Chronik | Wien 08.03.2013

Radwegenetz: Ausbau um 18 Kilometer

Radkurier Höfler glaubt, dass neue Radwege nicht zielführend sind. © Bild: KURIER/Jeff Mangione

Vier Millionen Euro will die Stadt für neue Radwege ausgeben. Radkuriere zweifeln, ob das sinnvoll ist.

In Wolfgang Höflers Garage stehen 140 Räder. Pro Jahr legt der Radkurier 9000 Kilometer im Sattel sitzend zurück. Im Sommer fuhr der 41-Jährige mit dem Rad von Wien nach Berlin, im Herbst von Wien nach Triest. „Heuer möchte ich mit meinem Lastenfahrrad eine Waschmaschine von Tirol hierher transportieren“, sagt der gebürtige Niederösterreicher, der in Wien als Radkurier für das Unternehmen „Heavy Pedals“ arbeitet. „Das sollte zu machen sein.“

Es sind gute Zeiten für Fahrradliebhaber wie ihn. Immerhin hat Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (G) gestern angekündigt, den Radverkehrsanteil heuer von derzeit sechs auf acht Prozent erhöhen zu wollen. So soll etwa das Radwegenetz um rund 18 Kilometer erweitert werden, wofür vier Millionen Euro budgetiert sind. Allerdings: Nur fünf Kilometer kommen aus dem Zentralbudget, für den Rest müssen die Bezirke Geld lockermachen. Das Radwegenetz könnte dann von derzeit 1222 auf 1240 Kilometer anwachsen.

Vassilakou kündigte auch an, dass demnächst die erste Fahrradstraße Wiens beim Kahlenbergerdorf in Döbling (Kuchelauer Hafenstraße) realisiert wird. Konfliktbereiche sollen entschärft werden (siehe Übersicht). Rückenwind erwartet sich die Ressortchefin auch von der Biker-Konferenz „Velo-City“, die im Juni in der Bundeshauptstadt über die Bühne geht. „Ich will ein absolutes Rekordjahr, ein sattes Plus“, zeigte sich Vassilakou am Freitag selbstsicher.

"Richtung stimmt"

Radkurier Höfler ist dennoch nur vorsichtig optimistisch. „Die Richtung stimmt, aber den Ausbau des Radwegenetzes sehe ich kritisch.“ Der Grund: Höfler ist überzeugt, dass mehr Radwege nicht automatisch die Sicherheit der Radler erhöhen. "Das subjektive Sicherheitsgefühl mag höher sein. Objektiv gesehen ist man auf der Straße aber sicherer, weil man von anderen Verkehrsteilnehmern besser gesehen wird." Alec Hager von der Interessensgemeinschaft Fahrrad begrüßt den Ausbau des Radwegenetzes zwar, plädiert aber auch dafür, von der Novelle der Straßenverkehrsordnung Gebrauch zu machen und die Radwegebenützungspflicht vielerorts aufzuheben. „Es würde die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen“, glaubt auch Höfler.

Christoph Chorherr, oberster Radler bei den Wiener Grünen, hält dagegen: „Für Leute, die viel mit dem Rad unterwegs sind, mag das stimmen. Wir wollen aber mit neuen Radwegen auch jene fürs Rad begeistern, die jetzt noch im Auto sitzen.“ Derzeit würden aber etliche Straßen geprüft, in denen eine Aufhebung der Radwegebenützungspflicht sinnvoll wäre. „Für Details ist es hierfür aber noch zu früh.“

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Radkurier Höfler glaubt, dass neue Radwege nicht zielführend sind. © Bild: KURIER/Jeff Mangione

