Jacqueline Lugner über ihren Vater und Simone: „Keine Liebesheirat“

Die Lugner Privatstiftung will Simone Lugner per Räumungsklage aus dem Haus haben. "Stieftochter" Jacqueline ist Zeugin der Klägerin.
Simone Lugner im Justizpalast.

„Mein Herz veranstaltet ein Metal-Konzert.“ Simone Lugner, die Witwe des im August 2024 verstorbenen Baumeisters Richard Lugner, gibt freimütig zu, heute nervös zu sein. 

„Es geht ja um meine Zukunft, ich hab Vertrauen in die Justiz“, sagt sie, sie weiß aber auch: „Wenn ich gewinne, ist es so, wie Richard es für uns wollte. Wenn nicht, habe ich alles verloren.“

Sie habe gemischte Gefühle, „eine Gerichtsverhandlung ist nie was Schönes.“ Aber sie wolle „das lebenslange Wohnrecht, wie es in den Urkunden steht“, erkämpfen.

„Richard wollte keinen Prozess“

Sie stellt auch klar: „Richard wollte keinen Prozess. Er wollte, dass ich im Haus bleibe, hätten das alle akzeptiert, würde es den Prozess nicht geben.“

Derzeit lebt sie alleine in der großen Villa. „Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, lasse ich den Abend chillig ausklingen“, sagt sie. 

Simone Lugner allein zu Hause

„Meistens ist das ok, manchmal hätte ich gerne einen Partner.“ Aber noch ist sie für eine neue Beziehung nicht bereit. „Ich will erst alles abgeschlossen haben und ohne Belastung, als neuer Mensch starten.“

Simone Lugner und ihr Anwalt Florian Höllwarth.

Simone Lugner wird von Rechtsanwalt Florian Höllwarth vertreten.

Abzuschließen ist eben der Prozess mit der von der Privatstiftung Lugner und Söhne eingebrachten Räumungsklage, der im Justizpalast stattfindet.

„Gibt es im Frühling eine Chance auf eine Einigung?“, fragt die Richterin eingangs. Das ist noch nicht der Fall, die Verlassenschaft läuft noch, ein Vergleich kommt nicht zustande. Beide Parteien wollen das Verfahren bis zum Ende durchfechten. 

Das prunkvolle Foyer des Justizpalasts in Wien, in dem der Rechtsstreit um das Wohnrecht von Simone Lugner verhandelt wird.

Das prunkvolle Foyer des Justizpalasts in Wien, in dem der Rechtsstreit um das Wohnrecht von Simone Lugner verhandelt wird.

Im Verfahren wird es dann bei der Einvernahme von Simone Lugner - unter Wahrheitspflicht - sehr persönlich. Deshalb werden hier viele persönliche Details nicht geschildert. 

Was Simone Lugner nicht mehr genau wusste: Wann sie im Jahr 2024 bei Lugner eingezogen ist.

Einzug ins Haus „rund um den Opernball“

Aber - und das passt dann irgendwie zu Lugners Leben - es müsste „rund um den Opernball, so Anfang, Mitte Februar gewesen sein“, rekonstruiert Simone Lugner. 

Ihr ganzes Hab und Gut habe sie „mit zwei Lugner-Pritschen“ in das gemeinsame Haus gebracht. 

Simone Lugner mit Richard Lugner in Hochzeitskleidung.

Simone und Richard Lugner bei ihrer Hochzeit am 1. Juni 2024.

Dort habe sie zwar ein eigenes Schlafzimmer gehabt, „für die Momente, in denen ich gut schlafen wollte“. Das sei ausgemacht gewesen, „weil unsere Schlafgewohnheiten nicht konform gingen. Aber im Urlaub oder am Wochenende haben wir im gleichen Zimmer geschlafen, da war es nicht so wichtig, dass ich ausgeschlafen bin.“

„Ja, ich war jeden Tag da“

Völlig entgeistert reagiert Simone Lugner auf die Frage, ob sie jeden Abend in dem Haus verbracht habe. Denn auch das wurde von der Gegenseite infrage gestellt. „Ja, jeden Abend, außer ich hatte einen Termin.“

Lugner habe jedenfalls immer Zugang zu allen Zimmern im Haus gehabt, versichert Simone Lugner: „Er stand auch mal mitten in der Nacht in meinem Zimmer.“

Richard Lugners „Wehwehchen“

Später erzählt sie von Lugners „Wehwehchen“, von einem Sportunfall beim Radfahren, von Schmerzen. Manchmal habe sie ihm über Stiegen helfen müssen, aber später sei er auch wieder alleine, ohne Krücken, ins Schlafzimmer gegangen. 

Simone Lugner und Richard Lugner am seinem 91. Geburtstag.

Simone Lugner und Richard Lugner am seinem 91. Geburtstag. 

