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Chronik Österreich
11/16/2021

Prozess: Böses Erwachen aus dem Tischtennis-Traum

Als Werner Schlager Weltmeister wurde, sollte in Schwechat eine hochkarätige Nachwuchs-Schmiede samt Mehrzweckhalle entstehen. Jahre später sitzen 12 Angeklagte vor Gericht.

von Michaela Reibenwein

Es war einmal ein Tischtennis-Märchen: Im Jahr 2003 krönte sich Werner Schlager zum Tischtennis-Weltmeister. Ein Erfolg, den es für Österreich zuletzt im Jahr 1937 gab. Und plötzlich begann auch die Politik zu träumen: Von der Tischtennis-Nation Österreich. Mit eigenem Trainingscenter und Nachwuchsförderung. Alles unter einem Dach im Multiversum Schwechat, zu der auch die „Werner Schlager Academy “ gehören sollte. 18 Jahre später ist dieser Traum endgültig geplatzt. Am Dienstag fanden sich zwölf Angeklagte im großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts für Strafsachen in Wien wieder. Ihnen wird schwerer Betrug und Untreue vorgeworfen.

„Nicht schuldig“

Auch der einstige Held Schlager ist unter den Angeklagten. Genauso wie der ehemalige Schwechater Bürgermeister und SPÖ-Nationalratsabgeordnete Hannes Fazekas. Bei den weiteren Angeklagten handelt es sich unter anderem um (teils hochrangige) Mitarbeiter des Sportministeriums – dieses war damals unter Minister Norbert Darabos (SPÖ) für die Vergabe der Förderungen zuständig – und der Gemeinde Schwechat. Alle erklären: Nicht schuldig.

Doch die Vorwürfe sind massiv: Laut Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sollen Millionenförderungen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschlichen worden sein.

So soll es ganz grundlegende Voraussetzungen für eine Förderung nicht gegeben haben. Etwa eine Haftung der Gemeinde, entsprechende Beschlüsse, eine Mindest-Auslastung oder Eigenmittel.

7,8 Millionen Euro Förderung wollte man lukrieren. 2,9 Millionen wurden tatsächlich ausgezahlt. „In vorauseilendem Gehorsam“, wie die Staatsanwältin sagt. Dabei sei das Multiversum von Anfang an wirtschaftlich nicht tragbar gewesen. Zudem sollen Scheinrechnungen gestellt und auch andere örtliche Vereine mit großzügigen Darlehen bedacht worden sein.

„Politischer Druck“

„Es ist ein immenses Verfahren mit einem sehr komplizierten Sachverhalt“, sagt ein Anwalt, der einen ehemaligen Sektionsleiter im Ministerium vertritt. Sein Mandant sei „in die Funktion hineingeschubst worden“. Es habe politischen Druck gegeben.

Fazekas’ Anwalt Martin Riedl bestreitet, dass das Multiversum von Anfang an finanziell nicht tragbar gewesen sei. „Es gab umfassende Businesspläne und Studien.“ Allerdings sei das Vertrauen des Bürgermeisters durch einen Mitarbeiter missbraucht worden.

Und auch Robert Auer, der Verteidiger von Werner Schlager, weist eine Verantwortung zurück: „Mein Mandant war im Tatzeitraum noch aktiver Sportler, die Nummer 12 oder 13 der Weltrangliste. Ihn hat nichts anderes als Sport interessiert.“ Ihm sei es darum gegangen, den Tischtennis-Sport in Österreich zu fördern.

Morgen, Mittwoch, wird Schlager selbst zu Wort kommen. Der Prozess wird bis weit ins nächste Jahr dauern.

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