Chronik | Wien
28.06.2018

Simmering: Zu Besuch auf dem Zentralfriedhof

© Bild: Kurier/Franz Gruber

Die 1874 eröffnete Anlage zählt mit 330.000 Gräbern zu den größten ihrer Art in Europa

Der Zentralfriedhof ist, ein wenig überspitzt ausgedrückt, die zweitgrößte Stadt Österreichs. Ungefähr 330.000 Grabstellen umfasst er – zum Vergleich: In Graz, der nach Wien größten Stadt Österreichs, leben rund 280.000 Menschen.

Die 1874 eröffnete Anlage gilt mit einer Größe von 2,4 Quadratkilometern als eine der größten Europas. „Er ist mit dem 71er gefahren“, heißt es im morbiden Wiener Volksmund. Denn die Straßenbahn 71 hält direkt vor Tor zwei – dem Haupteingang.

Beim Betreten kommt das Gefühl auf, in einem riesigen Park zu sein. Wären da nicht die Tausenden Gräber: prunkvolle, halb verfallene oder mit Efeu bewachsene. Besucher könnten Gänsehaut bekommen – schließlich haben all diese Grabsteine eine Lebensgeschichte zu erzählen, mit ihren Höhen und Tiefen. Im sogenannten Musikerbereich liegen gar Größen der Klassik wie Franz Schubert und Ludwig van Beethoven Schulter an Schulter.

Unweit des Haupteinganges wartet das Bestattungsmuseum auf Interessierte. Die Besucher schreiten auf einem dunklen Pfad durch die Räume – nur die Exponate sind beleuchtet: alte Totengräberuniformen, Särge und alles, was zu einem Begräbnis dazugehört.

Tor zwei

Direkt vor Tor zwei betreiben Vater und Sohn, beide heißen Karl Adamek, seit zehn Jahren einen Würstelstand. Die Jahre sind dem Stand anzusehen. „Wir wollen die Tradition wahren“, sagt der Vater. Und der Tod ist auch hier ein Thema: „Wegen Kebab, Pizza und dem ganzen Zeugs muss man vom programmierten Sterben der Wiener Würstelstände reden.“ In unmittelbarer Nähe befindet sich das Restaurant Concordia Schlössl. Hier liegt der Fokus auf Schnitzel – was in Wien ja fast schon als Kulturgut gilt. Schnitzelspaziergang (für drei Personen), Schnitzelritt (für fünf Personen) und andere Schnitzelvariatonen stehen auf der Karte. Im Gastgarten hängt eine Uhr. Sie ist fünf vor zwölf stehen geblieben: Was das wohl bedeuten mag?

Von Benjamin Enajat