Schnee-Chaos in Wien? 1969 war's jedenfalls viel schlimmer
Schneefall in Wien 1969
Der Betrieb am Flughafen Wien wurde eingestellt, Räumfahrzeuge sind im Dauereinsatz, die Fahrbedingungen auf den Straßen schwierig: Obwohl allgemeiner Konsens herrscht, dass der Frühling längst hätte beginnen können, hat der Schneefall am Freitag erneut für höchst winterliche Verhältnisse in Wien gesorgt.
Von Donnerstagabend, 20 Uhr bis Freitag 8 Uhr morgens verzeichnete die Berufsfeuerwehr 100 zusätzliche Einsätze aufgrund der Witterung, auch bei Bussen, Straßenbahnen und U-Bahn-Linien kam es zu Verzögerungen. Es kommt also nicht von ungefähr, dass man als Stadtbewohner/in heute das Gefühl hat, die Schneemenge sei gerade für Wien ziemlich außergewöhnlich.
Wirft man aber einen Blick in die Aufzeichnungen der letzten Jahre, zeigt sich: Es war in Sachen Schnee alles schon mal deutlich schlimmer.
Schneehöhe in Wien am Freitag unterdurchschnittlich
Die Schneehöhe in Wien lag am Freitagmorgen, 7 Uhr Früh, laut Messungen von GeoSphere Austria auf der Hohe Warte bei 17 Zentimetern. Im Vergleich zu Schneemengen aus den letzten Jahren ist diese Menge nicht sonderlich beachtlich. Insbesondere, wenn man das Rekordjahr 2013 heranzieht.
Alexander Orlik, Klimatologe an der GeoSphere Austria, dazu: "Klimatologisch gesehen sind derartige Neuschneemengen nicht sehr außergewöhnlich. An der Wetterstation Wien Hohe Warte gab es zum Beispiel im Dezember 2023 sowie im Februar der Jahre 2017 und 2015 Tage mit ähnlich viel Neuschnee wie heute. Etwas weiter zurück ist, dass es in der gesamten Ostregion Österreichs, von Wien über Eisenstadt bis Graz, flächendeckend so viel geschneit hat wie jetzt: Das letzte derartige vergleichbare Ereignis war im Februar 2013."
Einschätzung von Marc Olefs, Leiter der Abteilung Klima-Folgen-Forschung:
15 cm Schneehöhe in Wien (Hohe Warte) am 20. Februar 2026 (Stand 10:30 Uhr MEZ).
Vergleichbare Werte wurden zuletzt 2023 (21 cm) und 2021 (15 cm) erreicht.
2013 lag das Jahresmaximum bei 30 cm.
Der langfristige Trend seit 1929 zeigt jedoch einen deutlichen Rückgang:
−67 % bei der maximalen jährlichen Tagesschneehöhe (geglätteter Verlauf).
Auch die Häufigkeit schneereicher Jahre hat sich verändert:
1961–1990: Ein Jahresmaximum ≥ 15 cm trat nahezu jährlich auf.
1997–2026: Ein solches Ereignis wird nur noch etwa alle 2–3 Jahre erreicht.
Eine ähnliche Einordnung gibt es auch vom Leiter der Abteilung Klima-Folgen-Forschung, Marc Olefs. "Die Daten zeigen eine klare Abnahme sowohl der Intensität als auch der Regelmäßigkeit ausgeprägter Schneejahre in Wien als Folge der fossilen Energienutzung. Die Entwicklung in den restlichen österreichischen Landeshaupststädten und somit tiefen Lagen schaut sehr ähnlich aus."
Die Abnahme zeigt sich auch bei einem Blick in die Historie: Der Neuschnee-Rekord datiert aus der Winterperiode 1969/70, als insgesamt 227 Zentimeter verzeichnet wurden. 1986/87 waren es immerhin noch stolze 172 Zentimeter. Aus dem aktuellen Jahrtausend schafft es nur eine Winter-Saison unter die besten 10: Das bereits erwähnte Rekordjahr 2013.
Wetterausblick: Wie geht es weiter?
Für alle, die schon genug vom Schnee haben, gibt die GeoSphere bereits Entwarnung: "In Wien ist am Wochenende und in der gesamten kommenden Woche kein Neuschnee zu erwarten."
Was gesamt Österreich betrifft, ziehe sich die Schneefallgrenze in höhere Lagen ebenfalls zurück. "Das Wetter wird am Wochenende sehr wechselhaft, mit einer Mischung aus Wolken, etwas Sonne und zeitweise auch Regen. Die Schneefallgrenze steigt in Österreich am Samstag auf etwa 1.500 Meter und liegt am Sonntag zwischen 1.600 und 2.000 Metern," heißt es.
In diesem Sinne: Halten wir alle noch einmal durch. Ab dem Wochenende kehren auch hierzulande endlich angenehmere Temperaturen ein, die langersehnte Warmfront steht bereits in den Startlöchern.
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