Drohung gegen Übergangspremier Arseni Jazenjuk

© Reuters/PASCAL ROSSIGNOL

Luftzwischenfall
03/07/2014

Terroralarm durch Drohung und Missverständnisse

Eine Drohung aus Brüssel und ein missverständliches Funkgespräch waren der Grund für den Terroralarm.

von Wilhelm Theuretsbacher

Donnerstagabend wurde 122 Passagieren des Linienfluges aus Brüssel am Flughafen Wien-Schwechat ein "heißer Empfang" geboten. Wie berichtet, wurde die AUA-Maschine auf einem abgelegenen Teil des Rollfeldes nach der Landung von "Cobra"-Elitepolizisten umstellt. An Bord war aber kein Terrorist, sondern der ukrainische Übergangspremier Arseni Jazenjuk, gegen den sich die Drohung offenbar gerichtet hatte.

Freitag wurden die Hintergründe bekannt. Auslöser war die deutsche Flugsicherung in Karlsruhe. Dort hatte ein Fluglotse nach einem Hinweis der belgischen Polizei Funkkontakt mit dem Piloten aufgenommen. Dessen Antwort wurde als unüblich knapp empfunden, was den Verdacht rechtfertigte, dass sich tatsächlich ein Terrorist an Bord befinden könnte.

Diese Verdachtslage wurde an die österreichische Austro Control weitergeleitet, die das dafür vorgesehene Verfahren einleitete: Die Maschine an einen sicheren Ort abstellen und einen Polizeieinsatz einleiten.

Abfangjäger

Das ist nur eines von mehreren Verfahren, wie Austro-Control-Sprecher Markus Pohanka dem KURIER erläutert. Bei medizinischen Notfällen wird die Rettung bereitgestellt. Bei technischen Problemen fährt die Feuerwehr auf. Und sollte der Funkkontakt abreißen oder der Pilot aus anderen Gründen keine Verbindung aufnehmen, dann ist das Bundesheer am Zug. Der verdächtige Flug wird per Datenleitung an die militärische Luftraumkontrolle weitergeleitet, die dann einen sogenannten "Priorität-Alfa-Einsatz" mit Eurofightern auslöst. Etwa 60 Alarmstarts sind der Jahresdurchschnitt. In den meisten Fällen handelt es sich um Pilotenversehen. Sobald der Abfangjäger neben dem "unkooperativen" Flugzeug auftaucht, greifen die Piloten zum Funkgerät und melden sich ordnungsgemäß.

Ein Eurofighter-Start war im Falle der AUA-Maschine nicht notwendig. Denn der Pilot hatte sich ja gemeldet, außerdem blieb der Flieger auf seinem vorgeschriebenen Kurs. Jazenjuk konnte nach dem unfreiwilligen Aufenthalt noch den Anschlussflug nach Kiew erreichen, wo er gleich wieder eine verbale Breitseite gegen Russland abfeuerte.

Aktuelle Entwicklungen zur Krim-Krise lesen Sie hier.

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