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Chronik Wien
02/18/2020

Roter Wahlkampfstart: Michael Ludwigs One-Man-Show

Mit einer Art „Rede zur Lage der Stadt“ steigt der Bürgermeister ungewöhnlich früh in den Wahlkampf ein.

von Josef Gebhard

Wählen will Michael Ludwig so spät wie möglich, der Wahlkampf kann für ihn aber offenbar nicht früh genug beginnen. Mit einer Art Rede zur Lage der Stadt startet der SPÖ-Bürgermeister heute, Dienstag, inoffiziell in den Wahlkampf. Und das neun Monate vor dem voraussichtlichen Wahltermin im Oktober.

Vor einem ausgesuchten Publikum im K47 beim Franz-Josefs-Kai wird er zwei Stunden lang seine Pläne für die Stadt referieren. Eine Premiere: Unter Ludwigs Vorgänger, Langzeit-Bürgermeister Michael Häupl, gab es keine vergleichbare Veranstaltung.

Ludwig wird die wichtigsten Schwerpunkte in den einzelnen SPÖ-geführten Ressorts streifen – verknüpft mit Forderungen an den Bund, ist aus SPÖ-Kreisen zu vernehmen.

In konkrete Projekte gegossen werden diese Grundsätze dann erst bei der traditionellen Klubklausur am 9. und 10. März. Im Gegensatz zum Vorjahr werde man sich aber diesmal auf ein großes Thema pro Ressort konzentrieren. Davon erwartet man sich eine größere mediale Präsenz als mit dem thematischen Kleinklein der vergangenen Jahre.

Modell Doskozil

Fast hat es den Eindruck, Ludwig will seinem engen Vertrauten aus dem Burgenland nacheifern und das Erfolgsmodell Hans Peter Doskozil auf Wien übertragen. Dieser hatte mit der Konzentration auf ganz wenige Themen, die dann umso intensiver getrommelt wurden, einen Erdrutschsieg bei der Landtagswahl erzielt.

Doskozil setzte auf einen Mix aus Sicherheit und Sozialem (Stichwort: Mindestlohn für Landesbedienstete). In SPÖ-Kreisen geht man davon aus, dass auch bei Ludwigs Kampagne Sozialthemen eine zentrale Rolle spielen werden.

Anders als bei Doskozil, war bei Ludwig nicht immer ganz klar, wofür er thematisch steht. Einmal war es die Sicherheit am Praterstern, dann wieder die Reform des Parkpickerls, zuletzt setzte er schließlich auf das Thema Klimaschutz. Nun soll das Profil des Bürgermeisters geschärft werden.

Ähnlich wie Doskozil will nun offenbar auch Ludwig das Image des zupackenden Machers vermitteln. Nicht umsonst lautet das Motto des Events am Dienstag „Entschlossen für Wien“. Garniert mit dem Hashtag #ludwig2020 zeichnet sich ein Wahlkampf ab, der viel stärker noch als bei seinem Vorgänger Michael Häupl ganz auf die Person des Bürgermeisters fokussiert ist.

Breites Team

Sollte es tatsächlich Ludwigs Absicht sein, im Wahlkampf eine reine One-Man-Show durchzuziehen, wäre dies allerdings deutlich schwieriger als im Burgenland. Während das Team um Doskozil außerhalb des Bundeslandes höchstens Polit-Feinspitzen bekannt ist, sitzt in Ludwigs Regierungsriege gleich eine Reihe von Persönlichkeiten, die in den vergangenen Monaten ein beachtliches Eigenleben verbunden mit großer medialer Präsenz entwickelten. Allen voran Ulli Sima, Peter Hanke und Peter Hacker.

Unmittelbar nach seiner Kür zum neuen SPÖ-Parteichef war es für Ludwig auf jeden Fall wichtig, auf ein breites Team mit derart schillernden Persönlichkeiten zu setzen, um die Gräben in der

damals völlig zerstrittenen Wiener SPÖ zuzuschütten. Mittlerweile besteht die Gefahr, dass einzelne Stadträte dem Bürgermeister ein wenig die Show stehlen.

Es ist gut denkbar, dass mit seinem Auftritt der „Entschlossenheit“ das Bild wieder etwas zurechtgerückt werden soll.