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Chronik Wien
07/23/2020

Tiergarten Schönbrunn: Der Hüter des Babyelefanten und die große Krise

Zoo-Direktor Stephan Hering-Hagenbeck über Corona, einsame Zootiere und Kibalis Wachstumsschub

von Katharina Zach, Christoph Schwarz

Zwei Bison-Babys, ein junger Gibbon, ein Mähnenrobben-Bub, Pinguin-Küken, ein Katta, Zwergseidenaffen – und natürlich Eisbärenmädchen Finja.

Die Liste der Tierbabys im Wiener Tiergarten Schönbrunn ist lang. Stephan Hering-Hagenbeck, seit 1. Jänner neuer Direktor, zählt sie beim Rundgang mit dem KURIER dennoch fehlerfrei auf. „Dann gibt es noch zwei Rentiere, die meine besonderen Favoriten sind“, sagt er. „Aber eigentlich sind sie keine Babys mehr. Die müssen jetzt schon als Halbstarke bezeichnet werden.“

Zu besonderer Berühmtheit hat es zuletzt jedoch ein anderes Jungtier gebracht – das Elefantenmädchen Kibali.

Ihre Körpergröße von einem Meter gilt seit dem Ausbruch der Corona-Krise als medizinisch notwendiger (und politisch verordneter) Mindestabstand. Im Supermarkt, im Open-Air-Kino, auf der Parkbank: Babyelefant Kibali ist – zumindest gedanklich – immer dabei.

Dass das Tier politisch instrumentalisiert wurde, findet Hering-Hagenbeck aber nicht. „Es war ja für jeden ein nachvollziehbares Bild“, sagt er. Zudem wurde der Babyelefant auch zu einer Art Werbeträger für den Tiergarten. Wenngleich dieser vorerst einmal nichts davon hatte.

Keine Einnahmen, aber Kosten

Denn 65 Tage lang musste der Zoo während des Lockdowns geschlossen bleiben – just als das Frühlingswetter eigentlich die besten Voraussetzungen für einen Tiergarten-Besuch geboten hätte.

Das sorgte in Schönbrunn („Ein finanziell sehr gesundes Haus.“) für Turbulenzen. Denn während die Einnahmen ausblieben, liefen die Fixkosten für Pflege und Futter weiter. Kurzzeitig mussten 70 Prozent der 230 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden.

Dabei wurde die Arbeit nicht weniger. Denn den Wegfall der Besucher, den mussten die Tierpfleger kompensieren. „Viele der Tiere beobachten uns genauso wie wir sie“, erklärt Hering-Hagenbeck. Während der Krise haben sie die Ansprache vermisst. „Man hat schon gemerkt, dass einigen Tieren die Besucher fehlen, etwa den Orang-Utans.“

Ältester Tiergarten der Welt
Als Geburtsstunde des Tiergarten Schönbrunn gilt der 31. Juli 1752. Heute sind im Zoo 8.409 Tiere und 722 Tierarten zu Hause. 2,2 Mio. Besucher kommen pro Jahr

Die Giraffen-VerFührung
Bei der eineinhalb Stunden dauernden Tour dürfen Giraffen-Fans einen Blick hinter die Kulissen des Giraffenhauses werfen. Zum Schluss werden die Tiere von einem eigenen Hochstand aus gefüttert. Termine und Kosten:   jeden Mittwoch um
13 Uhr,  150 Euro/Person. Maximal sechs Personen sind erlaubt. Anmeldung erforderlich. Achtung: Viele Termine sind  ausgebucht

Weitere Highlights
Sie wollen nur die bekanntesten Tiere sehen? Kein Problem, bei der Highlight Tour erfährt man mehr über die Pandas, Löwen und Elefanten. Bei der Tour Jungtiere und ihre Mütter widmen sich die Besucher den jüngsten Zoobewohnern. Eigene Touren gibt es auch zu den Raubtieren oder den Polar-Bewohnern.  Kosten: 85  Euro/Person. Buchung: reservierung@zoovienna.at

Touristen fehlen

Selbst jetzt, im Sommer, herrscht nicht Normalbetrieb. „Besucher können wir sehr gut brauchen“, fasst es Hering-Hagenbeck zusammen. Im Vorjahr wurden 40 Prozent der Eintrittskarten von Touristen gekauft. Die fehlen heuer.

Und so zählt man im Tiergarten an Wochenenden und Feiertagen derzeit im Schnitt knapp 6.000 Besucher. Im Vorjahr waren es zur gleichen Zeit 8.000 bis 9.000 Besucher. Es gab sogar Spitzentage mit 17.000 Gästen.

Gefahr für die Tiere

Auch einige Themenführungen muss man absagen. Etwa das Katta-Erlebnis. „Die Gefahr, dass sich die Primaten bei uns Menschen mit Corona anstecken, ist zu groß“, sagt Hering-Hagenbeck.

Es ist – gelinde gesagt – nicht die einfachste Zeit, in der der 52-jährige Deutsche den Zoo von Langzeit-Direktorin Dagmar Schratter übernommen hat. Doch der Zoologe, der in eine Tiergarten-Dynastie eingeheiratet hat und vor seinem Wechsel zoologischer Direktor des Tierpark Hagenbeck in Hamburg war, macht aus der Not einfach eine Tugend.
 

Mit speziellen Führungen will er die Besucher neu für einen Zoobesuch begeistern – etwa mit der „Giraffen-VerFührung“. Dabei kann man in eineinhalb Stunden alles über die Bedrohung der Tiere, aber auch ihre Pflege im Zoo erfahren.

Ganz am Ende darf man den Giraffen in die Augen schauen – und sie füttern, erzählt der bekennende Giraffen-Fan Hering-Hagenbeck. „Nur an der Aussprache muss ich noch arbeiten“, räumt er ein. Mit der „Schiraffe“ tut sich der Deutsche noch schwer.

Für die kommenden Monate hofft Hering-Hagenbeck auf viel Sonne: „Die Wienerinnen und Wiener unterstützen den Zoo gewaltig“, lobt er. Aber bei schlechtem Wetter, da bleiben sie – anders als Touristen – doch lieber daheim.

Auch Kibali hilft, Gäste anzuziehen. Übrigens: Ein Baby ist das Elefantenmädchen eigentlich nicht mehr. „Inzwischen misst sie schon 1,50 Meter.“ Wer beim Sicherheitsabstand auf der sicheren Seite bleiben möchte, setzt jetzt also erst recht auf den Babyelefanten.

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