Stefan Sagmeister in Wien

Der Auslandsösterreicher und weltweit bekannte Grafikdesigner Stefan Sagmeister gilt als Philosoph des Designs.

© Kurier/Franz Gruber

Chronik Wien
10/09/2021

Stefan Sagmeister: „Ich dachte, die ganze Welt ist so wie Wien“

Stefan Sagmeister: Der Designer über gute Ideen und die Leiden der Künstler im KURIER-Interview.

von Nina Oezelt

Täglich kreativ sein, neue Ideen haben: Das ist seit 40 Jahren Stefan Sagmeisters  Job.  Im Lauf seiner Karriere gestaltete der Designer CD-Cover für  niemand geringeren als die Rolling Stones, schuf eine Installation aus 600.000 Münzen und Plakate mit echten Bananen.  Bekannt wurde er auch mit dem Film „Happy“ und der Schau „Beauty“, die 2018 im Wiener MAK startete und  noch heuer in Bregenz enden soll. 

Für das gestern zu Ende gegangene „Forward Festival“ für kreative Köpfe kam der in New York lebende Sagmeister nach Wien und erklärte dort, wie man Ideen haben kann. Die Kurzfassung: Ideen sollten niemals kopiert werden. Auf Pinterest schauen sei tödlich. Wer sich bewege, sei kreativer. Geld dürfe auf keinen Fall der Motor sein. Und ein Arbeitstagebuch könne helfen,  eigene Wege zu finden.  Für ihn persönlich sei es außerdem wichtig gewesen, alle sieben Jahre eine Auszeit zu nehmen, so Sagmeister –  der übrigens in der Früh die besten Ideen hat.  

Zur Person
Stefan  Sagmeister (59) ist einer der renommiertesten Grafikdesigner der Welt, Glücksforscher und Grammy-Award-Gewinner 

Sagmeister & Walsh
Der in  Bregenz geborene Designer studierte an der angewandten Universität in Wien. In New York führt er eine Design-Agentur mit der Designerin Jessica Walsh unter dem 
Namen „Sagmeister & Walsh“

Instagram

Auf Instagram hat er 500.000 Follower und teilt Arbeiten, die ihn junge Künstler zusenden. 

KURIER: Welche Ideen aus Österreich  gefallen ihnen?
Stefan Sagmeister: Historisch ist es die Wiener Werkstätte (1903 gegründete Produktionsgemeinschaft bildender Künstler,  Anm.). Oskar Kokoschka etwa gestaltete Plakate, aber auch Bilder. Die Werkstätte  war in jede Richtung aktiv: Josef Hoffmann machte Gläser, Stühle – und dann gab es da die Verschmelzung mit der Architektur. Als ich an der Angewandten studierte, dachte ich, die ganze Welt ist so – wie Wien.

Ist Österreich ein kreatives Land, Wien eine kreative Stadt? 
Wenn man die Größe und Wichtigkeit des Landes betrachtet, bin ich weniger erfreut. Die Schweiz ist  klein. Sie hat aber zwei der  wichtigsten Architekturbüros: Peter ZumThor und Herzog & de Meuron.  In Österreich gibt es nur CoopHimmelblau. Island ist ca. so groß wie Innsbruck. Dennoch gibt drei bis vier Musik-Weltstars dort – von Björk bis zu Sigur Rós. 

Welcher Ort in Europa ist besonders kreativ?
Bis vor dem Brexit war London  Europas Kreativwerkstätte. Viele haben London  wegen des Brexit verlassen. Der Einfluss ist aber noch da: Musik, TV, Architektur, auch in meinem Bereich Design. Selbst Jonathan Ive von Apple, vielleicht der wichtigste Designer der vergangenen Jahre, ist Engländer. Dann gibt es noch Barcelona oder  Amsterdam.

Gedeiht Kunst besser, wenn man günstig lebt? 
Günstige Mieten sind ein fruchtbarer Boden für Kunst. Wir sehen das in den Staaten. In den 80ern, als ich hinzog, war New York das Zentrum der Kunstschaffenden. Jetzt ist es Los Angeles: Für ein 20-Quadratmeter-Studio in New York bekommt man ein Haus plus Studio in L.A.

Müssen Künstler leiden, um erfolgreich zu sein? 
Das romantische Bild des armen Künstlers, der  leiden muss, um gute Arbeit zu leisten, stimmt nicht.  Auch Van Gogh (Prototyp des leidenden Künstlers, Anm.) soll sein Ohr nicht im Wahn, sondern im Streit verloren haben. 

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