So soll das Radnetz ausgebaut werden

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© Bild: KURIER

Nummer Adresse Vorhaben Länge
1 1., Kärntner Ring Abschnitt Kärntner Straße bis Max Weiller Platz Bestandsverbesserung des bestehenden Radweges 100m
2 1., Franz-Josefs-Kai Abschnitt Dominikaner Bastei bis Aspernbrücke Verbreiterung des Geh- und Radweges 200m
3 2., Südportalstraße Abschnitt Messestraße bis Trabrennstraße Verkehrsfreier Bereich; Verbindung zwi-schen bestehende Radfahranlagen 600m
4 2., Obere Donaustraße Abschnitt Lilienbrunngasse bis Hollandstraße Zweirichtungsradweg; Verbindung zwi-schen bestehenden Radfahranlagen 250m
5 3., Landstraßer Hauptstraße Abschnitt Landstraßer Gürtel bis Rennweg Zweirichtungsradweg; Verlängerung des bestehenden Radweges 350m
6 3., Otto-Preminger-Straße Abschnitt Rubin-Bittmann-Promenade bis Landstraßer Hauptstraße Mehrzweckstreifen; Anbindung an den Radweg in der Landstraßer Hauptstraße 600m
7 3., Rubin-Bittmann-Promenade Abschnitt Aspangstraße bis Otto-Preminger-Straße Geh- und Radweg; Anbindung am dem Mehrzweckstreifen Otto-Preminger-Straße 280m
8 3., Leberstraße Abschnitt Landstraßer Hauptstraße bis Grasber-gergasse Mehrzweckstreifen; Verbindung zwischen Landstraßer Hauptstraße und Am Kanal 180m
9 7., Schottenfeldgasse Abschnitt Badhausgasse bis Lerchenfelder Straße Radfahren gegen die Einbahn; Netzerwei-terung und Anschluss an Albertgasse 50m
10 8., Albertgasse Abschnitt Josefstädter Straße bis Pfeilgasse Radfahren gegen die Einbahn; Anbindung zwischen bestehender Anlage in der Al-bertgasse und der neuen Verbindung in der Schottenfeldgasse 150m
11 8., Josef-Mathias-Hauer-Platz Abschnitt Josefstädter Straße bis Florianigasse Radweg; Netzerweiterung mit Verbindung zur Albertgasse 40m
12 9., Alser Straße Abschnitt Garnisonstraße bis Spitalgasse Mehrzweckstreifen; Netzschluss zwischen Universitätsstraße und Spitalgasse 400m
13 9., Hernalser Gürtel – Querung Abschnitt zwischen Lazarettgasse bis Jörger Straße Mehrzweckstreifen; Netzschluss zwischen bestehender Radfahranlage Lazarettgasse und Jörger Straße 30m
14 10., Gerhard-Bronner-Straße Abschnitt Sonnwendgasse bis Gertrude-Fröhlich-Sandner-Straße Mehrzweckstreifen; Verbindung zwischen zwei Radfahranlagen 200m
15 12., Altmannsdorfer Straße Abschnitt Belghofergasse bis ggü. Eckartsaugasse Radfahren gegen die Einbahn; Zweirich-tungsradweg; Netzschluss zwischen be-stehende Anlage Belghofergasse und Alt-mannsdorfer Straße 300m
16 22., Kagraner Platz Abschnitt zwischen Wagramer Straße bis Zillinger-gasse Mehrzweckstreifen; Netzschluss zwischen bestehende Anlage Wagramer Straße und Hirschstettner Straße 200m
17 22., Oleandergasse Abschnitt zwischen Pelargonienweg bis Rautenweg Mehrzweckstreifen; Netzerweiterung des Rautenweges 370m
18 22., Niklas-Eslan-Straße Abschnitt Cankarstraße bis Seestadtstraße Geh- und Radweg; Anbindung an U2 750m
Weitere Projekte
19 1., Lückenschluss Äußerer Ringradweg Konkrete Planung 2013 – Umsetzung 2013/14
20 1., Habsburgergasse Prüfung der Lösung mit einer Ampel – Ergebnis Frühjahr 2013
21 6., Getreidemarkt Realisierung 2013
( Kurier ) Erstellt am 08.03.2013