© Teresa Sturm

Chronik Wien
02/28/2022

Zwei Leichen in Floridsdorf: Vermutlich Mord und Suizid

Die Spurenauswertung und die Obduktion sind jedoch noch nicht abgeschlossen.

von Michael Chudik

Im Fall zweier in einer Wohnung in Wien-Floridsdorf in der Nacht auf Sonntag entdeckter Leichen d√ľrfte es sich um Mord und Suizid gehandelt haben. "Das ist stark anzunehmen. Die Spurenauswertung und die Obduktion sind noch nicht abgeschlossen", erkl√§rt Polizeisprecher Markus Dittrich. Die 58-j√§hrige Mieterin wies Schnittspuren in der Armbeuge auf, ein 60-J√§hriger entsprechende Verletzungen im Halsbereich. Dies deute darauf hin, dass die Frau den Mann erstochen haben k√∂nnte.

Der KURIER hat mit jenem Nachbar gesprochen, der die beiden Leichen in der Nacht auf Sonntag gefunden hatte. Er hatte ein gutes Verh√§ltnis zur 58-J√§hrigen. "Ich habe eineinhalb Tage nichts von ihr geh√∂rt. Nat√ľrlich habe ich mir Sorgen gemacht. In Absprache mit ihrem Bruder und ihrer Tochter bin ich dann nachschauen gegangen", erz√§hlt Hermann H., der einen Schl√ľssel zur Wohnung hatte. 

"Es war kein sch√∂ner Anblick. Bei ihr habe ich nur viel Blut gesehen, aber keine Verletzungen. Ich habe sofort die Tochter angerufen." Die meinte, es m√ľsse noch noch jemand in der Wohnung sein. Im Schlafzimmer entdeckte H. dann die zweite Leiche. "Er ist vor dem Bett gesessen, sein Kinn war am Bett abgest√ľtzt. Um ihn war eine riesengro√üe Blutlache."

Eifersucht als Motiv

Der 60-J√§hrige, dessen Identit√§t gekl√§rt ist, hatte offenbar eine Beziehung mit der Frau. Als ein m√∂gliches Motiv wurde Eifersucht nicht ausgeschlossen. Die Tat k√∂nnte jedenfalls schon einige Zeit zur√ľckliegen. Wielange kann seitens der Polizei noch nicht zuverl√§ssig gesagt werden.

H. ist auch gut einen Tag nach dem schrecklichen Fund noch schockiert. "Eine Erkl√§rung f√ľr das alles habe ich nicht. Ich muss ehrlich sagen, ich habe mich ein bisschen in ihr get√§uscht. Aber das ist privat." Der Nachbar erinnert sich an eine jahrelange Freundschaft. "Eigentlich seit sie hier eingezogen ist. Das muss 15 bis 18 Jahre her sein." Die 58-J√§hrige sei praktisch t√§glich bei ihm gewesen. "Ich habe ihr immer Zigaretten mitgenommen."

Rätsel um Tatwaffe

Jetzt möchte H. alles so schnell wie möglich vergessen, so ganz gelang ihm das bis dato noch nicht: "Heute Nacht habe ich Angst gehabt, dass mich das verfolgt, wenn ich mich niederlege."

F√ľr R√§tsel sorgte auch die Tatwaffe. Die konnte am Sonntag in der Wohnung nicht vorgefunden werden. Auch am Montag konnte die Polizei nicht best√§tigen, ob die Tatwaffe bereits gefunden wurde.

Hilfe f√ľr Betroffene

Wer Suizid-Gedanken hat, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits das Sprechen √ľber die Gedanken dabei, sie zumindest vor√ľbergehend auszur√§umen. Wer f√ľr weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich an die Telefonseelsorge wenden: Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt √Ąrzte, Beratungsstellen oder Kliniken. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Depressionen betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge in √Ėsterreich kostenlos unter der Rufnummer 142.

Das √∂sterreichische Suizidpr√§ventionsportal 
www.suizid-praevention.gv.at bietet Informationen zu Hilfsangeboten f√ľr drei Zielgruppen: Personen mit Suizidgedanken, Personen, die sich diesbez√ľglich Sorgen um andere machen, und Personen, die nahestehende Menschen durch Suizid verloren haben. Das Portal ist Teil des √∂sterreichischen Suizidpr√§ventionsprogramms SUPRA des Gesundheitsministeriums.

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