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Wiener Öffi-Baustellen im Sommer: Auch Verbindungsbahn gesperrt

Der Ausbau der Verbindungsbahn beginnt genau in jenem Sommer, in dem auch die Stammstrecke, die U3 und die U4 teilgesperrt sein werden. Ein Überblick über die Baustellen.
Bahnsteig Wien Speising mit wartenden Personen unter einem großen Dach.

Zusammenfassung

  • Ab Juli beginnen in Wien mehrere Öffi-Großbaustellen, darunter die lang erwartete Sperre und der Ausbau der Verbindungsbahn.
  • Gleichzeitig werden Stammstrecke, U3 und U4 teilweise gesperrt, was zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Verkehr führt.
  • Das Projekt kostet rund 500 Millionen Euro.

1.300 Tage hat das Rechtsmittelverfahren gedauert, das Gesamtverfahren sogar 2.000 Tage. Die ÖBB werden nicht müde zu betonen, wie lange sie warten mussten. Denn für sie hatte das Gerichtsverfahren ganz konkrete Auswirkungen: Der Ausbau der Verbindungsbahn konnte nicht vorangetrieben werden. 

Eine Baustelle auf dem Abschnitt der S80 zwischen Meidling und Hütteldorf kam bisher nicht zustande. Und das bei der Projektpräsentation 2016 ursprünglich vorgestellte Fertigstellungsdatum im Jahr 2025 konnte bei Weitem nicht eingehalten werden. Stattdessen stritten die ÖBB mit Umwelt- und Bürgerinitiativen um die Causa vor Gericht. Bis vor Kurzem zumindest.

Denn im Jänner hat das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) – mit Auflagen für die ÖBB – grünes Licht für das Projekt erteilt, der KURIER hat berichtet. Mehrere Projektgegner sind daraufhin vor den Verfassungsgerichtshof gezogen. Dieser lehnte den eingebrachten Antrag auf aufschiebende Wirkung allerdings ab. Heißt also: Die  ÖBB dürfen zu bauen beginnen. 

Die Großbaustellen im Wiener Öffi-Netz

Und das tun sie auch. Auswirkungen auf die Passagiere werden die Bauarbeiten ab diesem Sommer haben. Zwischen 4. Juli und 7. September wird die S80 nur noch zwischen Wien-Aspern und Hauptbahnhof verkehren. Ab 7. September bis Ende 2027 wird sie dann weiter bis Meidling geführt. 

Vereinfacht heißt das: Ab Anfang Juli wird die S80 zum Teil gesperrt sein – und zwar monatelang. Damit reiht sich die Verbindungsbahn diesen Sommer in eine ganze Serie an Großbaustellen im Wiener Öffi-Netz ein (siehe Grafik). 

Öffi-Baustellen im Sommer

So wird heuer etwa auch die Stammstrecke wieder zur Baustelle. Von 4. Juli bis 6. September wird sie nicht zwischen Floridsdorf und Praterstern verkehren. Diese Arbeiten gehen dann nahtlos in Arbeiten im Abschnitt zwischen Praterstern und Hauptbahnhof über. Von 7. September bis Oktober 2027 wird die Stammstrecke in diesem Bereich gesperrt bleiben, ganze 14 Monate lang.

Ebenfalls zum Teil gesperrt werden diesen Sommer zwei U-Bahn-Linien: Auf der U4 wird es zwischen 3. Juli und 3. August keinen Betrieb zwischen Schwedenplatz und Landstraße geben. Und die U3 wird von 13. Juli bis 31. August nicht zwischen Hütteldorfer Straße und Westbahnhof verkehren.

ÖBB-Infrastruktur-Vorständin: "Das war nicht der Plan"

Gleich mehrere wichtige Verbindungen werden diesen Sommer also gleichzeitig gesperrt sein. „Das war nicht der Plan“, sagt ÖBB-Infrastruktur-Vorständin Judith Engel und bezieht sich damit darauf, dass sich der Ausbau der Verbindungsbahn aufgrund des Gerichtsverfahrens derart verzögert hat, dass er nun direkt mit der Sanierung der Stammstrecke zusammenfällt. Und ergänzt: „Das ist jetzt aber so.“

Der Ausbau der Verbindungsbahn kommt jetzt also ins Rollen. Erste Vorarbeiten seien auch schon geleistet worden, heißt es von den ÖBB. Bewuchs wurde entfernt, die Beweissicherungsmaßnahmen wurden gestartet und Haushalte, die Ansprüche auf Lärmschutz-Fenster haben, sollen in diesen Wochen kontaktiert werden.

