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Chronik Wien
12/22/2020

Sohn von Neos-Abgeordneter am Westbahnhof mit Pfefferspray angegriffen

Bastian Brandstötter, der Sohn der Nationalratsabgeordneten Henrike Brandstötter, wurde am Montag am Wiener Westbahnhof mit Pfefferspray attackiert.

von Konstantin Auer

Bastian Brandstötter war am Montag gegen Mittag gerade auf dem Weg nach Hause und wollte am Wiener Westbahnhof in einen Lift einsteigen. Auf diesen musste der 26-jährige Motion-Designer kurz warten - er stellte sich neben einem älteren Mann an. Was dann geschah, lässt Brandstötter ratlos zurück. 

"Der Mann hat plötzlich begonnen, mich anzuschreien, zu beschimpfen und zu treten", schildert er. Der Mann habe nicht neben ihm stehen und schon gar nicht mit ihm im Lift fahren wollen - "weil ich eine dunkle Hautfarbe habe", sagt Brandstötter.

Der 26-Jährige begann, die Auseinandersetzung zu filmen. Seine Mutter, Henrike Brandstötter, die seit 2019 für die Neos im Nationalrat sitzt, veröffentlichte die Aufnahmen kurz darauf auf Twitter.

Am Beginn des Videos ist der mutmaßliche Angreifer zu sehen - er steht in der Liftkabine und hält bereits den Pfefferspray in der Hand. "Tschusch, Tschusch. Du hast ja schwarze Haare, gebe es zu", ruft der etwas verwirrt wirkende Mann. "Sie sind ein Rassist", kontert Brandstötter, worauf er ein "Schleich dich" zurückbekommt. Und dann erfolgt der Angriff mit dem Pfefferspray. Das erste Video reißt ab. 

"Er hat mich im Gesicht und am Nacken erwischt", schildert Bastian Brandstötter. Am Nacken brenne es immer noch etwas, sagt er gut 24 Stunden nach dem Angriff. 

"Nicht das erste Mal"

Brandstötter wollte den Angriff aber nicht auf sich sitzen lassen: Er nahm die Treppen und traf bei den Bahnsteigen wieder auf den Mann. "Ich wollte ihn zur Rede stellen, was das sollte", erklärt er. Auch davon veröffentlichte seine Mutter ein zweites Video auf Twitter:

Die Szene beginnt damit, dass der mutmaßliche Angreifer Brandstötter nachläuft - dieser spricht den Mann auf den Pfefferspray-Angriff an. Beide fordern sich gegenseitig auf, den jeweils anderen "in Ruhe zu lassen". 

Dann beschwert sich der Verdächtige laut, dass Brandstötter keinen Mund- Nasenschutz tragen würde. "Unten beim Lift habe ich eine Maske getragen, die musste ich aber nach dem Pfefferspray-Angriff abnehmen", sagt Brandstötter. Dem Mann sei es nicht um Corona oder den Abstand im Lift gegangen, er haben schon davor grundlos begonnen, rassistische Beschimpfungen von sich zu geben, meint der 26-Jährige. 

Das sei ihm übrigens nicht zum ersten Mal passiert. "Seit der FPÖ-Regierungsbeteiligung haben verbale Beschimpfungen zugenommen", sagt er. Vor allem als Teenager sei er oft wegen seiner Hautfarbe beschimpft worden - nun will er mit Hilfe seiner Mutter in der Öffentlichkeit auf dieses Problem aufmerksam machen.

Diese Entwicklung bestätigt auch die Anti-Rassismus-Beratungsstelle ZARA - alleine im Jahr 2019 seien in Österreich 1.950 rassistische Vorfälle gemeldet worden. 355 davon fanden im öffentlichen Raum statt.  2016 waren es noch 1.107 Vorfälle.

Anzeige soll folgen

Angezeigt hat er den Angriff noch nicht - das werde er aber nachholen, sagt er - auch, wenn so etwas oft im Sand verlaufen würde. "Bitterer Alltag für Menschen mit dunkler Hautfarbe in Österreich", meint seine Mutter Henrike Brandstötter. 

Einen Pfefferspray darf in Österreich jeder, der über 18 Jahre alt ist, besitzen. Wird er eingesetzt, ist mit einer Anzeige wegen Körperverletzung zu rechnen. Ob die Anwendung  aus Notwehr gerechtfertigt war, muss dann die Staatsanwaltschaft bzw. ein Gericht klären, heißt es dazu von der Polizei.

Den ÖBB ist der Vorfall schon bekannt: "So etwas ist bedauerlich", sagt ein Sprecher dem KURIER. Die Bundesbahnen raten, den Vorfall zu Anzeige zu bringen, man werde dann der Polizei auch Videomaterial von den Überwachungskameras zur Verfügung stellen.

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