Chronik | Wien
05.06.2018

Über 400 Geschäftslokale im Gemeindebau sind Ladenhüter

Die Langzeitleerstände steigen besonders stark an, kritisiert die Wiener ÖVP.

Vergleichsweise niedrige Mieten bieten die Wiener Gemeindebauten nicht nur Menschen, die dort wohnen – sondern auch Geschäftsleuten. Trotzdem standen in den kommunalen Wohnanlagen Ende des Vorjahres über 400 der rund 5000 Geschäftslokale leer, wie die aktuelle Beantwortung einer Anfrage der ÖVP zeigt. Das entspricht einer Leerstandsquote von rund 8,3 Prozent

Auffällig ist, dass die Zahl der Lokale ohne Inhaber zwischen 2015 und 2016 sprunghaft anstieg – von 299 auf 406. Der Großteil des Zuwachses entfällt auf Läden, die länger als ein Jahr leer stehen. Wie berichtet, zeigt sich dieser kurzfristige Anstieg auch bei den unbewohnten Gemeindewohnungen. Bis Ende 2017 kletterte die Zahl der unbewohnten Objekte auf 9000 hinauf.

„Wir und die Wirtschaftskammer vermuten bereits seit längerem, dass in Wirklichkeit in Summe 20.000 Gemeindewohnungen und viel mehr Geschäftslokale als zugegeben leer stehen. Das blieb bisher von der Stadt Wien unwidersprochen“, sagt ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch. „Scheinbar sind die hohen Korrekturen von Wiener Wohnen jetzt ein ,Anpassen‘ an den tatsächlichen Leerstand – auch bei den Geschäftslokalen.“ In der Wohnbaupolitik liege in Wien vieles „im Argen“, Ludwig habe als Wohnbaustadtrat versagt, kritisiert Wölbitsch. Verwaiste Geschäftslokale sollen etwa mit temporären Pop-up-Stores belebt werden, fordert er.

Zentralisierung

Wiener Wohnen erklärt den kurzfristigen Anstieg der Leerstände mit einem „umfassenden Change-Prozess“. Währenddessen sei das Leerwohnungsmanagement in einer zentralen Unternehmenseinheit gebündelt worden, „um für möglichst effiziente Instandsetzungen von Wohnungen und Geschäftslokalen zu sorgen.“

Derartige Strukturmaßnahmen würden selbstverständlich nicht auf Knopfdruck greifen, teilt ein Sprecher mit. „Übergangsphasen, die vorübergehend den gegenteiligen Effekt haben, seien im Changemanagement nichts Ungewöhnliches. Soll heißen: Neben der Umstrukturierung kann die Vermittlung von Lokalflächen auch einmal hintan stehen.

Wie auch das Büro des nunmehrigen Bürgermeisters Michael Ludwig verweist Wiener Wohnen auf die Lokaloffensive, die die kommunale Hausverwaltung im Jänner mit Ärzte- und Wirtschaftskammer startete. Zu mietende Geschäftsräume werden seither über eine eigene Online-Plattform angeboten und auch offline verstärkt beworben – etwa mit bunten Schaufenster-Beklebungen. Geeignete Lokale werden zudem gezielt als Ordinationsräume in Betracht gezogen.

In den ersten vier Monaten diesen Jahres habe Wiener Wohnen bereits 50 Geschäftslokale an Neumieter vergeben, betont ein Sprecher. Weitere 20 hätten bereits den Zuschlag für ihr gewünschtes Lokal erhalten.