Nach dem Gasaustritt musste die Himberger Straße für den Verkehr gesperrt werden.

© Wilhelm Theuretsbacher

Wien
09/30/2013

Tödlicher Gasunfall in Favoriten: Justiz ermittelt

Verdacht auf fahrlässige Tötung. Therme war heuer noch nicht gewartet worden.

Nach dem tödlichen CO-Unfall in der Himberger Straße in Wien-Favoriten hat die Wiener Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen unbekannte Täter aufgenommen. Das bestätigte die Anklagebehörde am Montagnachmittag. Beim Austritt von Kohlenmonoxid, verursacht durch eine nicht gewartete Therme und ungünstige Druckverhältnisse, waren am Samstagvormittag drei Personen ums Leben gekommen.

"Es wurde von uns ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eingeleitet", bestätigte Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien. Begründet wird dies laut Bussek mit dem Verdacht auf fahrlässige Tötung. Unklar ist dabei, ob sich die Wohnung im Besitz eines der Opfer befand oder ob es sich bei den zwei Frauen um Untermieter handelte. Die Wiener Polizei wollte auf Nachfrage keine Informationen zu den Besitzverhältnissen geben. Entscheidend wird diese Frage für die Staatsanwaltschaft im Hinblick auf die Frage nach der Verantwortlichkeit.

Therme zu spät gewartet

"Die Verantwortung über den Zustand der Feuerstelle liegt laut Gesetz beim Betreiber", erklärt Josef Rejmar, Innungsmeister der Wiener Rauchfangkehrer. Ob nun aber Mieter oder Eigentümer als Betreiber zu betrachten sind, ist laut Rejmar je nach Mietvertrag unterschiedlich geregelt. Meist werde aber der Mieter als Betreiber geführt. Eine jährliche Überprüfung und auch die fachliche Reinigung sind ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben. In der Unfallwohnung hat die jährliche Überprüfung durch die Rauchfangkehrer laut dem Innungsmeister heuer noch nicht stattgefunden.

Gegenüber dem KURIER sagt Rejmar: "Die letzte Wartung war im August 2012 . Nachdem im August dieses Jahres ein anderer Terminwunsch geäußert wurde, wäre der Rauchfangkehrer erst wieder im November gekommen“.

CO-Melder

Die zu spät gewartete Therme sei aber nicht die einzig mögliche Erklärung für den Kohlenmonoxid-Austritt. Auch von intakten Geräten kann unter bestimmten Umständen eine Gefahr ausgehen. „Wenn Geräte in der Wohnung installiert werden, die Luft absaugen, muss man unbedingt eine CO-Überprüfung durchführen lassen“, rät Gerald Schimpf von der Wiener Feuerwehr. Melder, die vor einen CO-Austritt warnen, sind ab 40 Euro erhältlich.

Im Fall der Toten in Wien-Favoriten hat vermutlich eine eingeschaltete Dunstabzugshaube das Gas in die Wohnung geleitet. Die Leichen einer 45-Jährigen, ihres eineinhalbjährigen Enkelsohnes und ihrer 33 Jahre alten Schwester waren Sonntagfrüh von einem Bekannten aufgefunden worden.