Chronik | Wien
20.07.2018

Übergriff auf jüdische Passanten: Mann in Verwahrungshaft

Attacken in Wien-Leopoldstadt. Ermittlungen wegen schwerer Körperverletzung und gefährlicher Drohung.

Nachdem ein 24 Jahre alter Mann am Donnerstag in der Wiener Leopoldstadt mehrere Passanten attackiert hat, wurde er in Verwahrungshaft genommen. Unter den Opfern waren auch mehrere Juden. Gegen den Österreicher wird wegen schwerer Körperverletzung und gefährlicher Drohung ermittelt, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nina Bussek, am Freitag der APA.

"Wir gehen von zumindest drei Opfern aus", sagte die Behördensprecherin. Noch sei das Ermittlungsverfahren am Anfang, weitere Opfer könnten hinzukommen. Auch seien sie noch nicht alle einvernommen worden, Aussagen von Zeugen müssen erst eingeholt werden. Unter den Opfern sollen jedenfalls nicht ausschließlich Juden sein.

"Antisemitisches Motiv zeichnet sich nicht ab"

Dass die Übergriffe des 24-Jährigen antisemitisch motiviert waren, "kann ich nicht bestätigen", betonte Bussek. Eine diesbezügliche Informationen wurde der Behörde von der Polizei bisher auch nicht übermittelt, sondern die Auskunft, dass es sich um "wahllos ausgesuchte Opfer" gehandelt hätte. Die Staatsanwaltschaft wartet noch auf einen schriftlichen Bericht der Exekutive. Ein antisemitisches Motiv zeichne sich nach derzeitigem Stand der Ermittlungen nicht ab, sagte auch eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Ermittelt wird jedenfalls wegen gefährlicher Drohung und schwerer Körperverletzung. Im Paragraf 83 Strafgesetzbuch (StGB) ist geregelt, dass dieses Delikt auch für Täter gilt, die "mindestens drei selbstständige Taten (§ 83 Abs. 1 oder Abs. 2) ohne begreiflichen Anlass und unter Anwendung erheblicher Gewalt begangen" haben. Für die schwere Körperverletzung drohen bis zu drei Jahre Haft.

Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) twitterte am Donnerstagabend, dass ein möglicher antisemitischer Hintergrund geprüft werde. Die Regierung kämpfe "entschieden gegen jede Form von Antisemitismus".

IKG-Präsident Deutsch schockiert

Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), zeigte sich in einem Facebook-Posting am Donnerstag schockiert. Der von ihm als antisemitisch eingestufte Vorfall zeige aber auch, "dass wir uns nicht einschüchtern lassen und uns zur Wehr setzten." Deutsch dankte einem IKG-Mitarbeiter, der Augenzeuge des Übergriffs auf einen Kippa-Träger wurde, die Polizei verständigte und den Angreifer verfolgte.

Schockiert zeigte sich auch FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus in einer Aussendung am Freitag. Beim Angreifer handle es sich um einen Mann mit türkischem Migrationshintergrund. "Seit Jahren warnen wir vor diesem aus muslimischen Ländern importierten Antisemitismus. Ich kann es nicht akzeptieren, dass Wiener aufgrund des Tragens einer Kippa attackiert werden", so Gudenus.