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Chronik Wien
12/05/2021

"Ungetestet gehen wir nie mehr in den Club"

Die Projektleiterin der Vienna Club Commission Sabine Reiter zieht nach zwei Jahren Pilotphase Bilanz.

von Andreas Puschautz

Eigentlich war die Corona-Pandemie für die Wiener Clubs eine Katastrophe. Sie mussten als Erste schließen und durften als Letzte wieder öffnen. Doch wo Schatten ist, ist zumeist auch Licht, und die Krise der Branche wurde zum Schaufenster für ein im Jänner 2020 gestartetes Pilotprojekt: die Vienna Club Commission (VCC).

Nach langem Hin und Her hatte die rot-grüne Stadtregierung Ende 2019 rund 290.000 Euro zur Verfügung gestellt, um eine Schnittstelle zwischen Veranstaltern, Behörden und Anrainern zu installieren. Gedacht war die VCC als „Erhebungsprojekt“ – um die Wünsche und Probleme der Szene zu sammeln, um sich anzusehen, wie man bereits bestehende Serviceangebote vernetzen kann und um internationale Good Practice-Beispiele zu sondieren.

Doch dann kam Corona und das Team wurde direkt in die praktische Arbeit geworfen. „Wir haben etwa Beratung zur Verfügung gestellt und die ganzen Richtlinien in die Praxis übersetzt“, erzählt Projektleiterin Sabine Reiter. Das wurde nicht nur in der Szene sehr positiv wahrgenommen, sondern sorgte auch für mediales Interesse an den Nöten der Clubs und auch der Arbeit der VCC.

Schließlich erfüllt die Nachtgastronomie in Wien nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle. 4.300 Unternehmen mit 24.000 Beschäftigten erwirtschaften einen Jahresumsatz von einer Milliarde Euro – Tendenz steigend, ergab eine Studie der Wirtschaftskammer.

Servicestelle für fünf Jahre finanziert

Nun wird aus der dem Pilotprojekt eine dauerhafte Einrichtung: Die Servicestelle vorerst für fünf Jahre eingerichtet. 1,5 Millionen Euro stellen die Geschäftsgruppen Wirtschaft, Kultur und Jugend dafür zur Verfügung. Die Ausschreibung soll noch vor Weihnachten erfolgen, sagt Neos-Wirtschaftssprecher Markus Ornig, der das Projekt seit Langem fördert.

Angesiedelt wird die VCC künftig in der Wirtschaftsagentur. „Sehr gut“, findet das Reiter, „denn dort gibt es diese Schnittstellenkompetenz zwischen Kultur und Wirtschaft bereits“.

Trotz der intensiven Krisenhilfe kann das künftige Team auch an anderer Stelle auf breiter Vorarbeit des Pilotteams aufsetzen. So wurde jede Menge Informationsmaterial erstellt und eine Bedarfserhebung in der Szene durchgeführt.

Lärm-Problem

Das größte Problem: Lärm. Hier sieht Reiter auch die Clubs in der Verantwortung; vermeintlich einfache zwischenmenschliche Dinge wie mit den Anrainern zu reden, seien nicht für alle selbstverständlich. „Aber um Lösungen zu finden, muss ich wissen, was los ist und mit meiner Umgebung in einem Diskurs bleiben.“ Sofern die Anrainer Interesse daran haben.

Umgekehrt soll aber auch das „Agent of change“-Prinzip diskutiert werden. Diese in Großbritannien verankerte Regel verpflichtet Bauträger dazu, von vornherein für entsprechenden Lärmschutz zu sorgen, wenn sie in der Nähe bestehender Bars oder Clubs Wohnbauten errichten.

Für ein sicheres Nachtleben

Ein weiteres großes Thema ist „safer nightlife“ – etwa der Schutz vor sexueller Belästigung. In Graz gibt es seit 2019 die Kampagne „Ist Luisa da?“, ein Codesatz, mit dem sich Frauen an das Personal wenden können, um diskret Hilfe in unangenehmen Situationen zu bekommen. In Wien gebe es vonseiten der Stadt zwar „Ansätze, etwas zu tun, die mangels Schnittstelle aber noch nicht so in die Szene hineingewirkt haben“, sagt Reiter. Ein klassisches Thema für eine Club Commission.

Und es gibt noch genügend weitere Ansatzpunkte, etwa die Vermittlung niederschwellig zugänglicher Orte zum Feiern im Freien. Auch das ein Thema, das in Wien während der Pandemie akut wurde – Stichwort Karlsplatz oder Maria-Theresien-Platz.

Letztlich stellt sich für Reiter generell die Frage, wie wir künftig in Clubs gehen werden. „Aus heutiger Sicht wird uns das Virus nie mehr verlassen. Ich vermute, dass man ungetestet nie mehr reinkommt. Und damit müssen auch die Clubs selbst umgehen lernen.“

Das heißt auch: Viel Arbeit für die neue Club Commission.

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