Wann die Teilsperre der Verbindungsbahn beginnt

Die Teilsperre der Verbindungsbahn beginnt dann am 4. Juli, die Hauptbauarbeiten starten aber erst im September. Den Anfang macht das Herzstück des Projekts, der „Abschnitt Nord“ von Hütteldorf bis zur Höhe Schrutkagasse. Dort wird die neue Haltestelle Hietzinger Hauptstraße errichtet, die mit Ende 2029 in Betrieb gehen soll.

In diesem Abschnitt befindet sich auch die viel diskutierte und von Projektgegnern kritisierte Hochlage: Auf einer Strecke von 800 Metern soll die Verbindungsbahn hier künftig auf Brücken verlaufen. Dadurch werde es möglich, die Eisenbahnkreuzungen Auhofstraße und Hietzinger Hauptstraße aufzulassen, heißt es von den ÖBB. Die Eisenbahnschranken entfallen damit, der Auto-, Rad- und Fußverkehr wird nicht mehr behindert.

Wartung am Westbahnhof

Während der weiteren Ausbauschritte soll dann die Haltestelle Speising modernisiert und nach Osten verlegt werden. „Damit die Züge künftig gerade stehen können, das tun sie in der aktuellen Haltestelle nicht“, sagt Engel. Entstehen sollen außerdem die neue Haltestelle Stranzenbergbrücke sowie die Unterführung für den motorisierten Verkehr in der Versorgungsheimstraße (via Jagdschlossgasse) als Ersatz für die wegfallenden Eisenbahnkreuzungen in der Veitingergasse, Versorgungsheimstraße und in der Jagdschlossgasse.

Ohne Einschränkungen für die Passagiere werde man die Bautätigkeiten „nicht zustande bringen“, sagt Engel. Es bleibe zwar ein Gleis befahrbar, dieses werde aber anderweitig benötigt: Die Strecke sei nämlich nicht nur Ausweichstrecke für den Lainzer Tunnel, sie führe auch zu den Werkstätten am Westbahnhof. 

Da die Zufahrt zu den Werkstätten in Floridsdorf aufgrund der Sperre der Stammstrecke nicht möglich sei, müssen die Züge, die südlich von Wien im Einsatz sind und normalerweise in Floridsdorf gewartet werden, nun am  Westbahnhof serviciert werden, sagt Engel. Die S80 müsse deshalb eingestellt werden. 

Busse als Ersatz

Als Ersatz richten die ÖBB ab den Sommerferien Busse ein. Im Halbstundentakt werden sie von Hütteldorf nach Meidling fahren. Mit Schulbeginn werde der Takt an Werktagen untertags auf 15 Minuten verdichtet, heißt es.

Fertiggestellt wird der Ausbau der Verbindungsbahn in Abschnitten: Jener bei der Hietzinger Hauptstraße soll 2030 abgeschlossen sein, der mittlere Abschnitt bei Speising bis 2032 und der südliche bei der Stranzenbergbrücke bis 2036. Erst ab dann soll die S80 nicht mehr wie bisher im Halbstunden-Takt, sondern alle 15 Minuten verkehren.

Der Betrieb der S-Bahn insgesamt könnte aber schon davor wieder aufgenommen werden. Das hängt allerdings – wieder einmal – mit der Stammstrecke zusammen: Sollte diese wie geplant im Oktober 2027 ihren Betrieb aufnehmen, erhoffen sich die ÖBB, die Züge zur Wartung wieder nach Floridsdorf schicken zu können. Dadurch könnte der Betrieb auf der Verbindungsbahn im Gleiswechselbetrieb, also auf nur einem Gleis, frühzeitig wiederaufgenommen werden. „Das wird aber noch evaluiert“, so der Pressesprecher. 

Kosten wird das Projekt insgesamt 500 Millionen Euro. Statt der derzeitigen 5.000 Fahrgäste täglich sollen es auf der Strecke künftig 20.000 sein. Bürgerproteste erwarten die ÖBB bei Beginn der Arbeiten nicht. „Zumindest keine tumultartigen Szenen“, sagt Engel. Dafür sollen Infokampagnen per Postwurf und Planausstellungen sorgen.

Vor Gericht hat die Causa übrigens noch nicht ihr definitives Ende gefunden. Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs ist noch nicht gefallen. Das kann aber noch Monate oder Jahre dauern, ist zu hören. Darauf warten müssen die ÖBB nicht.

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