Chronik | Wien
28.01.2018

Treffpunkt Wien: Die Lorenz und der Benedikt

Im Café Benedikt sprach Katharina Lorenz über Überwachsungsgesellschaften und optimale Menschen.

Am beunruhigendsten ist es doch, findet Katharina Lorenz, wenn man einen düsteren Science-Fiction-Film sieht und erkennt, dass er nicht so weit von unserer Realität entfernt ist. In genau so einem Film ist die Schauspielerin derzeit in den Kinos zu sehen. In "Life Guidance", einem Thriller von Ruth Mader, findet sich Katharina Lorenz an der Seite von Fritz Karl in einer Welt des totalen Kapitalismus wieder. Einer Welt, in der die Menschen zu viel Leistung und wenig Emotionen erzogen werden – und sich selbst dazu erziehen.

"Das ist nicht optimal, Papa", sagt etwa ihr Sohn zu ihrem Mann, als er ihn weinen sieht. "Eine lasche Einstellung kann fatal sein", sagt später einer der braunen Herren – jene Gruppe, die Personen an die Seite gestellt werden, die das System gefährden könnten.

"Wenn man in so einem Projekt mitwirkt, fängt man natürlich an, nachzudenken", sagt Katharina Lorenz. Über das Überwachen – auch von Gefühlen. Über die Grenze zwischen Menschen und Roboter. Katharina Lorenz nimmt einen Schluck von ihrem Soda Zitrone.

Jung macht alt

Sie hat sich an diesem Nachmittag im Café Benedikt eingefunden, einem Kaffeehaus vis-a-vis des Rochusmarktes. Vor fünf Jahren hat der damals 24-jährige Lukas-Benedikt Hiebler die Situation beim Schopf gepackt – und sein erstes Lokal eröffnet. Beim Betreten würde man allerdings nicht vermuten, dass das Lokal erst neu übernommen wurde. Die Holzschank, die Marmortischchen und die weißen Gardinen, die nur die untere Hälfte des Fensters abdecken, erinnern an frühere Zeiten. Auch kulinarisch liegt der Fokus auf Altwiener Küche. So findet sich Schnitzel mit Petersilerdäpfel ebenso auf der Speisekarte wie Gulaschsuppe und Häferlkaffee. Am besten findet Katharina Lorenz aber, dass man den ganzen Tag frühstücken kann.

Nun stellt Lorenz-Benedikt Hiebler jedoch eine Topfentorte vor ihr ab. Für Frühstück war es an diesem frühen Abend dann doch zu spät.

Schon dass ihr der Begriff "Topfentorte" so locker von der Zunge geht zeigt, dass sich die gebürtige Deutsche in Wien gut eingelebt hat. Sie feiert heuer aber auch ihr zehntes Jubiläum in der Stadt.

Hätte man die Schauspielerin 2008 – nach ihrem Gastauftritt an der Burg in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" – gefragt, wo sie in zehn Jahren wohl sein wird, Wien wäre ihr nicht eingefallen. Und wenn der ehemalige Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann nicht so hartnäckig gewesen wäre, wäre sie heute wohl auch nicht hier, hätte 2009 nicht Fausts Gretchen gespielt, und aktuell nicht als Emily in "Geächtet". Manchmal ist es gut, wenn andere einem einen kleinen Schubs geben.

Neuer Jedermann

Sie kommt übrigens auch gerade eben vom Burgtheater, von der Probe für ihr nächstes Stück, mit dem sie am 23. Februar Premiere feiert. In "jedermann stirbt" wird der wohl bekannteste österreichische Theaterstoffe weitergesponnen. "Dabei geht es auch um den gläsernen Menschen, um das Optimale", erzählt Katharina Lorenz. "Darüber, dass es nicht mehr zugelassen wird, wenn jemand schwach ist, dass das weggeschwiegen wird, auch der Tod. "

Bei den Schlagwörtern Transparenz und gläserner Mensch denkt man schnell an die sozialen Medien. Wie ist Katharina Lorenz’ Umgang mit Facebook und Co?

Katharina Lorenz lacht: "Eigentlich wollte ich gerade erst damit anfangen. Ich bin weder bei Facebook, noch bei Instagram. Ein bisschen bereu ich das manchmal, weil einem immer wieder gesagt wird, dass man als Schauspielerin ohne Instagram keine Angebote bekommt. Und irgendwie hab ich auch Sorge, dass ich gar nicht mehr damit umgehen könnte."

Aber angesichts der jüngsten Projekte und Überlegungen verschiebt sie ihr Facebook-Projekt wohl noch eine Zeit lang auf.