© Screenshot Twitter/Michael Ludwig

Chronik Wien
06/29/2022

Wer hinter dem Klitschko-Fake-Anruf steckt

Am Donnerstag will das Duo Video-Mitschnitte veröffentlichen. Die Comedians fielen zuletzt mit Aktionen gegen Russland-Kritiker auf.

von Josef Gebhard

Nun ist offenbar geklärt, wer hinter den Video-Anrufen des vermeintlichen Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko bei einer Reihe europäischer Politiker – darunter Wiens Bürgermeister Michael Ludwig – steckt: Das russische Comedy-Duo Vladimir Krasnow (auch bekannt als Vladimir Kuznetsow) und Alexei Stolyarow, die unter dem Künstlernamen „Vovan“ und „Lexus“ bekannt sind, haben sich zu der Aktion bekannt. Das berichtet das ARD-Politikmagazin „Kontraste“.

„Ich will nicht verraten, wie wir es angestellt haben, aber es war leicht“, sagt Stolyarow gegenüber dem TV-Magazin. Das Duo will am Donnerstag Videoaufzeichnungen der Fake-Anrufe als „Scherze“ ins Internet stellen. Um die Opfer zu täuschen, habe man im Vorfeld der Aktion Informationen über sie und deren Umfeld gesammelt und E-Mail-Absender gefälscht. 

Ob die Angaben der beiden stimmen, lasse sich nicht durch eine zweite Quelle überprüfen, betont man seitens der ARD.

In der Vergangenheit wurden immer wieder Aktionen der beiden bekannt, die sich gegen Personen richteten, die Russland kritisieren oder sich aus russischer Sicht falsch verhalten. Erfolgreich waren sie damit unter anderem bei laut Medienberichten bei Boris Johnson und Emmanuel Macron.

"Meister der Telefondiplomatie"

Ein weiteres prominentes Opfer der beiden war die britische Autorin J. K. Rowling ("Harry Potter"), die Russlands Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen hatte, Zivilisten abzuschlachten. Ihr gegenüber gaben sich die Aktivisten als Wolodymyr Selenskyj aus und verleiteten sie so zu unvorteilhaften Äußerungen. Unter einem Vorwand brachten sie die Autorin dazu, vermeintlichen Großmüttern zu applaudieren. Mangels Sprachkenntnisse bemerkte sie nicht, dass die Frauen T-Shirts mit dem Aufdruck "Nur Putin" trugen. 

Anfang Juni wurden Krasnow und Stolyarow in Moskau geehrt. Eine Sprecherin des russischen Außenministeriums, die den beiden eine Auszeichnung übergab, bezeichnete die beiden "als Meister der Telefondiplomatie".

Dieser sollte am 22. Juni auch Wiens Bürgermeister auf den Leim gehen. Das knapp halbstündige Telefonat mit Ludwig hatte in den vergangenen Tagen für innenpolitische Kontroversen gesorgt. Dabei ging es vor allem darum, warum das Büro des Bürgermeisters auf den Anbahnungsversuch hereingefallen ist, warum Ludwig das Gespräch nicht wie andere betroffene Politiker vorzeitig abgebrochen hat und inwieweit die Botschaft in die Vorbereitung des Gesprächs involviert war.   

Ludwig fürchtet sich nicht

Im Büro von Ludwig will man die neuen Erkenntnisse, dass man offenbar Komödianten aufgesessen ist, nicht kommentieren. Vor den angekündigten Video-Veröffentlichungen fürchte man sich jedenfalls nicht, betont ein Sprecher gegenüber dem KURIER. Um die Ermittlungen in der Causa zu unterstützen, habe man inzwischen alle Informationen der Polizei zur Verfügung gestellt. Wie berichtet, bemüht man sich nun um einen Termin mit dem echten Klitschko. Wann das Gespräch stattfinden wird, stehe laut Sprecher aber noch nicht fest.

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