Chronik | Wien
15.09.2017

Prügelvideo: Leonie muss auf Therapie warten

Oberlandesgericht bestätigte Urteile gegen Rädelsführerin und zwei weitere beteiligte Mädchen.

Leonie hat sich verändert. Das Mädchen, das im Vorjahr mit vier anderen eine 15-Jährige vor dem Wiener Donauzentrum verprügelte – das Video wurde im Internet mehr als drei Millionen Mal geklickt – tritt beim Termin im Oberlandesgericht ganz brav auf. Rosa Blazer, Businessrock, keine frechen Antworten mehr.

Warteliste

Auch das Wesen der 16-Jährigen soll nun ein anderes sein, beschreibt ihre Bewährungshelferin. Sie hält verlässlich Kontakt, sei paktfähig und zuverlässig. Drei Mal im Monat besucht sie die Psychotherapie. Sie wohnt alleine in einer betreuten Wohnung, kümmert sich gerade darum, den Hauptschulabschluss nachzuholen. Das angeordnete Anti-Gewalttraining hat sie aber immer noch nicht absolviert. Das liegt nicht an ihr. "Die Nachfrage ist enorm. Die Warteliste auch", sagt Andreas Zembaty vom Verein Neustart. Gleichzeitig dauert es, bis genügend Mädchen für eine Gruppe zusammen sind. Sechs bis acht sollen es sein. Leonie ist die Nummer fünf. "Im November sollte der Kurs aber starten", sagt er.

Leonie wurde im Februar zu 18 Monaten Haft verurteilt, sechs davon unbedingt. Sie hat die Strafe bereits abgesessen. Doch das Urteil (ihr Opfer erlitt einen doppelten Kieferbruch) empfindet sie als ungerecht. "Weit überzogen", nennt das auch ihre Anwältin Daniela Schiesl. Auch die beiden anderen Mädchen, die wegen der schweren Körperverletzung zu je zwölf Monaten bedingt verurteilt worden waren, sind mit dem Urteil nicht einverstanden. Das würde sie künftig bei der Jobsuche behindern.

Zudem sei es nicht ihre Schuld gewesen, dass das Video im Netz gelandet ist – gepostet hatte es eine Freundin des Opfers. "In der heutigen Zeit wird alles veröffentlicht. Verkehrsunfälle und Flugzeugabstürze genauso wie das erste Hauferl vom Hund. Das kann man den Jugendlichen nicht zur Last legen", meint eine Verteidigerin.

Die Mütter der beiden sind zur Verhandlung gekommen, entschuldigen sich und beteuern, dass ihre Töchter geläutert seien. Nur von Leonies Familie ist niemand da. "Schwierige familiäre Verhältnisse" hatte der Richter schon im Februar als Milderungsgrund bei der Verurteilung berücksichtigt.

Extreme Brutalität

Freitagmittag wird die Berufung der Mädchen zurück gewiesen. "Das Opfer wird lebenslang an den Übergriffen leiden. Die Tathandlung war zu massiv. Da sah man extreme Brutalität und Empathielosigkeit." Und auch, dass das Video nicht von den Tätern ins Netz gestellt wurde, beeindruckt den Richter nicht. "Es wurde in WhatsApp-Gruppen gestellt. Es mag heute zwar alles im Netz landen. Aber es ist unsere Aufgabe, hier Schranken zu schaffen."