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Chronik Wien
11/29/2020

So will Wien die Corona-Massentests bewältigen

Rund 300 Testlinien an drei Standorten. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker rechnet, dass 1,2 Millionen Wiener mitmachen.

von Konstantin Auer

Die Aufbauarbeiten für die Corona-Massentests in Wien sind voll angelaufen. In der Stadthalle, der Marxhalle sowie in der Messe Wien werden rund 300 Testlinien errichtet. Der Start erfolgt am 4. Dezember - also zwei Tage später als zwischenzeitlich angekündigt. Die Anmeldung dafür ist ab 2. Dezember möglich.

Die großflächigen Testungen sollen in der Bundeshauptstadt bis 13. Dezember durchgeführt werden, wobei das Bundesheer dafür federführend verantwortlich ist. Die nötige Infrastruktur wird von der Berufsfeuerwehr Wien aufgebaut. Die Kapazität soll pro Tag für rund 150.000 Tests reichen, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Sonntag. Der Betrieb ist täglich für zehn Stunden, von 8 Uhr bis 18 Uhr geplant.

Hacker rechnet damit, dass sich rund 60 Prozent der Wiener testen lassen wollen - das wären rund 1,2 Millionen Menschen. Der Test ist freiwillig. "Wahrscheinlich wird die Zahl der zu testenden Personen darunter liegen", vermutet Hacker. Genau werde man das aber erst sagen können, wenn die Anmeldephase am Mittwoch begonnen hat.

Sollten sich wirklich 1,2 Millionen Wiener testen lassen, dann wären das rund 120.000 Menschen an jedem der zehn Tage - pro Halle also 40.000 Menschen täglich. Laut Hackers Rechnung sei das bewältigbar.

Späterer Beginn

Die Testungen beginnen später als ursprünglich angekündigt. Der Grund dafür sei, dass die Online-Plattform nicht rechtzeitig fertig geworden sei. "Ohne vorherige Anmeldung wäre das undenkbar", sagt Hacker. So wolle man Staus und Warteschlangen vor den Hallen vermeiden.

Für die Software ist das Gesundheitsministerium zuständig. "Geplant war eigentlich, dass wir am 5. und 6. Dezember nur das Schul- und Kindergartenpersonal testen - nun haben wir Flexibilität gezeigt", sagt Gerald Schimpf, Sprecher des Krisenstabs im Gesundheitsministerium. Wie auch Vorarlberg wollte Wien aber die Testungen bereits früher beenden, damit sich das mit einer etwaigen zehntägigen Quarantäne vor Weihnachten ausgeht, erklärt Hacker.

Der Ablauf

In der Messe Wien, in der die Präsentation stattfand, wird derzeit die Halle A zum Corona-Testcenter umfunktioniert. Die Räumlichkeit erinnert derzeit an ein riesiges Großraumbüro, in dem Tisch- und Sesselgruppen in großem Abstand zueinander postiert wurden. Am Sonntagnachmittag wurden auch bereits die FFP2-Masken für das Personal und die zu testenden Personen geliefert.

Am Beginn müsse die Anmeldung im System erfolgen, wobei man persönlichen Daten eingeben muss. Auch müsse eine Kontaktmöglichkeit hinterlegt werden.
Anschließend erfolgt die Terminbuchung.

Zum gewünschten Zeitpunkt begibt man sich dann in eines der drei Testzentren. Dort werden die Ausweise geprüft und eine Nummer zugeteilt. Nach der Abstrichentnahme heißt es kurz auf das Resultat warten (angekündigt wurden 15 Minuten). Man bekommt auch eine FFP2-Maske, die man während des Wartens tragen muss.

Ist das Ergebnis negativ, ist die Sache im Prinzip erledigt - auch wenn es sich nur um eine Momentaufnahme handle, wie Schimpf warnte. Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln seien trotzdem weiter einzuhalten.

Ist das Ergebnis positiv, wird man zu einer der PCR-Teststraßen in der Halle weitergereicht. Dort wird nicht noch einmal ein Nasen-Rachenabstrich vorgenommen, sondern man darf gurgeln. Einen Quarantänebescheid hat man zu diesem Zeitpunkt dann aber bereits. Was bedeutet: Man muss nach dem zweiten Test sofort nach Hause fahren und dort auf das Ergebnis des PCR-Tests warten. Ist dieses ebenfalls positiv, wird der Bescheid bestätigt.

Für eine Personengruppe sind die Großtesteinrichtungen keinesfalls gedacht, wie Hacker betont: Menschen mit Symptomen müssen weiterhin 1450 anrufen und dürfen nicht an den Massentests teilnehmen.

"Logistische Meisterleistung"

„Wir haben in der vergangenen Woche bei den Vorbereitungen eine logistische und organisatorische Meisterleistung hingelegt und in vielen Bereichen schnelle Lösungen gefunden. Das ging natürlich nur dank der exzellenten Zusammenarbeit mit dem Bundesheer, dem Landesverteidigungs- und Gesundheitsministerium, dem Bundeskanzleramt und den städtischen Organisationen - ihnen allen gilt mein Dank,“ sagt Hacker.

Zum Einsatz kommen bei den Testungen übrigens rund 2.000 Soldaten des Bundesheeres: „Was immer die Stadt Wien benötigt, werden wir als Bundesheer zur Verfügung stellen", sagt der Stabschef der Bundesministerin für Landesverteidigung, Generalmajor Rudolf Striedinger.

Hacker erwartet sich von den Massentest übrigens "keinen virologischen Superknaller". Aber, wenn es den Menschen dadurch emotional besser gehe, dann sei es das wert.

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