Chronik | Wien
03/24/2016

Streit um die Ziesel verlagert sich auf die Straße

Tierschützer aller Couleur wollen am 3. April für die geschützten Nager demonstrieren.

Zur Ziesel-Demo lädt die IGL Marchfeldkanal am Sonntag, dem 3. April, ein. Die Bürgerinitiative steigt bereits seit Jahren gegen die Errichtung von 950 Wohnungen auf dem Ziesel-Areal beim Stammersdorfer Heeresspital auf die Barrikaden. Bereits 2013 legte man bei der EU-Kommission Beschwerde ein. Angesichts bevorstehender Vorarbeiten will man nun aber noch öffentlichkeitswirksamer gegen die „Lebensraum-Zerstörung“ protestieren.

Wie berichtet, rollen die Bagger an, sobald die streng geschützten Nager aus dem Winterschlaf erwacht sind; also voraussichtlich im April. Die Baumaschinen sollen auf dem westlichen Teil des Geländes – wo es kaum noch Zieselbaue gibt – den Oberboden abtragen. So will man die Wiederansiedlung der Tiere verhindern. Die Umweltschutzabteilung MA22 hat die Maßnahme genehmigt.

Grün-blauer Schulterschluss

Dagegen findet am 3. April ab 14.30 Uhr eine Protestkundgebung statt. Treffpunkt ist die Endstation der Straßenbahnlinie 31 in Stammersdorf. Angemeldet wurde die Demo bis dato allerdings noch nicht.

Als Redner werden Politiker aller Couleur eingeladen, heißt es seitens der IGL. Bis dato üben aber vor allem Grüne und FPÖ Kritik am Bauvorhaben der SPÖ-nahen Bauträger Kabelwerk und Donaucity. „Warum wird ein Tier überhaupt zur bedrohten Art erklärt und auch gemäß des Wiener Naturschutzgesetzes geschützt, wenn dann die Interessen von Bauträgern ohnehin schwerer wiegen als die Arterhaltung?“, polemisiert etwa der blaue Umweltsprecher Udo Guggenbichler in einer aktuellen Aussendung.

SMS-Kette

Bei der IGL Marchfeldkanal richtet man zudem gerade ein System zur allgemeinen Alarmierung ein: Sobald die Baumaschinen auffahren, wird sich die Nachricht mittels SMS-Kette verbreiten. So habe man die Möglichkeit zu spontanen Protestmaßnahmen, sagt Lukas Mroz von der Bürgerinitiative.

Wie berichtet, werden die noch überwinternden Ziesel zurzeit von Biologin Ilse Hoffmann gezählt. Die Wissenschaftlerin schätzt, dass etwa 180 Tiere den Winterschlaf überlebt haben werden. So viele, wie in den vergangenen Frühjahren auch. Mit anderen Worten: trotz „sanfter Umlenkungsmaßnahmen“ der Bauträger, die die Nager zur Übersiedlung aufs andere Ufer des Marchfeldkanals bewegen wollen, ist deren Anzahl auf der Projektfläche konstant geblieben.