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Chronik Wien
11/13/2019

S-Bahn: Wien setzt auf Nachtverkehr, nicht auf zweiten Tunnel

Ab 15. Dezember Nachtbetrieb an den Wochenenden. Uneinigkeit im Verkehrsverbund über zweite S-Bahn-Stammstrecke.

von Josef Gebhard, Martin Gebhart

Völlig umgekrempelt wird der S-Bahn-Verkehr ab 15. Dezember in der Ostregion. Die wichtigste Neuerung: Mit dem neuen Fahrplan ist die S-Bahn auf der Stammstrecke (von Mödling über Meidling bis Floridsdorf) sowie auf der Vorortelinie (S45) an den Wochenenden im 30-Minuten-Takt durchgehend in der Nacht unterwegs.  

Konkret gilt das neue Angebot für die Nächte vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen. Damit will man die S-Bahn besser auf die Wiener U-Bahn abstimmen, die schon seit 2010 einen Nachtbetrieb an den Wochenenden hat, heißt es im Büro von Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ).

Eine weitere Verbesserung ist der durchgehende 30-Minuten-Takt für die S80 zwischen Hütteldorf und Aspern Nord. Für die Flughafen-Schnellbahn S7 wird die erste Abfahrt ab Floridsdorf auf 4.06 Uhr vorverlegt. „Insgesamt investieren wir 25 Millionen Euro in das erweiterte Angebot“, sagt Hanke.

Finanzstadtrat Hanke sieht Trendwende im Schuldenbereich

Eine klare Absage erteilt er hingegen dem - vor allem von der nö. Landesregierung gewünschten - S-Bahn-Tunnel durch Wien. Wie berichtet, soll damit eine zweite Stammstrecke entstehen, um das bestehende Netz zu entlasten.

„Anstatt vermeintlich gut klingende Großbaustellen für den Sankt-Nimmerleinstag anzukündigen, wollen wir rasche Verbesserungen für die vielen Nutzer der öffentlichen Verkehrssysteme erreichen – und zwar bereits jetzt und in den nächsten Jahren“, betont Hanke. Zuletzt hatten sich auch Experten des VOR und der ÖBB kritisch zu diesen Überlegungen geäußert.

Neuer S-Bahntunnel: Uneinigkeit im VOR

Wenn es um eine zweite S-Bahnstammstrecke durch Wien geht, herrscht auch im Verkehrsverbund Ost-Region (kurz VOR) anscheinend keine Einigkeit. Während VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll mit Niederösterreichs Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko in München war, um sich dort über das Projekt eines neuen S-Bahntunnels durch die Freistadt zu erkundigen und diesen Zukunftsplan auch für Wien als notwendig erachtet, ist sein Geschäftsführerkollege Thomas Bohrn nicht dieser Meinung.

Gegenüber dem KURIER stellte er in Abrede, dass der VOR  - im Verbund sind die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland vertreten - geschlossen hinter dem Projekt einer zweiten S-Bahnstammstrecke steht. Bohrn: "Das ist ein Wunsch des Bundeslandes Niederösterreich." Unter den Eigentümern gebe es noch keine akkordierte Meinung dazu. Nur den Konsens, dass der öffentliche Verkehr gestärkt werden muss und man sich die Bahninfrastruktur genauer ansieht. Bohrn: "Da geht es aber nicht nur um die S-Bahn, sondern auch um die U-Bahn." Eine neue S-Bahnstammstrecke inklusive der Untertunnelung von Wien wäre ein Szenario "für die Zeit 2040 plus".