzellan-Fans auf ihre Kosten. Denn zum Verkauf stehen 12 Porzellanteller mit ansichten bayrischer Orte. Die Teller haben eine ganz eigene Geschichte: Bei ihnen handelt es sich um ein Geschenk Kaiser Franz Josefs an Elisabeth. Auf dem Porzellan sind jene Orte abgebildet, die sie ganz besonders liebte. Bemalt wurden die Teller von F. X. Thallmaier in München, sie befanden sich ursprünglich in der Ischler Kaiservilla. Wer sich dafür interessiert, muss tief in die Tasche greifen. Der Rufpreis beträgt 50.000 bis 80.000 Euro.

Auch ein weiteres Geschenk befindet sich im Katalog: Eine Etagere, die der Kaiser für Sisi mit ihren Lieblingsblumen - Leberblümchen und Margariten - bemalen ließ (Schätzwert 12.000 bis 18.000 Euro).

Von Kronprinz Rudolf werden persönliche Hemd- und Kragenknöpfe (2.500 bis 5.000 Euro) versteigert.

Die Kaiserhaus- und Historika-Auktion findet einmal jährlich im Dorotheum Wien statt und ist bei Geschichts- und Kaiser-Fans äußerst beliebt. "Auf manche Objekte kommen 15 Interessenten", heißt es beim Dorotheum. Immerhin sei man das einzige Auktionshaus weltweit, dass regelmäßig Gegenstände der Monarchen und ihrern Familien anbietet. Und geboten wird viel. 2018 wurden Hausschhe von Kaiser Franz Josef versteigert. Aufgerufen waren sie um bis zu 8.000 Euro, ersteigert wurden sie um 11.250 Euro.

Auch Museen bieten mit. So hat etwa auch die Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. Satinschuhe von Kaiserin Elisabeth um 21.250 Euro erstanden.

Passender Rahmen

Der Rahmen passt jedenfalls, denn das Dorotheum wurde 1707 durch Kaiser Josef I. als "Versatzamt zu Wien" gegründet und war in der Annagasse beheimatet. 1788 übersiedelte es im Zuge einer Reform ins 1786 geräumte Dorotheerkloster - und erhielt somit seinen heutigen Namen.

Die Objekte erhält das renommierte Auktionshaus übrigens meistens von den Nachfahren der Kaiserfamilie selbst oder aus dem Nachlass von Kammerdiener Ketterl. Am beliebtesten seien jedenfalls Besitztümer von Kaiser Franz Josef I. und von Kaiserin Elisabeth, wird beim Dorotheum erzählt.

Insgesamt werden am 19. Oktober 311 Gegenstände versteigert, darunter auch der kaiserlich mexikanische Adlerorden in Brillanten (60.000 bis 120.000 Euro) sowie das persönliche Ordenskreuz des San Carlos Ordens (30.000 bis 60.000 Euro) von Kaiser Maximilian von Mexiko und seiner Frau Kaiserin Charlotte von Mexiko. Sogar die Prozessakten des Attentats von Sarajevo am 28. Juni 1914 auf Thronfolger Franz Ferdinand werden angeboten.

Die Auktion finden am Montag, 19. Oktober, 14 Uhr statt; ab 14. Oktober können die Objekte besichtigt werden. Den Katalog gibt es hier.

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