Nur in Wien: Christoph Schwarz und Julia Schrenk kommentieren regelmäßig Amüsantes, Skurriles und manchmal auch Nachdenkliches aus dem Alltag der Stadt.

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Chronik Wien
07/29/2019

Sperren Sie Ihre Mitarbeiter nie in einen Kleiderschrank!

Der aktuelle Wien-Blog: Ist eine fehlende Betriebsgenehmigung ein Kavaliersdelikt? Da gehen die Meinungen auseinander.

von Christoph Schwarz

Einer unserer jüngsten Blog-Beiträge hat polarisiert. Das freut uns, weil wir gerne diskutieren. Es ermuntert uns aber auch zu einer Klarstellung.

Als wir vergangene Woche all jenen Menschen, denen es in Wien zu laut ist, in einem Kommentar den Rat gaben, doch aufs Land zu ziehen, bekamen wir dazu positive Leserpost. Andere Leserinnen und Leser waren hingegen schwer verärgert - und zwar aus unterschiedlichsten Gründen.

"Lärm ist ein ernst zu nehmendes Phänomen - in der Nacht, also der Melatonin-Produktionszeit des Menschen, ganz besonders. Für den Menschen, egal ob Land- oder Stadtbewohner, ist diese möglichst ungestörte Phase der Melatonin-Produktion und des damit verbundenen Schlafes lebenswichtig", schrieb Leser H. Damit hat er - zugegeben! - Recht.

Wieder andere warfen uns vor, wir würden Partei für Gesetzesbrecher ergreifen. Schließlich ging es in dem Beitrag um den Betreiber einer Rooftop-Bar, der trotz Anrainerbeschwerden wiederholt zu laut und nicht in der Lage war, eine Betriebsanlagengenehmigung vorzulegen - und deshalb schließen musste.

Hier ist Widerspruch nötig: Keinesfalls wollen wir das Fehlen von Betriebsgenehmigungen pauschal zum Kavaliersdelikt erheben. So sind wir etwa strikt dagegen, eine illegale Teigtascherl-Produktion in einer Privatwohnung hochzuziehen und die (mutmaßlich ebenso illegalen) chinesischen Mitarbeiter gemeinsam mit 48 Stangen ganz sicher illegaler Zigaretten in einen Kleiderkasten zu sperren, sobald die Polizei anklopft.

Die Chinesen, die die Finanzpolizei in der Wohnung im Bezirk Favoriten ertappte, wurden übrigens festgenommen, weil sie keine Ausweise vorlegen konnten. Was mit den mehreren Tausend Teigtascherl passiert, die sie zurückließen, ist nicht überliefert. Laut Tätern waren sie für den Eigenbedarf bestimmt.

Für die Teigtascherl-Mafia (Darf man Mafia eigentlich noch sagen? Oder tappt man, wie zuletzt McDonalds, da in eine Falle?) ist das Geschäft wohl gelaufen.

Anders verhält es sich bei genanntem Rooftop-Bar-Betreiber: Er will - wie der KURIER recherchiert hat - die Betriebsanlagengenehmigung nachliefern und hat eine Petition für den Fortbestand seines Lokals gestartet. Die Mieterin, die den Betreiber der Polizei meldete, spricht unterdessen von einer gezielten "Vertreibungsaktion" gegen sie. Die Behörden wiederum fühlen sich als "Spielball einzelner Personen".

Wir bleiben dran.

Nur in Wien: Christoph Schwarz und Julia Schrenk kommentieren regelmäßig Amüsantes, Skurriles und manchmal auch Nachdenkliches aus dem Alltag der Stadt.