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Chronik Wien
11/16/2021

Schulterschmerzen in der Intimzone „behandelt“: Patientinnen belasten Arzt

„Wollte nur Beschwerden lindern“, sagt der angeklagte Mediziner aus Wien. Er hat seit einem Jahr Berufsverbot.

von Michaela Reibenwein

Die Patientinnen hatten Schmerzen in der Schulter oder an der Ferse. Behandelt wurden sie von einem Orthopäden in Wien mit einer intravaginalen Untersuchung: Im Wiener Landesgericht für Strafsachen stand am Dienstag deshalb ein Mediziner vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, drei Frauen sexuell missbraucht zu haben. Doch der Herr Doktor sieht kein Fehlverhalten: „Ich wollte nur die Beschwerden den Patienten lindern.“

Berufsverbot

Seit einem Jahr hat der Arzt ein Berufsverbot, zudem wurden Disziplinarstrafen über ihn verhängt. „Ich habe genug Bußgeld gezahlt“, seufzt er. Die Vorwürfe der Patientinnen kann er nicht verstehen.

Doch diese Vorwürfe haben es in sich. Eine Patientin, sie ist sogar Allgemeinmedizinerin, schilderte bei der Polizei: Der Arzt habe ihr ohne Vorwarnung die Unterhose zur Seite geschoben und sei mit seinen Fingern (ohne Handschuhe) in die Vagina eingedrungen. „Das stimmt so nicht“, sagt der Angeklagte. Zwar würden seine Therapien manchmal auch im Genitalbereich durchgeführt werden, aber: „Ich frage immer, ob ich das darf.“

Die Frau klagte über Schmerzen während der „Behandlung“. Das erklärt der Mann so: „Faszientechnik tut manchmal auch weh.“ „Sie hat sogar geweint“, sagt die Richterin. „Wegen emotionaler Probleme mit der Familiengeschichte“, erklärt der Angeklagte.

Verletzung

Doch die Frau erlitt auch eine Verletzung, blutete – das wurde dokumentiert. Was der Arzt nicht gelten lässt: „Das schließe ich aus.“

Auch zwei weitere Patientinnen schildern ähnliche Erfahrungen. „Bei den Nachgesprächen sind wir immer stimmig auseinandergegangen“, kontert der Orthopäde.

Ein Sachverständiger bestätigt, dass es eine entsprechende Behandlungsmethode gibt. „Er hat alles nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt“, erklärt er. Einzig, dass er den Patienten keinen schriftlichen Aufklärungsbogen vorgelegt habe, sei ein Fehler gewesen. „Ich habe einen im Internet gefunden. Aber der war so schlecht, dass ich mich nicht getraut habe, ihn vorzulegen.“ Mittlerweile habe er selbst einen 12-seitigen Revers ausgearbeitet.

Auch andere Patienten sagen als Zeugen aus. Sie erklären, sich gut beim Arzt aufgehoben und aufgeklärt gefühlt zu haben. „Er hat auch immer gefragt: ,Darf ich? Ist es unangenehm?’“, beschreibt eine Frau.

Der Prozess wurde vertag, eine betroffene Frau fehlte.

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