Pflegebedürftig oder bettlägerig sei Lugner nie gewesen: „Ich habe ihn unterstützt, um ihm den Alltag zu erleichtern. Er wollte bis zum Schluss selbstständig bleiben und war mobil.“ 

Letzter Auftritt in Mörbisch

Der letzte gemeinsame Auftritt war die Premiere in Mörbisch am 11. Juli. Dort seien sie mit einem eigenen Rollstuhl noch hingefahren. 

Er habe zwar Veranstaltungen abgesagt, „denn er wollte sich schonen, um fit zu werden für unsere Hochzeitsreise“, erinnert sich Simone Lugner, seine sechste Ehefrau. Die war - auf Kreta - für August geplant und wurde dann auf September verschoben. Und kam letztlich nicht mehr zustande.

„Er hat bis zum Tod gearbeitet“

Die Richterin erörtert dann im Detail, wie intensiv Simone Lugner sich um ihren Mann gekümmert hatte. Und sie will genau wissen, wie lange Lugner noch in die Arbeit in der Lugner City gegangen sei. 

„Seit ich am 1. August dort gearbeitet habe, wieder jeden Tag“, versichert Simone Lugner, „bis zum Tag vor seinem Tod.“ Das war am 12. August 2024. 

Dann ist Markus Tschank an der Reihe, der Anwalt der klagenden Partei, die Simone Lugner aus dem Haus haben will. 

Bei der Frage nach der Organisation der Pflege, ausgehend vom - in der Lugner City unterschriebenen - Pakt zur Hochzeit am 1. Juni 2024, wird es hitzig. Lugner räumt ein, „wenn er pflegebedürftig wird, muss ich diese organisieren. Aber er war nicht pflegebedürftig.“ 

Er will auch das Eheleben detailreich ausgebreitet haben und intime Chats zwischen Richard und Lugner vorhalten. Dafür schließt die Richterin die Öffentlichkeit zwischenzeitlich aus. 

Simone Lugner verlässt den Verhandlungsraum

Bevor Jacqueline Lugner in den Zeugenstand tritt, verlässt die sichtlich mitgenommene Simone Lugner den Verhandlungssaal, die beiden Frauen begegnen einander – knapp – nicht. 

Jacqueline Lugner im Justizpalast, dahinter Fotografen.

Jacqueline Lugner im Justizpalast vor ihrer Zeugeneinvernahme. 

Die Tochter des Baumeisters habe ein „sehr seltsames Gefühl“ dabei gehabt, als ihre neue Stiefmutter, also Simone Lugner, in das Haus eingezogen ist: „Sie hat alle meine Sachen wegbringen lassen.“ An ihrer Kurzzeit-Stiefmutter lässt sie kein gutes Haar: „Mein Vater wollte diese Frau nicht heiraten.“ 

Drei Heiratskandidatinnen für Richard Lugner

Sie sei eine von drei Kandidatinnen gewesen, die beiden anderen hätten den über 90 Jahre alten Mann nicht mehr pflegen können und seien deshalb von ihrem Vater ausgeschieden worden.

Und das mit der Pflege habe er deshalb auch – vertraglich – mit jener Frau geregelt, die er dann letztlich doch geheiratet hat, mit Simone Lugner. 

Denn, und da ist sich die Tochter sicher, auch wenn sie eigentlich seit Anfang Juni nicht mehr bei ihm im Haus war: „Mein Vater konnte sein Leben alleine nicht mehr bewältigen.“ 

„Das war keine Liebesheirat“

Und dafür, dass Simone Lugner die Organisation der Pflege sicherstelle, hätte sie auch das Wohnrecht bekommen. Was sie aber – aus Sicht der Kläger – nicht gemacht habe. Daran lässt die Tochter Lugners überhaupt keinen Zweifel – die generell kein gutes Haar an der Stiefmutter lässt: „Eine Liebesheirat war das nicht.“

Anwalt der Lugner-Stiftung Markus Tschank.

Anwalt der Lugner-Stiftung Markus Tschank.

Simone Lugners Anwalt kontert: „Wie viele Liebesheiraten hat Ihr Vater gehabt?“ Jacqueline Lugner: „Mit allen anderen Frauen hat er einen gemeinsamen Alltag gehabt. Das war ihm sehr wichtig.“ 

Tochter gibt Einblick in Richard Lugners Frauenbild

Und dann lässt die junge Frau tief in die Gedankenwelt ihres Vaters blicken: „Bei ihm war Usus, dass er schnell auf seine Frau zugreifen kann. Er wollte deshalb, dass sie in der Lugner City arbeitet.“ Was ab 1. August dann auch der Fall war. Bis Lugner am 12. August starb. 

Nach der kurzen Einvernahme des früheren Chefs von Simone Lugner, redet die Richterin den beiden Anwälten ins Gewissen. Richterin: „Sie vergiften die Atmosphäre. Macht es Sinn, das Verfahren weiterzuführen und dann Vergleichsgespräche zu führen?“

Die beiden Parteien meinen ja und vereinbaren den 8. Mai als nächsten Termin. Ein weiterer wäre dann noch nötig. Falls es nicht doch zu einem Vergleich kommt. 

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