Chronik | Wien
01.01.2018

Treffpunkt Wien: Das wäre doch gelacht

Meidling. Grischka Voss nimmt das Leben mit Humor. Besonders gut unterhalten hat sie sich jüngst im Gasthaus Stafler.

Kaum hat sich Grischka Voss im Gasthaus Stafler (12. Bezirk) an einen der rustikalen Holztische gesetzt und kurz mit dem Lokalchef geplaudert, muss sie auch schon lachen. Und das ist so hell und fröhlich, dass es einen unwillkürlich ansteckt.

Dabei gab es für die Künstlerin in jüngster Zeit nicht allzu viel Grund für gute Laune. Innerhalb von drei Jahren hat sie ihre Großmutter, ihren Vater – den Schauspieler Gert Voss – und ihre Mutter – die Dramaturgin Ursula Voss – verloren. Dann ist auch noch ihre langjährige Ehe in die Brüche gegangen. Und zu guter Letzt starb ihre Katze.

Von all dem erzählt die 48-Jährige in ihrem neuen Buch "Wer nicht kämpft, hat schon verloren". In einer sehr ehrlichen Art beschreibt sie groteske Erlebnisse ihrer Kindheit (etwa dass sie fast ertrunken wäre, als sie einmal ihrem Onkel einfach so nachschwamm) oder auch intime Momente am Krankenbett ihrer Eltern.

Auch dort hat sie manchmal einfach losgelacht. "Das muss ich oft in ernsten oder dramatischen Situationen", sagt sie. "Es ist meine Art, Erlebnisse zu bewältigen. Ich betrachte mich dann irgendwie von oben und denke mir, das kann doch nicht wahr sein, was dieser Person da schon wieder passiert ist."

Ob sie beim Buchschreiben je Sorge hatte, zu viel von sich preis zu geben? Sie schüttelt ihren Kopf. "In allem, was ich als Künstlerin tue, gebe ich mich vollkommen preis. Ich will Menschen mit meinen Themen berühren. Und ich bin der Meinung, dass ich mich ganz öffnen muss, damit auch andere aufmachen."

Quereinsteiger

Das mit dem Öffnen hat auch Georg Stafler schon erlebt. Wenn auch in einem gänzlich anderen Zusammenhang. Der gebürtige Südtiroler war oft Gast in dem Lokal in der Ehrenfelsgasse 4, das damals noch Gasthaus Wunsch hieß. Bis die damaligen Chefs ihm offenbarten, dass sie das Restaurant schließen müssten, weil sie keine Nachfolger hätten. Sie würden sich wünschen, dass nette Menschen wie die Staflers das Lokal übernehmen. Georg und Marie Stafler überlegten kurz – und wagten den Sprung ins kalte Wasser.

Heute führen sie ein gut funktionierendes Lokal, dessen Schank und Holzvertäfelung aus den 20er-Jahren stammt und das für seine Kasnocken und Schlutzkrapfen von Stammgästen wie Touristen geschätzt wird.

Südtiroler Küche hat Grischka Voss bis zu ihrem ersten Besuch beim Stafler nicht wirklich gekannt. Mittlerweile mag sie sie so gern, dass sie hier Geburtstage feiert. Diesmal serviert ihr Georg Stafler Ziegenkäse im Zucchini- oder Speckmantel auf Blattsalat mit Trauben.

Dabei ist Essengehen für Grischka Voss in jüngster Zeit zum Luxus geworden. Seit sie Alleinerzieherin ist, geht der Löwenanteil der Energie dafür drauf, die Existenz für sich und ihren Sohn zu sichern. Bis zu vier Jobs schaukelt sie gleichzeitig. "Ich habe mich die letzten 20 Jahre nur ums Ensemble (sie führte mit ihrem Mann das Off-Theater, Anm.) und mein Kind gekümmert. Jetzt fang ich wieder bei Null an", sagt sie. "Aber es ist unglaublich, welche Chancen sich ergeben." Jobs, wie die "Kleine Hexe", die sie noch bis 7. Jänner im Dschungel Wien spielt.

Ihr Ziel ist es aber, wieder eigene Produktionen zu machen. "Es ist nur schwierig, die Menschen zu meinen Themen ins Theater zu bringen. Ich bearbeite gerne Themen wie Neid, Angst oder Aggression und würde mir wünschen, dass sich alle damit auseinander setzen. Aber damit konfrontieren sich viele Menschen nicht so gerne."

Das ändert aber nichts daran, dass sie ihr Ziel weiter verfolgt. Denn eines ist ihr während des Buchschreibens klar geworden: Wer nicht kämpft, hat schon verloren.