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Chronik Wien
12/22/2021

Prozess: Lebenslange Haft und Einweisung für Bierwirt

Albert L. erschoss seine Ex-Lebensgefährtin. "Ich will büßen", sagte er und bekannte sich zu seiner "miesen Tat".

von Michaela Reibenwein

Der Bierwirt zückte Mittwochvormittag im Landesgericht für Strafsachen einen Zettel und las vor: "Es tut mir leid, ich bekenne mich zu allem schuldig. Ich will es selbst nicht wahrhaben, dass ich zu so einer miesen Tat fähig bin". Er könne sich aber noch immer nicht an alles erinnern, erklärt Albert L. "Das hat etwas mit dem Verdrängungsmechanismus zu tun." Er hat im April seine 35-jährige Lebensgefährtin Marija M. in Wien-Brigittenau erschossen. Mittwochnachmittag fiel das Urteil der Geschworenen - und zwar einstimmig: Lebenslange Haft plus eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher; rechtskräftig.

"Er hat ganz genau gewusst, was er tut", berichtete die 13-jährige Tochter in ihrer Befragung. Ihr Vater habe die Mutter schon oft mit dem Umbringen bedroht. "So gesehen war das nicht der erste Mordversuch. Er hat sie auch oft geschlagen." Speziell wenn er Alkohol getrunken habe, sei Albert M. aggressiv und gemein geworden. Das Mädchen war es auch, das die Polizei verständigt hatte: "Hier ist ein Mann mit Waffe!"

"Er hat diesen Weg nicht gewählt"

Er habe Bier und Wodka getrunken, zudem Psychopharmaka eingenommen. Er wisse nicht einmal, wie er zur Wohnung von Marija M. gekommen sei. "Er hatte einen Filmriss", beschrieb es Rechtsanwalt Manfred Arbacher-Stöger schon am ersten Prozesstag. Rudolf Mayer, der den Angeklagten ebenso vertritt, erklärte am Mittwoch: "Sein Vater war Alkoholiker, er wurde geschlagen, kam ins Heim. Einer wird mit seiner Geschichte depressiv. Der andere aggressiv. Der eine kommt ins Trinken. Der andere trinkt keinen Tropfen. Er hat diesen Weg nicht gewählt. Aber seine Geschichte war der Schlüssel dafür, was passiert ist."

Schon eine Woche vor dem Mord war es zu einem Zwischenfall gekommen. Der Bierwirt war unangekündigt in der Wohnung aufgetaucht, versprühte Pfefferspray im Kinderzimmer seiner Tochter. Als ihn der Vater des späteren Mordopfers aufforderte, zu gehen, zog Albert L. eine Pistole und feuerte in seine Richtung. Die Kugel schlug oberhalb des Türstocks ein. Doch der Vorfall wurde nie angezeigt. Der Bierwirt hatte auch ein Waffenverbot. Eine Pistole stammt laut seinen Aussagen von einem Drogendealer.

"Holt die Polizei!"

Mit Marija M. hatte der Angeklagte zwei Kinder. Sie wurden Zeugen der Tat. "Holt die Polizei", soll Marija M. noch einen Nachbarn, der sich zufällig in der Wohnung aufhielt, gebeten haben. "Niemand holt die Polizei!", erwiderte Albert L. Der erste Schuss traf die 35-jährige Krankenschwester in den Oberschenkel, der zweite in den Kopf.

Der Nachbar flüchtete mit den Kindern (13 und 3 Jahre alt) in seine Wohnung. Dann stand der Angeklagte vor seiner Tür und forderte Alkohol. "Er hat sich auf eine Bank draußen gesetzt und die Flasche Bacardi in einer Minute ausgetrunken", erinnert er sich.

Zum Zeitpunkt der Festnahme dürfte Albert L. 3,5 bis 3,6 Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

Der psychiatrische Sachverständige Siegfried Schrank bescheinigte dem Bierwirt zudem eine psychische Störung. Es sei mit "hoher Wahrscheinlichkeit" davon auszugehen, dass der Angeklagte weitere Gewalttaten begehen könnte. Er hat bereits elf Vorstrafen. In Haft war er nie.

Albert L.'s letzte Worte im Verfahren:  "Ich nehme das Urteil an. Ich will büßen."

 

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