Chronik | Wien
04/18/2019

So wirkt sich das Alkoholverbot am Praterstern aus

Am Praterstern hat sich die Lage verbessert, aber die Probleme sind nach Floridsdorf gewandert.

Andreas Götzinger sitzt am Donnerstagvormittag am Praterstern und trinkt Bier. Er darf das, denn der Wiener tut das in einem Gastgarten. „Ich bin ja kein Obdachloser, sondern zahle hier 4,10 Euro für mein Wieselburger“, sagt er.

Seit 27. April 2018 gilt am Praterstern in der Leopoldstadt ein Alkoholverbot. Es ist ruhig geworden hier. Schlafende Suchtkranke auf den Parkbänken sieht man heute keine. Denn in den letzten zwölf Monaten gab es wegen dem Verbot 2.038 Anzeigen. Sie haben sich in den vergangenen Monaten andere Orte gesucht.

Alkoholverbot Praterstern

Zum Beispiel den Franz-Jonas-Platz in Floridsdorf. Dort öffnet sich Andi B. gerade sein Gambrinus-Bier. Auch er darf das, denn noch gibt es dort keine Verbotszone für Alkohol. Deswegen seien viele seiner „Kollegen“ vom Praterstern hierher gewechselt.

Teures Wirtshaus

„Natürlich treffen wir uns am Bahnhof, da kommen alle vorbei, die man kennt. Wir können ja nicht jeden Tag im Wirtshaus sitzen, das geht sich nicht aus“, sagt er.

Als Polizisten für eine Personenkontrolle um die Ecke kommen, ändert sich die Stimmung schlagartig. Die Polizisten schauen in die Rucksäcke und wollen Ausweise sehen. „Wir fühlen uns diskriminiert, weil wir zehn Mal am Tag von den Kapplern angesprochen werden“, beschwert sich B. über die Exekutive.

Vor allem freitags und abends komme es hier zu Schlägereien und Diebstählen. Passanten erzählen, dass sie sich belästigt fühlen und Angst haben. Doch B. betont: „Mit den Junkies wollen wir aber nicht in einen Topf geworfen werden.“

Nancy Neuhold und Ciprian Bujorpan stehen in ihrem Espressomobil auf dem Bahnhofsvorplatz. „In der Früh finden wir oft Müll und Fäkalien bei unserem Stand, das schreckt die Kundschaft ab“, schildern sie.

Rückzugsort gesucht

„Aber wo sollen wir denn hin?“, fragt Andi B. Er wünscht sich, dass es einen Raum oder einen Park gebe, wo sich keiner von ihm und den anderen Betrunkenen gestört fühlt.

Ein ähnliches Konzept könnte sich auch ÖVP-Polizeisprecher Karl Mahrer vorstellen. Er plädiert seit Monaten für ein Alkoholverbot in Floridsdorf – nach dem Vorbild Praterstern: „Es braucht eine Kombination aus Sozialarbeit und einer Verbotszone. Das gilt für den betroffenen Bereich in Floridsdorf und sollte auch für die U-Bahn-Station Josefstädter Straße und den Bahnhof Meidling überlegt werden. “ Die Stadt müsse handeln.

Stadt müsse reagieren

Auch die rote Floridsdorfer Bezirksvorstehung will ein Alkoholverbot auf dem Franz-Jonas-Platz. Umsetzen kann das aber nur die Stadtregierung. Der Praterstern soll als Vorbild dienen.

Andreas Götzinger, der im Beisl am Praterstern weiter sein Bier genießt, findet das Alkoholverbot am „Stern“ jedenfalls gut.

Alkoholverbot Praterstern

Denn früher sei dort pausenlos die Rettung vorgefahren, weil immer wieder Betrunkene herumgelegen seien. Das habe sich dank verstärkter Polizeikontrollen „irrsinnig verbessert“.

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