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Chronik Wien
02/01/2021

Unmut über Impf-Vordrängler im Wiener AKH

Laut einer Mitarbeiterin gibt es keinen Impfplan. Das Management dementiert die Vorwürfe.

von Josef Gebhard

Die Kontroversen um mögliche Vordrängler bei den Corona-Impfungen haben nun auch das Wiener AKH, Österreichs größtes Spital, erreicht. Laut einem Bericht der Kronen Zeitung sei Verwaltungspersonal, das keinen Kontakt zu Patienten hat, bereits geimpft worden, während zahlreiche Ärzte und Pflege-Mitarbeiter auf die Immunisierung noch warten müssten.

Eine AKH-Mitarbeiterin, die tagtäglich mit Patienten in Kontakt ist, bestätigt gegenüber dem KURIER die Vorwürfe. „Wir haben ein eMail bekommen, in dem wir gebeten wurden, uns für die Impfung im Jänner anzumelden. Mir wurde ein Termin Ende Februar zugewiesen. Junge Kollegen hingegen, die keinen Patientenkontakt haben, wurden vorgereiht. Mit dem merkwürdigen Argument, dass sie in der Arbeit nicht abgehen würden.“

Die Mitarbeiterin spricht auch von Führungspersonal, das bereits die Impfung erhalten habe.

Darunter auch Personen, die vorwiegend Büroarbeit erledigen und somit kaum Kontakt zu anderen Personen, geschweige denn Patienten, hätten. „Auf der anderen Seite gibt es Kollegen, die noch nicht einmal einen Termin haben.“

„Kein Plan“

„Es gibt für die Impfungen eine Akutliste, aber diese ist völlig intransparent. Niemand weiß, wer vorgereiht wird und aus welchem Grund das geschieht“, kritisiert die AKH-Mitarbeiterin. Was sie ebenfalls stört: „Es gibt offenbar keinen internen Plan, nach dem die Mitarbeiter nach ihrem Risiko (zum Beispiel Grunderkrankungen, Patientenkontakt, Anm.) gereiht sind. Auch dafür gibt es von der Führung die merkwürdige Begründung, dass es keine entsprechenden Vorgaben vom Gesundheitsministerium gibt.“ Damit nicht genug: „Jetzt heißt es auch noch, dass es keinen Impfstoff mehr gibt“, ärgert sich die Mitarbeiterin.

Im Wiener Gesundheitsverbund weist man die Vorwürfe zurück: „Natürlich werden bei den Impfungen die Kategorien eingehalten, die das nationale Impfgremium vorgibt“, sagt ein Sprecher. Man habe im Dezember eine Abfrage gemacht, wer sich in einer ersten Runde im Jänner impfen lassen will und exakt eine entsprechende Menge an Impfstoffen bestellt. Durch Lieferschwierigkeiten sei es aber zu Verzögerungen gekommen.

Dass zum Teil schon Verwaltungspersonal vor medizinischen Mitarbeitern geimpft wurde, würde in manchen Fällen auch damit zusammenhängen, dass manche sich im Dezember noch nicht gemeldet, sich dann aber später doch für die Impfung entschieden hätten.

Und beim Verwaltungspersonal seien vor allem jene geimpft worden, die viel Personenkontakt hätten, zum Beispiel Mitarbeiter an den Infopoints. „Ganz sicher nicht dabei sind solche, die permanent im Home Office sitzen“, betont der Sprecher.

Laut seinen Infos hätten ungefähr 50 Prozent der 7.000 Angemeldeten die Impfung schon bekommen. „Ich gehe davon aus, dass jene, die zur Risiko-Kategorie 1 gehören, fast alle schon geimpft wurden“, ergänzt Betriebsrat Johannes Kastner. Er kann die Vorwürfe nicht bestätigen. „Wir werden uns aber anschauen, ob es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.“

Lieferproblem

Das Hauptproblem sei, dass einfach nicht genug Impfstoff vorhanden sei. Anfang Jänner habe man noch damit gerechnet, dass genug geliefert werde. Laut Plan wären dann alle 7.000 Angemeldeten in drei Wochen durchgeimpft worden. Es sei laut Kastner verständlich, dass die ständige Umplanung und die Verzögerungen bei Mitarbeitern, die noch keine Impfung erhalten haben, für Verunsicherung und Unmut sorgen.

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