Chronik | Wien
11.05.2018

Fast 9000 leer stehende Gemeindewohnungen

Bei den Langzeit-Leerständen gab es zuletzt besonders starke Zuwächse, kritisiert die ÖVP.

In Wien ist es derzeit nicht gerade einfach, eine leistbare Wohnung zu finden. Umgekehrt steht eine beträchtliche Anzahl von Wohnungen über Monate und sogar Jahre ungenutzt leer. Ein Problem, das nicht nur den privaten Markt betrifft: Ende des Vorjahres standen fast 9000 der rund 209.000 Gemeindewohnungen in Wien leer, wie eine aktuelle Beantwortung einer Anfrage der ÖVP zeigt. Das entspricht eine Quote von 4,25 Prozent (siehe Grafik). Damit liegt sie deutlich über jenen drei Prozent, die von der Stadt in den vergangenen Jahren gerne als „gesunde Mobilitätsreserve“ bezeichnet wurden.

Was auffällt: Zwischen 2015 und 2016 gab es einen signifikanten Anstieg der Zahl leer stehender Gemeindewohnungen. Und das vor allem bei jenen, die länger als zwölf Monate unbewohnt waren. Ende 2015 waren es noch 927, im Jahr darauf 2747.

Ursachen unklar

Eine Erklärung für diesen kurzfristigen Anstieg kann man weder bei Wiener Wohnen, noch im Büro von Wohnbaustadtrat Michael Ludwig liefern. „Wir und auch die Wirtschaftskammer vermuten bereits seit längerem, dass in Wirklichkeit 20.000 Gemeindewohnungen leer stehen. Das blieb bisher von der Stadt Wien unwidersprochen“, sagt ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch dazu. Scheinbar seien die hohen Korrekturen von Wiener Wohnen jetzt ein Anpassen an den tatsächlichen Leerstand. „Die Leidtragenden dieses rot-grünen Chaos-Systems sind die Wiener. Ludwig rührt keinen Finger“, kritisiert Wölbitsch.

Im Büro Ludwig weist man diese Vorwürfe zurück. Es würde sich bei den betroffenen Wohnungen nicht um Leerstände handeln, vielmehr seien es nicht verfügbare Wohnungen, betont ein Sprecher. Zum Beispiel solche, die nach langjähriger Vermietung aufwendig saniert werden müssen, ehe sie wieder vergeben werden können. Oder es gehe um Wohnungen, die aufgrund von Renovierungen der gesamten Anlage nicht zur Verfügung stünden. „Wir arbeiten aber intensiv daran, dass zurückgestellte Wohnungen deutlich rascher als bisher wieder brauchbar gemacht werden“, sagt der Sprecher.

„Die gute Nachricht ist: Mittlerweile sinken die Leerstände wieder kontinuierlich“, sagt eine Sprecherin von Wiener Wohnen. Gab es Ende Dezember 2017 noch 8908, seien es Mitte März nur mehr 8611 gewesen. Freilich: Die Zahl der Langzeit-Leerstände stieg in dieser kurzen Zeit noch einmal von 3323 auf 3458 an, zeigt die Anfragebeantwortung.

Extrem lange dauert es oft, bis die Wohnung eines verstorbenen Mieters wieder vergeben wird. Das hat zuletzt der Stadtrechnungshof festgestellt. In 27 der untersuchten Fälle vergingen dabei sogar mehr als 1081 Tage.